Der Wind macht Sebastian Hylewicz Sorgen. „Wir haben heute Windgeschwindigkeiten bis drei Meter pro Sekunde mit Böen bis sieben Meter pro Sekunde, das ist eigentlich das obere Limit, bei dem wir überhaupt fliegen.“ Das ist zwar eher eine sanfte Brise, aber der 28-Jährige leistet Präzisionsarbeit, und für die wäre absolute Windstille die optimale Ausgangslage. Er ist Agrardrohnen-Pilot und sein Auftrag lautet heute: Gewächshausschattierung.

Hightech für Gartenbau und Landwirtschaft

Sein imposantes Fluggerät ist vor der Gärtnerei Heiner und Nils Bons in Straelen bereits aufgebaut: eine DJI T50-Agrardrohne mit acht Motoren, 3,50 Meter Spannweite, 110 Kilogramm Abflugmasse, 40 Liter Tankvolumen. In wenigen Minuten kommt weiße Farbe in den Tank – dann geht es los. 1,13 Hektar Dachfläche will Sebastian Hylewicz mit der Drohne beschatten. Der Walbecker hat sich vor drei Jahren mit seinem Unternehmen „Drohnen Agrar Service“ selbstständig gemacht und ist seitdem ein gefragter Mann. Schließlich gibt es am Niederrhein zahlreiche Gewächshäuser mit Zierpflanzen und Gemüse.

Straelen - Drohnen in der Landwirtschaft
Der Tank der Agrardrohne fasst 40 Liter Farbe.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Der 28-Jährige richtet den Blick auf die Fernbedienung in seiner Hand. „Ich habe mit der Drohne schon die Außenkanten des Gewächshauses eingezeichnet, alle kleinen Ecken und Kanten markiert, jetzt weiß die Drohne automatisch, wo sie fliegen soll.“ Später wird er noch Parameter wie den Reihenabstand, die Flughöhe, die Fluggeschwindigkeit und die Sprühmenge eingeben. Aber jetzt wird erst einmal die Farbe angerührt. Dafür öffnet Sebastian Hylewicz die Tür seines Transporters. Das Innere wirkt wie eine kleine Werkstatt. „Das ist eine richtige Arbeitsstätte, alles jedes Mal ein- und auszuräumen, würde viel zu lange dauern.“ Sebastian Hylewicz schüttet Farbe aus Eimern in einen 1000-Liter-Tank und füllt ihn mit Wasser auf.

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Für die Luftfahrt habe er sich schon als Jugendlicher begeistert und mit 14 Jahren die erste kleine, private Drohne besessen, erzählt der Unternehmer. „Ich interessiere mich einfach für die Technik dahinter, das fasziniert mich jeden Tag aufs Neue.“ 2023 hat der gelernte Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker sich selbstständig gemacht und Drohne, Anhänger und Transporter gekauft.

Straelen - Drohnen in der Landwirtschaft
Tröpfchengröße und Sprühmenge stellt Sebastian Hylewicz vor dem Flug ein. © FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Doch dafür müsse man schon ein bisschen mutig sein, sagt der Drohnenexperte, „aber für mich war das zu dem Zeitpunkt eine riesige Marktlücke und wie das mit so vielen Dingen ist: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Damals waren wir erst die vierte Firma deutschlandweit, die den Agrarservice anbot.“ Wie oft er seitdem täglich Wind und Wetter checkt, kann Sebastian Hylewicz gar nicht sagen. Nur so viel: „Wetter-Apps sind meine besten Freunde.“

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Zu seinen Dienstleistungen zählen neben Saatgutausbringung und Düngung unter anderem die Multispektralanalyse, mit der Pflanzenstress und Nährstoffmangel frühzeitig erfasst werden können. Zum Hauptgeschäft hat sich allerdings in kurzer Zeit die Gewächshausschattierung entwickelt. Schon der erste Kunde am Niederrhein war begeistert und postete Fotos auf Facebook und Instagram. „Danach hat es richtig die Runde gemacht, es sind immer mehr Kunden geworden und das reißt bis jetzt nicht ab.“

Mehr Arbeitssicherheit durch die Agrardrohne

Denn Gewächshausanbau ist schon immer eine kleine Wissenschaft für sich gewesen. Es geht um optimale Wachstumsbedingungen – das richtige Klima und die perfekte Balance zwischen Licht und Wärme. Die Innenschattierung besteht aus Stoffbahnen. Das Gewebe kann mit Seilzügen je nach Bedarf ausgebreitet oder gerafft werden. Oft reicht das aber nicht, und im Frühjahr wird Farbe von außen angebracht, um Hitzeschäden zu vermeiden.

„Früher sind wir mit der Leiter hochgeklettert und haben die Farbe mit einer Pumpe aufgetragen“, erzählt Nils Bons, der gerade aus seinem Gewächshaus kommt. Das habe nicht nur ewig gedauert, sondern sei auch gefährlich gewesen.

Straelen - Drohnen in der Landwirtschaft
Die kreidebasierte Farbe wird nach den Sommermonaten mit einem Reiniger wieder entfernt. Das erledigt auch die Drohne.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Inzwischen schauen noch andere Mitarbeiter vorbei, so eine riesige Drohne auf dem Hof erregt einige Aufmerksamkeit. Gleich geht es los, die Positionslichter blinken schon.

„Bitte einmal alle nach hinten kommen“, winkt Sebastian Hylewicz die Zuschauenden in den sicheren Abstand zum Fluggerät. Das macht beim Start ordentlich Wind, gleitet dann ruhig über das Glasdach und versprüht die Farbe. Nach wenigen Minuten ist die Drohne mit der Hälfte des Gewächshauses fertig und Sebastian Hylewicz lässt sie wieder landen, um den Farbtank aufzufüllen.

Ein Blick auf die Fuchsien und Löwenmäulchen im Gebäude zeigt: Der Unterschied zwischen schattiert und unschattiert ist deutlich. „Das muss jetzt einmal durchtrocknen, aber man sieht jetzt schon, dass es Licht rausnimmt. Wenn wir gleich messen würden, wären wir so bei 50 Prozent Schattierung.“

So klappt der Wetter-Check

Beim Wetter-Check kann Sebastian Hylewicz niemand so leicht etwas vormachen: „Ich nutze mehrere Apps, wetteronline.de ist schon mal ganz gut, buienradar.nl aus den Niederlanden auch.“ Außerdem nutzt er windy.com. „Die vergleiche ich dann alle, um einen Mittelwert daraus zu ziehen, das klappt gut.“ Mehr Infos zum Service des Drohnenpiloten gibt es hier: drohnen-agar-service.de

Für Auf- und Abbau, Flug und Logistik vor Ort benötigt der Drohnen-Pilot heute rund drei Stunden. Ende des Sommers kommt er wieder. Dann entfernt er die Schattierung: Denn wenn die Tage kürzer werden, darf wieder mehr Licht und Wärme unters Glasdach und die Drohne verteilt einen Reiniger, mit dem der nächste Regen die Farbe auf Kreidebasis verschwinden lässt.

Als die Drohne mit frischer Farbe wieder abhebt, klettert Sebastian Hylewicz auf eine Leiter, die am Gewächshaus lehnt. Von hier oben behält er die Kontrolle – und stellt außerdem fest: „Jetzt ist das Wetter perfekt!“