Mainz hat seine Mainzelmännchen, in Aurich hüpft Komiker Otto von Grün auf Rot, in Friedberg tänzelt Elvis am Straßenrand und in Trier regelt an manchen Straßenecken Karl Marx den Verkehr. Bei den Ampelmännchen ist in Deutschland einiges in Bewegung gekommen und auch die Ampelvariationen in niederrheinischen Städten können sich sehen lassen. Obwohl sie strengen Regeln unterworfen sind, sollen es sogar noch mehr werden.

Krefelds Meister Ponzelar erinnert an die Webertradition

Ortsbesuch in Krefeld. Es nieselt, diese unsichtbaren Tropfen, die trotzdem durch Mark und Bein dringen. Als die Ampel am Ostwall auf Grün springt, eilen die Menschen zur Haltestelle gegenüber, keiner achtet auf das grüne Männchen, das tapfer einen Stoffballen schultert.

Ampelmännchen in Krefeld, Moers und Kevelaer für die Niederrheinseite
Das Ampelmännchen Meister Ponzelaer hat ein Krefelder Künstler designt.© FUNKE Medien Bilder | Corinna Zak

Schade eigentlich, denn Meister Ponzelar ist ein schmucker Ampelmann, der vom Krefelder Künstler Chris Hillus designt wurde. Wirklich gelebt hat der Meister nicht, es ist eine Kunstfigur, der auch ein Denkmal in der Nähe gewidmet ist. Sie ehrt symbolisch die Weber, die Krefeld einst zu einer wohlhabenden Stadt machten. Seit vergangenem Jahr sollen an Ost- und Südwall außerdem die Ampeln dafür sorgen, dass sich die Krefelder mit der Tradition ihrer Stadt beschäftigen. Das klappt bei Regen eher durchwachsen.

Am nächsten Tag scheint in Kevelaer die Sonne. Doch, natürlich kenne sie das Ampelmännchen mit Pilgerstab, sagt Jennifer Cornelissen. Sie ist an der kleinen Wegekapelle an der Twistedener Straße von ihrem Fahrrad abgestiegen und wartet auf Grün. Das wird von einer historischen Figur angezeigt: Wallfahrt-Gründer Hendrik Busmann, bereits mit Denkmal und eigener Straße geehrt, ist hier verewigt. Der Platz wurde ausgesucht, damit die Ampel-Busmännchen den Weg zum Solegarten verschönern. Der Radlerin aus Kevelaer gefällt’s: „Das ist mal was anderes!“, ruft sie und düst los. Auch eine Gruppe Spaziergänger aus Meerbusch ist fasziniert und bleibt etwas länger auf der Straße stehen, um das Lichtsignal zu fotografieren.

Ampelmännchen in Krefeld, Moers und Kevelaer für die Niederrheinseite
Ampelmännchen sind ein beliebtes Fotomotiv.© FUNKE Medien Bilder | Corinna Zak

Damit beim Selfie mit Fußgängersignalanlage – so heißen die Ampeln in der Fachsprache – niemand überfahren wird, hat man sich in Wesel etwas einfallen lassen. Denn der niedliche Esel, der an der Esplanade bei Grün lostrottet, ist ein Publikumsmagnet und beliebtes Fotomotiv bei Tagestouristen. „Manche merken erst, wenn’s rot wird, dass sie noch auf der Straße stehen“, sagt Pressesprecher Swen Coralic. Deswegen hat die Stadt beschlossen, die Grünphase für einige Sekunden zu verlängern.

Was hier noch auffällt: Dem Esel steht auf einer weiteren Streuscheibe ein Ampelmännchen auf zwei Beinen zur Seite. So schreibt es die Richtlinie für Lichtsignalanlagen vor: Das Lichtsignal muss immer einen stehenden Fußgänger für Rot und einen gehenden für Grün zeigen. Für Menschen mit einer Rot-Grün-Schwäche haben die einen höheren Wiedererkennungswert, erklärt der Pressesprecher. Wenn also ein identitätsstiftendes Wahrzeichen vier Beine hat, benötigt es Begleitung.

Ampelmännchen in Krefeld, Moers und Kevelaer für die Niederrheinseite
Die Kumpelampel für Fußgänger gibt es unter anderem in Moers, Dinslaken, Duisburg, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn.© FUNKE Medien Bilder | Corinna Zak

Die brauchen die Bergmann-Ampeln nicht, die es besonders häufig am Niederrhein gibt. Schließlich kann ein Bergmann wunderbar voranschreiten, auch wenn er eine Grubenlampe in der Hand hält. Es gibt sie in vielen Städten in Deutschland, so auch in Duisburg, Dinslaken, Moers, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn. Die weltweit erste Kumpelampel stand übrigens in Duisburg. Sie wurde im Oktober 2018 aufgestellt, um neben Fördertürmen und Halden an ein wichtiges Kapitel in der Geschichte der Region zu erinnern.

Schützenampeln und Karneval: Niederrhein zeigt kreative Lichtsignale

Um gelebte Stadtgeschichte geht es auch bei den Schützenampeln in Neuss und in Mönchengladbach. „Das Schützenwesen ist in Neuss nicht nur zu den Festtagen präsent – es prägt das Stadtbild und das gesellschaftliche Leben über das gesamte Jahr hinweg“, heißt es auf der Internetseite der Stadt, die in diesem Jahr die Landesgartenschau ausrichtet. Wenn die Besucherinnen und Besucher ab Mitte nächster Woche eintrudeln, können sie auch die von zwei Designerinnen entworfenen Lichtsignale bewundern. In Mönchengladbach hat es übrigens auch der Karneval in den Ampelreigen geschafft. Am Rathaus leuchtet ein jeckes Prinzenpaar in Rot und Grün: sie mit langem Kleid und er mit Federn am Hut.

Mehr Frauen auf Fußgängerampeln gibt es am Niederrhein nicht. Und dabei bleibt es bis auf Weiteres, obwohl in zwei Städten über neue Motive nachgedacht wird. In Kleve hat die CDU den Vorschlag gemacht, das Wahrzeichen Schwan auf die Streuscheiben zu bringen. Die SPD favorisiert hier das Schüsterken, das an die Schuhmacher-Tradition der Stadt erinnert. Bis zur Landesgartenschau 2029 ist ja noch Zeit, das zu entscheiden.  

In Kempen haben Martinszüge eine lange Tradition.
In Kempen haben Martinszüge eine lange Tradition.© mpix-foto - stock.adobe.com | Thorsten Malinowski

Gute Chancen hat eine St.-Martin-Ampel in Kempen. Schließlich gibt es hier einen der größten Martinszüge in NRW. Auf den Ampeln wird aber nicht der Heilige Martin zu sehen sein. „Auf die Idee käme hier niemand, die Hauptpersonen an St. Martin sind die Kinder“, betont Rainer Hamm, der Vorsitzende des St.-Martin-Vereins Kempen. Die Idee hatte der Verein schon vor ein paar Jahren, dann kam Corona dazwischen. Seitdem gibt es aber die Vorlagen für die Signalscheiben. Sie zeigen ein Kind mit Wollmütze und einer Fackel in der Hand.

Der Rat der Stadt hat das Thema jetzt erneut aufgegriffen. Damit ist es auch bei Rainer Hamm wieder aktuell, denn die St.-Martin-Ampeln sollen spendenfinanziert werden, und da kommt der Verein ins Spiel. Die Sache liege jetzt beim Ordnungsamt, sagt der Vorsitzende. Man habe keinen Druck, aber „schön wäre es, wenn die Kinder mit ihren Fackeln schon in diesem Jahr an den Ampeln vorbeiziehen könnten.“