Unter Applaus zerschellt die Sektflasche an der Bordwand der „Köln“, die nun frisch getauft und gesegnet für ihre erste Fahrt über den Rhein ablegt. Auch das Wetter spielt bei der Jungfernfahrt mit, und so kann das neue Verkehrssicherungsschiff des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) an diesem Donnerstag bei schönstem Sonnenschein aus dem kleinen Mülheimer Hafen und den Fluss aufwärts bis vor den Kölner Dom fahren.

Das neue Schiff ist das vierte in einer Serie von acht neuen Verkehrssicherungsschiffen (VSS), die auf dem Rhein für Sicherheit und Ordnung sorgen sollen. Bereits im vergangenen Jahr wurden die „Xanten“ in Wesel und die „Neuss“ in der Düsseldorfer Satellitenstadt eingeweiht. Seit 2019 ist zudem die „Emmerich“ am Niederrhein im Einsatz. Hauptaufgabe der Besatzungen ist es, Schifffahrtsignale zu warten, bei Notfällen zu helfen und Hindernisse aus dem Fluss zu bergen. Was das Schiff alles kann.

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Gefährliche Bergungen: Baumstämme und Autos aus dem Rhein gezogen

Michael Voigt ist für das WSA auf dem Rhein im Einsatz und einer der Schiffsführer der „Köln“. Sein Alltag auf einer der bedeutendsten Wasserstraßen Europas ist stets abwechslungsreich, wie er berichtet. „Wir ziehen Baumstämme aus dem Wasser, die nach Stürmen in den Rhein gespült wurden. Die können sonst auch für große Frachtschiffe gefährlich werden.“

Auch komme es immer wieder vor, dass Autos aus dem Rhein gezogen werden müssen. Einen solchen Fall gab es in der Domstadt erst Anfang März, als ein 21-Jähriger mit seinem Wagen nahe des Hauptbahnhofs in den Rhein stürzte. Die Beifahrerin konnte sich selbst befreien, der junge Mann wurde weiter nördlich auf Höhe der Zoobrücke aus dem Wasser gezogen und schwebte zunächst in Lebensgefahr. Das Auto wurde schließlich von der Polizei mit einem Kran aus dem Rhein geborgen.

Noch häufiger seien es aber verlorene Anker, die in der Fahrrinne liegen und entfernt werden müssen. „Dafür fahren wir mit zwei Schiffen, zwischen denen eine Kette gespannt wird, die wir dann über den Grund ziehen“, erklärt Voigt. Schließlich zieht der Bordkran die Anker aus dem Wasser. Auf der „Köln“ kann dieser Kran im eingefahrenen Zustand bis zu 2,5 Tonnen heben, auf 17 Meter ausgefahren immer noch 500 Kilogramm, sagt der Schiffsführer.

Schiffsführer Michael Voigt und Bootsmann Robin Feiler sind die Besatzung des neuen Verkehrssicherungsschiffs „Köln“ des WSA.
Schiffsführer Michael Voigt und Bootsmann Robin Feiler sind die Besatzung des neuen Verkehrssicherungsschiffs „Köln“ des WSA.© FUNKE Foto Services | Marie-Christin Jacobs

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Peilboote und Sonar entdecken antike Hindernisse im Rhein

Um Hindernisse auf dem Grund aufzuspüren, setzt das WSA auch Peilboote ein, die mit ihrem Sonar den Boden absuchen. Auch die „Köln“ und ihre Schwesterschiffe haben ein solches System an Bord. Da man sich in dessen Handhabung aber noch einarbeiten müsse, sei die Zusammenarbeit mit den Peilbooten auch weiterhin wichtig, erklärt Voigt.

Der Schiffsführer und seine Kollegen machen auch überraschende Funde: „Ab und an sind es Stelen aus der Römerzeit, die freigespült werden und die Schifffahrt behindern“, erzählt er. Auch diese müssen geborgen werden. Zudem werden die Schiffe bei Notfällen und Havarien eingesetzt, können die Wasserschutzpolizei und die Feuerwehr in Einsätzen unterstützen. Im Januar lief ein überladenes Frachtschiff vor der Deutzer Platte in Köln auf Grund und war manövrierunfähig. „Es war mit dem Bug aufgelaufen und wir mussten es mit mehreren unserer Schiffe befreien“, erzählt Voigt.

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Mit an Bord bei der Jungfernfahrt der „Köln“ ist auch Voigts Vater, Bernhard Voigt, der selbst jahrzehntelang als Binnenschiffer auf dem Rhein unterwegs war. In blauem Mantel und mit seiner Schiffermütze auf dem Kopf steht der 77-Jährige an der Reling und berichtet von seiner eigenen Zeit am Steuer: „Ich bin früher Frachtschiffe und Passagierschiffe auf dem Rhein gefahren.“ Erst als die Kinder kamen, sei er zum WSA gewechselt. „Da wollte ich dann geregeltere Arbeitszeiten haben. Man will ja nicht, dass die Kinder im Internat oder so aufwachsen, weil man so lange an Bord ist.“

Doch auch trotz Rente ist Voigt weiter auf dem Rhein unterwegs und immer gerne auf dem Wasser. Im Kölner Süden fahre er die Fähre zwischen Wesseling und Niederkassel. „Solange ich das noch kann, fahre ich auch weiter.“

Verkehrssicherungsschiffe des WSA

Das Verkehrssicherungsschiff „Köln“ gehört zu einer Serie von acht Schiffen, die in der Schiffswerft Bolle in Derben an der Elbe in Sachsen-Anhalt gebaut werden. Die „Köln“ ist 33,25 Meter lang und 7,40 Meter breit. Neben dem Schiffsführer ist noch ein Bootsmann oder eine Bootsfrau als Besatzung an Bord. Die Kosten des Schiffs lagen laut WSA bei 5,2 Millionen Euro.

Über die Rampe können Fahrzeuge oder Ausrüstung mit einem Gewicht von bis zu 11 Tonnen be- oder entladen werden. So kann das Schiff diese auch an schwer zugänglichen Uferbereichen absetzen. Insgesamt kann die „Köln“ eine Zuladung von 15 Tonnen aufnehmen.

Das Verkehrssicherungsschiff „Köln“ im Mülheimer Hafen vor seiner Jungfernfahrt auf dem Rhein.
Das Verkehrssicherungsschiff „Köln“ im Mülheimer Hafen vor seiner Jungfernfahrt auf dem Rhein.© FUNKE Foto Services | Marie-Christin Jacobs

Moderne WSA-Flotte wächst: Weitere Schiffe bis 2028 geplant

Birgitta Beul, Leiterin des WSA am Rhein, lobte bei der Schiffstaufe die moderne Technik der „Köln“. Mit den abgasarmen, diesel-elektrischen Antrieben setze man so die Ziele der Modernisierung in der Binnenschifffahrt um, so Beul. Bis 2028 sollen die jetzt noch fehlenden vier Schiffe aus der Serie auf dem Rhein in den Dienst gehen. Das nächste soll noch in diesem Jahr in Duisburg eingeweiht und dort im Homberger Eisenbahnhafen stationiert werden, in dem auch das Schulschiff „Rhein“ liegt, auf dem angehende Binnenschiffer ausgebildet werden.

Die „Köln“ wird uns dabei helfen, unsere Aufgaben auf dem Rhein zu erfüllen.

Die Amtsleiterin des WSA Rhein Birgitta Beul.
Birgitta Beul, Leiterin des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein

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Dementsprechend werde das Verkehrssicherungsschiff auch den Namen „Homberg“ tragen, so Beul. Und auch für die weiteren Schiffe gibt es schon Pläne. Die Nummer sechs der Serie wird „Bonn“ heißen und mit der „Köln“ zusammen auf dem Mittelrhein im Einsatz sein. Die Nummern sieben und acht werden dann am Oberrhein stationiert. Dorthin wird nun auch das gleichnamige Vorgängerschiff der „Köln“ aus dem Jahr 1993 geschickt.

Abseits der Serie der Verkehrssicherungsschiffe habe man jedoch weiteren Bedarf wegen abgehender alter Schiffe, erklärt Beul. „Für die Strecke zwischen Wiesbaden und Emmerich brauchen wir drei Schubboote, die ältere Modelle ersetzen sollen.“ Auch diese Schiffe können dabei helfen, festgefahrene Frachter aus misslichen Lagen zu befreien.

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Binnenschifffahrt braucht mehr Investitionen der Politik

Doch für neue Schiffe braucht die Binnenschifffahrt auch entsprechende Investitionen aus der Politik. Diese habe die Bedeutung der Binnenschifffahrt im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern aber noch nicht erkannt, bemängelt Thomas Rosenstein, Leiter der Abteilung Wasserstraßen der GDWS (Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt).

Niedrigwasserperioden und die schwere Havarie in Müden an der Mosel, bei der Ende 2024 ein Frachtschiff die Schleuse rammte, aber auch die aktuelle Sperrung der Straße von Hormus zeigen, wie stark sich Probleme in der Schifffahrt auf den Alltag der Menschen auswirken, sagte Rosenstein bei der Taufe der „Köln“.

Das Grußwort vor der Jungfernfahrt des neuen WSA-Schiffes sei ihm als gebürtigem Kölner eine Herzensangelegenheit gewesen, so Rosenstein. „Ich hoffe, dass die Grundsätze des kölschen Grundgesetzes an Bord gelten. Vor allem der Punkt: ‚Et hätt noch immer joot jejange‘.“