Das lange Pfingstwochenende war in NRW vor allem eins: heiß. Und während die einen Abkühlung in Eisdielen, Freibädern und Badeseen suchten, nutzten andere die Zeit, um ein bisschen Urlaubsstimmung in den eigenen Garten zu holen und endlich wieder den Pool zu befüllen – mit teils deutlichen Folgen für die Wasserwerke. Schon am Pfingstmontag meldeten die Stadtwerke in Jülich: „Das Wasser wird knapp“. Das sommerliche Wetter habe für einen deutlichen Anstieg im Verbrauch gesorgt. Auch die Kreise Minden-Lübbecke und Herford rufen aktiv dazu auf, sparsamer zu sein.
Tage später ist es immer noch warm und trocken. Geht also auch dem Niederrhein bald das Trinkwasser aus?
Über 24.000 Kubikmeter Wasserverbrauch in Moers
In Moers sei der Verbrauch seit dem Wochenende ebenfalls deutlich angestiegen. 24.041 Kubikmeter Wasser – also rund 24 Millionen Liter – flossen allein am Pfingstsamstag durch die Leitungen. „Eine Knappheit ist jedoch nicht zu erwarten“, gibt Enni-Sprecherin Katja Nießen Entwarnung. Vom gewohnten Spitzenverbrauch im August sei man immerhin noch etwas entfernt.
Auch interessant
„Der natürliche Grundwasserspeicher ist gut gefüllt – auch durch die Niederschläge der vergangenen Jahre sowie den Einfluss des Rheins.“ Die drei Wasserwerke der Enni seien deshalb gut auf die Hitzeperiode vorbereitet gewesen. Dass das Trinkwasser bald knapp wird, müssen Kunden daher erst mal nicht befürchten, versichert das Unternehmen.
Wasserknappheit: Keine Probleme in Emmerich und Düsseldorf
In Emmerich wurde in der Vergangenheit bereits vor einer Knappheit gewarnt. Vor zwei Jahren wurden dann aber neue Trinkwasserbrunnen gebaut. Diese seien „derzeit ausreichend gefüllt“, sagt Stadtwerke-Chef Steffen Borth. Es bestehe deshalb „kein Grund zur Sorge“. Auch auf weitere heiße und trockene Tage sei man hier dank der großen Reserven und Grundwasserressourcen gut vorbereitet.
Ähnlich sieht es in Düsseldorf aus. Durch die Nähe zum Rhein werde die Wasserversorgung in der Landeshauptstadt ohnehin nur zu 25 Prozent aus dem Grundwasser gespeist. Der durchschnittliche Tagesbedarf pro Person liege hier bei etwa 125 Litern und halte sich weitestgehend stabil, so eine Sprecherin der Stadtwerke. Probleme mit der Versorgung gebe es deshalb nicht.
Wasserverbrauch in Dinslaken stark angestiegen
Einen stärkeren Anstieg gab es dafür in Dinslaken. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei der Verbrauch in den vergangenen Tagen um 15 bis 20 Prozent angestiegen, verrät Stadtwerke-Sprecherin Britta Bethe auf Anfrage. Der Grundwasserstand sei im Einzugsgebiet gleichzeitig um ein bis anderthalb Meter gefallen. Für die Beschaffung, Aufbereitung und Versorgung sei das allerdings noch kein Problem. Auch weitere trockene Tage würden die Versorgung erst mal nicht gefährden.
„In Jülich war es auch vor allem ein strukturelles Problem“, holt Josef Schmitz im Gespräch mit der Redaktion aus. Schmitz leitet den Sachbereich Wasserschutz bei der Landwirtschaftskammer NRW und weiß: „Grundwasser haben wir eigentlich noch genug.“ Im Kreis Düren seien die Leitungen und Aufbereitungsanlagen schlicht überfordert gewesen mit der rasant gestiegenen Nachfrage. „Wenn dann auch in der Nacht noch viel Wasser gebraucht wird, kommen die Systeme da irgendwann nicht mehr hinterher und die Speicher werden immer leerer.“
Trinkwasser wird knapp: So lässt sich einfach Wasser sparen
Am Niederrhein sehen Versorger diese Gefahr zwar noch nicht, trotzdem raten sämtliche Stadtwerke, mit der Ressource Wasser behutsam umzugehen. Dass es in absehbarer Zeit flächendeckend zu einer Wasserknappheit kommen wird, hält Schmitz für unwahrscheinlich, „dafür werden die Extreme aber weiter zunehmen. Es wird stärkere Regentage, aber auch längere und heißere Trockenperioden geben, wo dann wieder viel Wasser auf einmal gebraucht wird.“
Es wird stärkere Regentage, aber auch längere und heißere Trockenperioden geben, wo dann wieder viel Wasser auf einmal gebraucht wird.
Josef Schmitz leitet den Bereich Wasserschutz bei der Landwirtschaftskammer NRW
Damit es dann nicht zu Überlastungen kommt, empfiehlt der Experte schon jetzt, Sparpotenzial im Haus zu suchen. „Das fängt schon bei den kleinen Dingen an“, holt er aus. „Die Blumen sollte man im Sommer nur abends gießen – so kann weniger Wasser verdunsten. Außerdem ist das tagsüber sowieso viel anstrengender.“ Für die Gartenbewässerung könne es sich auch schon lohnen, Regenwasser in einer abgedeckten Tonne oder einer Zisterne zu sammeln.
So viel Wasser verbraucht die Klospülung
Wer einen Pool im Garten hat, sollte darauf achten, das Wasser in einer Saison nicht mehrmals zu wechseln und stattdessen das Wasser zu filtern. „Im Haus selbst unterschätzen viele außerdem den hohen Wasserverbrauch der Toilette“, mahnt Schmitz. Laut Bundesumweltministerium ist die Spülung für rund 30 Prozent des täglichen Verbrauchs verantwortlich. „Dabei wird pro Durchlauf oft viel mehr Wasser verbraucht als nötig. Die Menge kann man aber regulieren und zum Beispiel eine Spartaste einbauen.“
Den Stadtwerken rät Schmitz außerdem, mit vorschnellen Warnungen und Ampelsystemen vorsichtig zu sein. „Das könnte bei manchen genau die falsche Reaktion auslösen: ‚Jetzt noch schnell den Pool auffüllen, bevor ich es bald nicht mehr darf.‘ Wenn wir alle achtsam sind, muss man das aber auch nicht befürchten.“ Spätestens am Sonntag wird die Poolsaison ohnehin wieder für ein paar Tage unterbrochen, denn dann soll es sich am Niederrhein wieder abkühlen. Auch Regen erwarten die Meteorologen. Der trockene Rasen und die Gießkanne bekommen also wohl bald eine kleine Verschnaufpause.




