Die Post mit den Wahlunterlagen kam bereits Ende März und könnte für so manchen an Rhein und Ruhr womöglich etwas überraschend eingetrudelt sein, Motto: Abstimmen für eine mögliche Olympiabewerbung KölnRheinRuhr 2036, 20240 oder 2044, jetzt? So richtig präsent war das Thema bisher irgendwie nicht, inzwischen hat es aber Fahrt aufgenommen. Wie berichtet haben sich unter dem Motto „Nolympia“ bereits Gegner des Projekts formiert, zu teuer, zu wenig nachhaltig, dazu unzuverlässiger Nahverkehr und marode Straßen überall im Land, lauten die Argumente.
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Neben den Protestlern formieren sich auch die Olympia-Werber

Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) wirbt dagegen mit niedrigeren Kosten, als etwa in München (knappe fünf Milliarden Euro stehen 20 Milliarden in Bayern gegenüber). Dazu seien alle Wettkampfstätten bereits vorhanden. Eine entsprechende Ertüchtigung von Hallen oder Stadien würde am Ende allen nutzen. Zudem gebe es insgesamt 14 Millionen Tickets, so viele wie bei keinem anderen Bewerber, 1,4 Millionen davon könne man vergünstigt anbieten, sagte der Landesvater jüngst bei einem Termin an der Duisburger Regattabahn.
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Duisburg ist eine der insgesamt 17 an der Olympiabewerbung Rhein-Ruhr beteiligten Städte im Ballungsraum zwischen Dortmund und Köln. In Köln als quasi Hauptstadt würden das Olympische Dorf entstehen und auch ein temporäres Olympiastadion, das sich nach den Spielen in ein Wohnquartier verwandeln soll. Wettkampfstätten gebe es außerdem in Aachen, Bochum, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Herten, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Monheim am Rhein, Oberhausen, Pulheim, Recklinghausen und Wuppertal. In all diesen Städten läuft bis zum 19. April ein Olympia-Bürgerentscheid (siehe Box).
Es gibt bereits Zwischenergebnisse aus einigen Städten
Erste Zwischenergebnisse liegen bereits vor. So haben laut Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) bereits 30 Prozent der 814.141 Abstimmungsberechtigten Kölnerinnen und Kölner ihre Stimme abgegeben. In Oberhausen sind es, Stand: Mittwoch, 8. April, 30.100 von 152.542 Abstimmungsberechtigten, in Wuppertal waren es kurz vor Ostern 52.000 von 254.358 Abstimmungsberechtigten. In Duisburg waren es auf NRZ-Anfrage bis zum 8. April 83.200 von 350.800 Abstimmungsberechtigten, in Essen 104.000 von 426.000, in Düsseldorf 122.805 von 472.573 und in Monheim am Rhein 11.000 von 33.000. Die Stadt Krefeld vermeldet man keinen Zwischenstand, „um keinen Einfluss auf das weitere Abstimmungsverhalten zu nehmen, wird die genaue und abschließende Anzahl der eingegangenen Wahlbriefe erst am Tag der Auszählung festgestellt und bekannt gemacht.“, heißt es aus dem Rathaus.
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Dass sich bereits viele Bürgerinnen und Bürger beteiligt haben, bewerten die genannten Städte als gutes Zeichen. Ist doch das Quorum von 10, beziehungsweise 20 Prozent in kleineren Städten erreicht. Das heißt aber nicht, dass diese Städte ihr Ja für die Olympia-Bewerbung bereits gegeben hätten. Ob tatsächlich jeweils mehr Menschen mit Ja als mit Nein geantwortet haben, steht erst nach der Auszählung am Abend des 19. April fest. Ebenso ist auch erst dann die Zahl der ungültigen Stimmen bekannt.
Ministerpräsident Hendrik Wüst rührt eifrig die Olympia-Werbetrommel
Sollten die Olympischen und Paralympischen Spiele in einem der genannten Jahre nach Nordrhein-Westfalen kommen, ist das Gros der Sportstätten tatsächlich vorhanden. So werden etwa Fußballarenen in Dortmund oder Düsseldorf für Fußball genutzt, die Krefelder Yayla-Arena für Taekwondo und Rollstuhlrugby oder die Aachener Soers für Reitwettkämpfe. Dass aber, wie Hendrik Wüst sagt, alle Sportstätten fertig sind, stimmt nicht ganz.
So läuft der Bürgerentscheid ab
Am Sonntag, 19. April, entscheidet sich, ob vier Millionen Menschen in der Region zwischen Dortmund und Köln Olympische Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 wollen. Dann ist der Bürgerentscheid in den an der Bewerbung beteiligten NRW-Städten abgeschlossen. Die Teilnahmeunterlagen für die Briefwahl, eine Urnenwahl gibt es nicht, sind Ende März verschickt worden.
Abstimmungsberechtigt sind alle EU-Bürgerinnen und -bürger ab 16 Jahren, die seit mindestens drei Monaten in einer der teilnehmenden Gemeinden wohnen. Damit das Ergebnis gültig ist, muss eine Mindestbeteiligung erreicht werden. In Städten mit über 100.000 Einwohnern gilt ein Abstimmungsquorum von 10 Prozent. In kleineren Kommunen liegt das Quorum bei 20 Prozent. Zudem müssen mehr Bürger mit Ja als mit Nein abstimmen.
Der auf einem ehemaligen Kiesabbaugebiet in Monheim am Rhein vorgesehene Olympische Skatepark existiert aktuell lediglich als bunter Plan. Und es hatte in der mit 46.000 Einwohnern kleinsten an der Bewerbung teilnehmenden Stadt sogar Bestrebungen gegeben, das Projekt ganz abzublasen. Nach massiven Einbrüchen bei der Gewerbesteuer – die einst so reiche Stadt war plötzlich wieder hoch verschuldet – waren Bürgermeister Daniel Zimmermann und seine Peto-Mehrheitsfraktion abgewählt worden. Der neue Stadtrat unter der parteilosen Bürgermeisterin Sonja Wienecke hatte viele Großprojekte der Vorgängerregierung kassiert.
12,5 Millionen Euro für einen Olympischen Skatepark?
So stand auch der mit 12,5 Millionen Euro taxierte Skatepark auf dem Index, Motto: Der kommt nur, wenn es Fördergelder gibt. Letztlich war man dann aber doch umgeschwenkt, schließlich seien das Olympische und Paralympische Dorf lediglich zehn Kilometer Luftlinie von Monheim entfernt. Der Stadtrat votierte mehrheitlich dafür, sich an der Olympiabewerbung zu beteiligen. Lediglich die Linke stimmte in Person von Pia Kops dagegen, die ist zwar passionierte Skaterin, aber eben auch überzeugte „Nolympianerin“.
Die Chancen, dass die Region in zehn bis 18 Jahren Olympioniken und Paraolympioniken begrüßen kann, ist zum jetzigen Stand indes schwer zu bewerten. Der Nolympia-Widerstand zum Thema Nachhaltigkeit, Kosten und Infrastruktur ist das eine, dazu kommt der ungewisse Ausgang des Bürgerentscheids. Was passiert etwa, wenn eine Großstadt wie Duisburg oder Düsseldorf mehrheitlich mit Nein stimmt? Dann fehle die Legitimation und man müsse neu denken, sagte der Kölner OB Torsten Burmester jüngst in einem BILD-Interview.
Über den deutschen Bewerber entscheidet der DOSB am 26. September
Wie geht es weiter nach dem Olympia-Bürgerentscheid weiter? Am 26. September 2026 stimmt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in einer Mitgliederversammlung über den deutschen Olympia-Kandidaten ab. Neben Rhein-Ruhr gibt es auch Initiativen in Hamburg, Berlin und München. In München gab es bereits ein erfolgreiches Referendum: 66,4 Prozent stimmten mit Ja. In Hamburg ist ein Bürgerentscheid für den 31. Mai terminiert. In Berlin gibt es keinen Bürgerentscheid, hier stimmt noch das Abgeordnetenhaus über eine Bewerbung für die Sommerspiele ab. Der DOSB geht davon aus, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) frühestens 2027 eine Entscheidung über die Vergabe der Spiele fällt. Als weitere internationale Kandidaten gelten Budapest, Doha, Istanbul und Santiago de Chile.
Fest steht: Hendrik Wüst wird weiter im Land und an den Sportstätten für ein „OlympiJa“ werben und auch die beteiligten Städte machen mobil. In Monheim postiert sich die Stadtverwaltung mit einem Stand auf dem Frühlingsfest, das am Abstimmungstag rund um das Rathaus steigt. Abstimmung ist bis zur letzten Minute erwünscht...






