29 Grad, Sonne und voraussichtlich kein einziger Tropfen Regen. Nach einem kühlen und nassen Start in die Woche könnten die Aussichten auf das Pfingstwochenende wohl kaum besser sein. Und während sich viele auch noch auf ein verlängertes Wochenende freuen können, fiebern andere schon ihrer Arbeit entgegen.
Denn wo Menschen ihre Freizeit genießen, aufs Rad steigen oder die Wanderschuhe anziehen, braucht es auch ein kühles Bier zur Abkühlung. Die Biergärten am Niederrhein erwarten also volle Tische und sind bestens vorbereitet. Wir haben uns umgehört, was Hopfen und Malz am Niederrhein kosten, was die Menschen hier am liebsten trinken – und welche besonderen Angebote es am Wochenende gibt.
Immer mehr Alkoholfreie im Biergarten
Klar, das König Pilsener vom Fass wandert bei Jörg Stövhase immer noch am meisten über die Theke. Aber: „Das Verhältnis hat sich schon stark geändert“, holt der Betreiber der Moerser Strandbar 1924 und des Biergartens Hafensturm in Duisburg-Homberg aus. Denn seit einigen Jahren verzichten immer mehr Menschen auf Alkohol. Und das kommt auch in den Biergärten an.
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„Das zieht sich durch alle Altersgruppen, scheinbar sind alle etwas vernünftiger geworden“, scherzt Stövhase. In seinem Biergarten erfreue sich vor allem das alkoholfreie Radler immer größerer Beliebtheit. Aber auch der hausgemachte Eistee komme gut bei seiner Kundschaft an. Ebenfalls beliebt seien die klassischen Cocktails von Mojito bis Sex on the Beach sowie seine Eigenkreation: der Hafensturm, der sich geschmacklich unter anderem aus Rhabarber, Zitrone, Maracuja und Pfirsich zusammensetzt.

So viel kostet das Bier in Moers und Duisburg
Vom Hafensturm werde besonders gerne die alkoholfreie Variante bestellt, für 5,90 Euro bekommt man hier einen halben Liter. Cocktails mit Alkohol sind etwas kleiner und kosten zwischen 6,90 und 10,50 Euro. Cocktailfans sollten aber vor allem samstags vorbeikommen: Am „Cocktail Saturday“ kosten die alkoholfreien Cocktails 5 Euro und alle anderen 7 Euro. Für das 0,33-Liter-Pils vom Fass zahlen Durstige 3,90 Euro, eine halbe Maß Benediktiner Weissbier kostet in Moers und Duisburg 5,50 Euro.
Kommt das Trinkgeld auch an?
„Stimmt so“ – ein Satz, den jeder Kellner im Biergarten gerne hört. Zum „Welt-Trinkgeld-Tag“ am 21. Mai appelliert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) an die Kunden, beim Trinkgeld nicht allzu sparsam zu sein. Durch die oft niedrigen Löhne in der Gastronomie sei das Trinkgeld für viele ein „wichtiger Portemonnaie-Füller“, sagt Ruhrgebietschef Martin Mura. 10 Prozent vom Rechnungsbetrag seien üblich, wer besonders zufrieden ist, könne auch 15 Prozent oder mehr geben.
Gleichzeitig fordert die Gewerkschaft die Gastronomiebetriebe auf, Trinkgeld und Lohn nicht miteinander zu verrechnen. Außerdem solle das Trinkgeld fair im Team verteilt werden, damit auch Küchenhilfen und Minijobber nicht leer ausgehen. Wer sich als Kunde vergewissern will, dass der Tip auch beim Personal ankommt, der solle beim Bezahlen einfach nachfragen, rät Mura.
Volle Tische erwartet auch Frank Pollmann, Inhaber der Rheinwacht in Voerde. Seine Gäste sitzen im Sommer wieder direkt am Rhein, „das ist wie eine natürliche Klimaanlage“, sagt er. Zu hohe Temperaturen gebe es daher nicht, „hier weht immer ein angenehmes Lüftchen und die Bäume spenden natürlichen Schatten.“ Allein draußen im Biergarten stehen 100 Tische bereit, in der Bayernhütte dann noch mal 50. Das ursprüngliche Hauptgebäude wurde im vergangenen Jahr abgerissen, Pollmann wollte ein Jahr später an dieser Stelle eigentlich einen Neubau feiern, diese Pläne habe er wegen der aktuellen „unsicheren Weltlage“ aber erst mal auf Eis gelegt.

Rheinwacht in Voerde: Alkoholfreier Wein statt Bier vom Fass?
Umso froher sei er, die Hütte zu haben. Hier können sich die Biergartengäste mit Getränken versorgen, „wir haben nämlich das Selbstbedienungsprinzip und fahren echt gut damit“, erklärt der Inhaber. So könne er etwas beim Personal sparen und der Kundschaft dadurch bessere Preise bieten. Leicht erhöhen musste er die Bierpreise dennoch, allerdings nur um 10 Cent, „sonst kommt am Ende keiner mehr“. 5,50 Euro zahlen Durstige hier für den halben Liter König Pilsener, das Paulaner Weissbier oder das Münchener Hell. Die alkoholfreien Varianten gibt es schon für 3,50 Euro.

Auch in Voerde verzichten viele auf das klassische Bier. „Viele Gäste kommen mit dem Fahrrad, aus dem Ruhrgebiet oder von noch weiter her. Die greifen dann gerne zu den alkoholfreien Getränken“, verrät Pollmann. Gut weg gehe besonders der alkoholfreie Aperol Spritz und das 0-Prozent-Radler. Saftschorlen und alkoholfreie Cocktails seien ebenfalls beliebt, „Wasser bestellt dafür fast niemand mehr.“ Sogar den Wein gibt es an der Rheinwacht ohne Alkohol. „Auch das wird immer besser angenommen, täglich sind das bestimmt drei Flaschen.“
Biergärten an Pfingsten: Livemusik am Lippehafen
Ähnliches beobachtet Karin Nienhaus im Biergarten am Lippehafen. „Das Bier ist deutlich zurückgegangen, dafür werden die selbstgemachten Limonaden und der alkoholfreie Wein umso besser angenommen.“ Für das Pfingstwochenende erhofft sie sich endlich wieder volle Tische. Durch den Feiertag ist ausnahmsweise auch Montag geöffnet – hier gibt es für die Gäste sogar Livemusik.

Pollmann versucht indes, seine Gäste auch mit Essen in seinen Voerder Biergarten zu locken. Seine Strategie dabei: Immer wieder neue Gerichte anbieten. Neben einer festen Speisekarte biete er seinen Gästen eine Aktionskarte, deren Gerichte alle paar Wochen wechseln. Aktuell stehen Spargelgerichte ganz oben, allerdings wird sich die Karte bald wieder ändern, merkt Pollmann an. „Am Pfingstwochenende ist bei uns aber definitiv noch Spargelzeit.“



