Graues, borstiges Fell, ein gestreifter, buschiger Schwanz und die charakteristischen schwarzen Flecken um die Augen herum: Viele finden die kleinen Tierchen niedlich, doch Waschbären sind gar nicht so friedlich, wie sie aussehen. Sie klettern gern in Mülltonnen, zerstören Vogelnester und versuchen sogar immer wieder, in Häuser reinzukommen. Aktuell breiten sich die Säugetiere in einigen Regionen in NRW immer weiter aus. Ist das auch am Niederrhein so?
„Definitiv“, antwortet Werner Schulte auf Nachfrage der Redaktion ganz entschlossen. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Kreisjägerschaft und deshalb regelmäßig mit anderen Jägern aus dem Kreis im Austausch. Diese hätten bereits den Eindruck, dass sich die Tiere wieder vermehrt hätten. Auch Schulte selbst habe dieses Jahr schon mehrere Waschbären gesehen. „Am liebsten halten die sich entlang der Lippe auf, da finden sie leicht Beute und können in den Baumhöhlen schlafen – ein idealer Lebensraum.“
Waschbären am Niederrhein: Wo halten sie sich auf?
Aber auch in der Nähe der Bundesstraßen im Kreisgebiet könne man immer wieder Waschbären beobachten. Warum gerade da? Viele dieser Straßen – vor allem an Waldrändern und in der Nähe von Gewässern – sind mit Krötenschutzzäunen ausgestattet. Diese sollen die Hüpfer eigentlich nur von den Straßen fernhalten und vor Autos schützen. Vor diesen Zäunen tummeln sich die Amphibien aber häufig. „Das wissen die Waschbären inzwischen auch. Die müssen da kaum noch suchen, das ist für die wie ein Drive-In“, erzählt Schulte.
Auch interessant
Denn bei der Nahrung sind die nachtaktiven Kleinbären nicht besonders wählerisch. Sie selbst haben zwar kaum natürliche Feinde, sind aber für einige andere Tierarten eine große Gefahr. „Für die Vogelwelt sind sie die Pest. Waschbären gehen gerne an die Nester, zerstören sie und fressen die Eier und Küken.“ Und das betreffe nicht nur die Bodenbrüter: „Waschbären sind gute Kletterer und können sogar hoch auf die Bäume kommen.“
Waschbären kommen in die Gärten
Immer wieder werden Waschbären auch in Wohnsiedlungen gesehen. Dort suchen sie dann häufig in Mülltonnen nach Futter, nähern sich aber auch den Häusern selbst und erkunden die Gärten. Schulte musste schon einen Waschbär aus einem Gartenteich fischen, der vermutlich einen Giftköder gefressen hatte. Davon rät der Jäger aber entschieden ab. „Damit hält man die Tiere zwar vom Haus fern, aber das ist auf jeden Fall der falsche Weg. Denn was ein Waschbär finden kann, können auch Vögel, Hunde und Katzen finden.“
Das ist auf jeden Fall der falsche Weg. Denn was ein Waschbär finden kann, können auch Vögel, Hunde und Katzen finden.
Werner Schulte, über den Einsatz von Gift gegen Waschbären
Um zu verhindern, dass sich die Tiere im eigenen Zuhause ansiedeln, solle man lieber darauf achten, die Mülltonnen geschlossen zu halten und keine Nahrung draußen aufzubewahren. Der Nabu empfiehlt, die Tonnen mindestens einen halben Meter entfernt von Zäunen, Mauern und Zweigen aufzustellen. Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Obst sollten außerdem nicht auf den Kompost.
Das Fallrohr der Dachrinne könne man mit einem Kletterschutz ausstatten, so würde man auch Marder fernhalten. „Wenn man aber viel Fassadenbegrünung am Haus hat, bringt das allerdings nicht ganz so viel. Auch daran können sich Marder und Waschbären hochziehen.“ Bäume und Sträucher, die an oder über das Dach reichen, sollten deshalb auch großzügig zurückgeschnitten werden.
Waschbär am Haus: Und was jetzt?
Wer trotzdem immer wieder einen Waschbären am Haus beobachtet, dem empfiehlt Schulte, das zuständige Ordnungsamt zu informieren. Die würden sich dann wiederum an den jeweiligen Jäger wenden. Die Tiere selbst zu verscheuchen, könne man zwar versuchen, jedoch sollte man unbedingt den körperlichen Kontakt vermeiden. „Denn Waschbären sind Träger des Spulwurms und anderer Krankheiten, die für Menschen durchaus gefährlich werden können“, mahnt Schulte.

Den Fall solle man daher lieber den Jägern überlassen. „Für uns gibt es grundsätzlich den Appell, Waschbären scharf zu bejagen, um die weitere Ausbreitung zu verhindern, Hausgärten gehören aber zu den sogenannten befriedeten Bezirken.“ Hier darf also nicht direkt gejagt werden. Jäger stellen deshalb in der Regel Fallen für die Tiere auf. Aktuell dürfen die Tiere aber auch in den Wäldern nicht gejagt werden. Zum Schutz der Muttertiere herrscht von März bis Juli, wenn die Jungen zur Welt kommen, eine Schonzeit.
Wenig Waschbären im Kreis Kleve
„Das ist auch richtig so“, sagt Peter Driessen. Er ist Vorsitzender der Kreisjägerschaft Kleve und hat im Gegensatz zu seinen Kollegen im Nachbarkreis Wesel in diesem Jahr noch nicht viel vom Waschbär mitbekommen. Lediglich in Geldern und Issum seien ihm zwei Fälle bekannt. Auch er rät Anwohnern, sich den Tieren nicht zu nähern. „Wir haben einen Maderbeauftragten, der wird sich dann kümmern“, versichert Driessen.
Laut Experten leben in Deutschland insgesamt ein bis zwei Millionen Waschbären. Am höchsten ist die Population in Hessen. Wie viele Waschbären in NRW, ist nicht genau bekannt. Im vergangenen Jagdjahr wurden allerdings über 30.000 Waschbären erlegt, zehn Jahre zuvor lag diese Zahl noch bei etwa 10.000.




