Das Interesse an Ausbildungen im Handwerk steigt wieder. Das beobachtet die Handwerkskammer Düsseldorf und sieht auch die Ausbreitung von KI in Akademikerberufen als Grund dafür. Auch bei der Berufsberatung der Arbeitsagenturen würde öfter nach dualen Ausbildungen gefragt, die später Sicherheit versprechen, heißt es auf Anfrage.

Doch ist das schon ein neuer Trend? Jahrelang ging die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung: Junge Menschen zogen das Studium oft der Ausbildung vor. Die Niederrheinische IHK ist noch zurückhaltend bei einer Prognose. Vor allem die wirtschaftliche Lage sorge dafür, dass der Ausbildungsmarkt angespannt bleibe. Doch gerade darin sieht die Handwerkskammer eine Chance.

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Nachfrage nach Handwerks-Ausbildungen wächst trotz weniger Absolventen

Noch bestehe ein Überhang an Ausbildungsplätzen im Handwerk, berichtet Alexander Konrad, Sprecher der Handwerkskammer Düsseldorf. Dieser werde jedoch kleiner. Im aktuellen Ausbildungsjahr habe man ein leichtes Plus von 0,4 Prozent an neuen Azubis festgestellt – trotz rückläufiger Schulabgängerzahlen, während Industrie, Handel und ausbildende Dienstleistungsberufe zurückgehende Neuaufnahmen verzeichnen.

„Das Handwerk wird auch in Zukunft unvermindert gefragt bleiben“, sagt Konrad. „KI baut keine Häuser und stellt keine Unikate her.“ Attraktiv blieben daher auch Klimahandwerke, wie Dachdecker, Kälteanlagenbauer oder Installateure und Heizungsbauer. Diese würden noch lange von der Energiewende profitieren. „In den an der Gebäude-Energiewende beteiligten Branchen und im Bauhauptgewerbe gab es entsprechend sogar ein spürbares Lehrvertrags-Plus. Rund 28.000 junge Menschen haben im vergangenen Jahr in NRW ihre Ausbildung im Handwerk gestartet.“

Die Handwerkskammer Düsseldorf schließt daraus auf einen neuen Trend: „Das Interesse am Handwerk wächst wieder“, so Konrad. Während die Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen steige und viele Einstiegsjobs von KI ersetzt würden, zeige sich das Handwerk als zukunftssichere Branche. „Keine KI wird eine Wärmepumpe montieren können, kein Algorithmus ein Dach decken, kein Chatbot ein Auto reparieren. Dafür braucht es gut ausgebildete Fachkräfte.“

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Handwerk: Offenheit für junge Talente überzeugt immer mehr Bewerber

Zudem zeichne das Handwerk eine große Offenheit aus, „motivierten jungen Menschen unabhängig vom Schulabschluss eine Chance zu geben“, sagt Konrad weiter. „Es zählt nicht, wo du herkommst, sondern wo du hinwillst.“ Dies habe sich unter jungen Menschen herumgesprochen. Auch Influencer, die in sozialen Medien von ihren Erlebnissen im Handwerk und ihren Projekten berichten, haben viele junge Menschen „angesteckt“, so der Kammersprecher.

Die Agentur für Arbeit sieht einen ähnlichen Trend. Birgitta Kubsch-von Harten, Leiterin der Agentur für Arbeit Düsseldorf, berichtet von mehr Bewerbern für duale Ausbildungen. „Insbesondere zeigen vermehrt Menschen mit ausländischem Pass daran Interesse.“

In der hauseigenen Berufsberatung fragen Jugendliche und junge Erwachsene weiterhin vor allem nach klassischen Ausbildungsgängen, „allerdings immer öfter auch nach Berufen, die sinnstiftend sind, die ihnen Sicherheit versprechen und die Nachhaltigkeit beinhalten“, so Kubsch-von Harten. So steige das Interesse am öffentlichen Dienst und am Handwerk.

Junge Bewerber sehen KI als Chance für ihren Berufseinstieg

Die Ausbreitung von KI im Berufsalltag habe bereits das Interesse von Bewerbern verändert, sagt Kubsch-von Harten weiter. „Allerdings werden KI und Digitalisierung – so ist unsere Wahrnehmung – von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht als Hemmnis, sondern als Chance wahrgenommen.“ Wenn Fragen danach in einem Beratungsgespräch aufkommen, rate man dazu, online den Job-Futuromaten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zu besuchen.

Dort können Interessierte ein Gefühl dafür bekommen, wohin sich die Arbeitswelt entwickeln könnte und dass Berufe sich vielleicht verändern, aber in den wenigsten Fällen gänzlich wegfallen werden.

Auch bei der Agentur für Arbeit Essen beobachtet man, dass KI junge Menschen dazu bringt, über höhere Qualifikationen im Beruf nachzudenken, wie eine Sprecherin sagt. Etwa durch kombinierte Modelle wie duale Studiengänge, „die sowohl praktische Erfahrung als auch einen akademischen Abschluss ermöglichen“.

Duale Studiengänge verbinden Praxis und Theorie und gewinnen an Beliebtheit

Schüler würden sich zudem mehr damit auseinandersetzen, wie sich Berufe künftig verändern können. „Berufe, die früher als besonders sichere Karrierewege galten, werden teilweise kritischer hinterfragt“, so die Sprecherin. „Das führt aber eher zu einer breiteren Orientierung als zu einer klaren Verschiebung hin zur Ausbildung.“

Insgesamt beobachte man ein großes Interesse an dualen Studiengängen. „Viele Abiturientinnen und Abiturienten sehen darin eine attraktive Verbindung aus akademischem Abschluss und praktischer Berufserfahrung“, sagt die Sprecherin. Dieses Modell wirke für viele wie ein guter Mittelweg zwischen Studium und Ausbildung.

Die Niederrheinische IHK sieht dagegen noch keinen klaren Trend zu mehr Ausbildungen, wie eine Sprecherin mitteilt. Der Ausbildungsmarkt bleibe angespannt und zeige sich weiterhin regional wie branchenbezogen unterschiedlich. „Aus unserer Sicht wirken sich vor allem die schwierige wirtschaftliche Lage und die Nachwirkungen der Pandemie auf die Berufswahl junger Menschen aus.“

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Angebote der IHK für die Berufswahl

Um Jugendliche bei Berufsorientierung und Berufswahl zu unterstützen, setzt die Niederrheinische IHK auf etablierte Angebote. Dazu gehören unter anderem die Ausbildungsbotschafter. Dabei besuchen Auszubildende Schulen in der Region und berichten aus erster Hand über ihren Ausbildungsalltag. Im Rahmen des Projekts „Passgenaue Besetzung“ bringen wir Betriebe und Jugendliche zusammen, so eine Sprecherin.

Zudem unterstütze man Unternehmen bei der Suche nach Nachwuchskräften und helfe Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen, das richtige Unternehmen zu finden. Formate wie die „Beruflichen Bildungslotsen“ und das „Duisburger Schulmodell“ helfen Schülern beim Übergang von der Schule in den Beruf.

Ausbildungsmarkt bleibt angespannt: Unternehmen und Jugendliche verunsichert

Die Unsicherheit unter den Betrieben betreffe auch Personalentscheidungen. Und auch unter Jugendlichen herrsche eine gewisse Unsicherheit darüber, wie stabil und verlässlich der Einstieg in Ausbildung und Beruf aktuell sei, so die IHK-Sprecherin. „Für Unternehmen geht es um Planungssicherheit, für junge Menschen um Perspektive, Übernahmechancen sowie die Zukunftsfähigkeit von Berufen und Branchen.“

Auch die Nachwirkungen der Pandemie seien noch sichtbar. „Die restriktiven Maßnahmen an den Schulen während der Corona-Jahre haben die direkten Kontakte zu den Jugendlichen und damit die Berufsorientierung sowie ihr schulisches Lernverhalten nachhaltig beeinträchtigt“, sagt die Sprecherin.

Ob sich das neu entfachte Interesse an Ausbildungen also zu einem echten Trend weiterentwickelt, ist noch unklar und hängt auch von der Wirtschaft ab. Zudem fehlen den Ausbildungsbetrieben in diesem Jahr viele neue Schulabgänger wegen der Umstellung von G8 auf G9.