Am frühen Freitagmorgen (15. Mai) klickten in der Krefelder Innenstadt die Handschellen, die Polizei hat einen Mann festgenommen, der im Verdacht steht, bei einer Vielzahl von Autos den Lack zerkratzt zu haben. Die Dimension ist gewaltig und hat es so in der Stadt bisher nicht gegeben: In den Stadtteilen Dießem/Lehmheide und Fischeln wurden seit Mitte April mehr als 300 Autos verkratzt. Die Wagen haben laut Polizeiangaben Schäden an Motorhauben, Türen oder Radkästen.
Nachdem im Umfeld von Gladbacher Straße, Melanchthonstraße und Johannesstraße beschädigt worden waren, hatte die Polizei Observationsmaßnahmen eingeleitet. Am Freitag gegen 1.10 Uhr ertappten Zivilbeamte den Verdächtigen auf frischer Tat. Er wurde auf der Melanchthonstraße festgenommen. Als mögliches Tatwerkzeug haben die Beamten ein Feuerzeug sichergestellt, das er noch in der Hand hielt, außerdem drei weitere Feuerzeuge.
Im Umkreis der Festnahme fanden die Beamten 23 Fahrzeuge mit beschädigtem Lack. Zu den Motiven hat der Mann sich bisher nicht geäußert. Es handelt sich um den 51-Jährigen ohne festen Wohnsitz, der Ende April schon einmal von der Polizei festgenommen worden war und gegen den bereits ein Strafverfahren wegen Sachbeschädigung an Kfz läuft. Welche Taten konkret man ihm zur Last legen kann, ist Teil der laufenden Ermittlungen. Der Mann wurde inzwischen dem Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Krefeld vorgeführt, der auf Antrag der Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft wegen Sachbeschädigung angeordnet hat.
Autos zerkratzt: Wer bezahlt die Reparatur?
Wer zahlt für ein verkratztes Auto? Juristisch ist der Fall klar: Wenn ein Täter ermittelt wurde, ist er grundsätzlich zum Schadensersatz verpflichtet. Kann der Verursacher nicht zahlen, bleiben die Geschädigten möglicherweise auf den Kosten sitzen, es sei denn, sie haben eine entsprechende Versicherung oder der Staat greift ein.
Wie teuer ist die Reparatur? „Das kommt auf die Tiefe der Kratzer an“, schreibt der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC). Ist nur der Klarlack beschädigt, reichen oft Polieren oder das sogenannte „Smart Repair“ aus, Kosten: 40 bis 150 Euro. Bei größeren Schäden, wenn etwa komplette Teile wie Türen oder Motorhaube lackiert werden müssen, werden aber auch schnell vierstellige Beträge fällig.
300 beschädigte Autos in Krefeld, sogar mehr als 500 in Hannover
Eine Art unfreiwilliger Rekordhalter in Sachen verkratzte Autos ist aktuell die Stadt Hannover. Dort und in der Umgebung wurden laut Aussage des NDR bis März des Jahres mehr als 500 Wagen beschädigt. Folge: Verärgerte Autofahrer und jede Menge Anfragen in Lackierereien. Auch in der niedersächsischen Landeshauptstadt hatte die Polizei einen mutmaßlichen Täter für einen Teil der Taten ermittelt, für Untersuchungshaft reiche dies aber nicht aus, heißt es.
Zeugen, die Hinweise zu den Krefelder Taten geben können, werden gebeten, sich mit der Polizei unter 02151/6340 oder hinweise.krefeld@polizei.nrw.de in Verbindung zu setzen. Dies gilt auch für mögliche weitere Geschädigte.



