Das Album ist bis auf vier Sticker komplett gefüllt. Lediglich ein Schiedsrichter und vier Italiener fehlen zur Vollständigkeit. Italiener, Schiris? Es handelt sich um mein uraltes Panini-Sammelalbum zur Fußball-Europameisterschaft 1988 in Deutschland. 268 Sticker waren damals erforderlich zur Vollständigkeit, acht Mannschaften waren dabei, Europameister wurden bekanntlich die Niederlande. 38 Jahre später treten 48 Teams gegen den Ball, 980 Sticker sind notwendig zum Glück. Zehn Fakten rund um das Panini-Album zur WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko.
1. Gibt es einen Hype um die Bildchen?
„Der Hype um die Bilder hat uns bereits recht heftig erwischt“, sagen die Zwillingsbrüder Kiki und Ivan Beslic. Sie führen in Langenfeld den Laden B-Brothers und handeln mit Sammelkarten und seltenen Sport- sowie TV-Erinnerungsstücken. Die Klientel, die Fußballbilder zum Einkleben sammele, unterscheide sich von Sammlern, etwa von Basketball- oder Pokémon-Karten. „Bei Panini geht es vor allem darum, das Album voll zu bekommen, nicht um den Wert einzelner Sticker“, sagt Ivan Beslic.
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Der Laden ist stets gut gefüllt mit Fußball-Fans, Zurückhaltung aus politischen Gründen, Stichworte: USA, Männerfreundschaft Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino, spüren die Beslics gar nicht. „Die WM in Katar 2022 ist da Gegenbeispiel. Die Nachfrage war extrem gering, noch immer haben wir nicht verkaufte Hefte und Sticker im Keller“
2. Wieviel muss man für ein volles Heft investieren?
1,50 Euro kostet ein Tütchen mit sieben Stickern. Ohne einen einzigen Doppelten zu erwischen, müsste man inklusive Heft um die 212 Euro investieren, um es voll haben. Reine Theorie. „Ich hab von 4000 bis 4500 Euro an Kosten für ein volles Heft gehört“, sagt Sandra Balke von der Stadtbibliothek Mettmann. Das scheint etwas hochgegriffen, wobei Beobachter der Szene auch von 1500 bis 2500 Euro sprechen. Tauschbörsen für WM-Sticker organisiert der Freundeskreis der Bücherei übrigens schon seit einigen Jahren, Ende Mai stieg die erste Tauschbörse zur aktuellen WM. Nächster Termin: Samstag, 20. Juni, 10 bis 13 Uhr, Am Königshof 13, Mettmann.
3. Wie waren die Preise eigentlich früher?
Nächster Blick ins eigene Archiv: WM 2010 in Südafrika. Das Heft mit 638 Stickern ist voll, inklusive eines zwei Zentimeter dicken Stapels doppelter Bildchen (unter anderem dabei ist David Beckham). Rechnerisch sollen damals Sammler mit Nachkaufen und Tauschen um die 120 bis 150 Euro ausgegeben haben. 1988 kostete eine Tüte mit fünf Bildchen umgerechnet 15 bis 20 Cent, macht bei 267 Stickern rein rechnerisch 53,40 Euro.
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4. Sind volle Panini-Hefte wertvolle Sammlerstücke?
Die Beslic-Zwillinge sind sich wie so oft einig: Wertvoll sind gefüllte Bücher nicht, Kategorie 50 Euro für ein volles Album der WM 1982 in gutem Zustand. Es sei letztlich millionenfach gedruckte Massenware. „Anders sieht es aus bei der WM 1970: Es war das erste Panini-Heft, das zu einer WM erschien, und war nur im Gastgeberland Mexiko erhältlich.“ Dafür seien auch schon Preise im fünfstelligen Bereich aufgerufen worden, auch ohne einen einzigen Sticker darin, berichtet Ivan Beslic.
5. Wer sammelt und was macht den Reiz aus?
„Es sind bei weitem nicht nur Kinder“, weiß Sandra Balke aus Erfahrung. Die Tauschbörse sei stets gut besucht, jede Menge Kinder, aber auch viele Erwachsene und Senioren seien da gewesen, angereist unter anderem aus Wuppertal, Duisburg und sogar aus Frankfurt. Das, so ihre Vermutung, liege daran, dass es im Umkreis im Unterschied zu vor einigen Jahren kaum Tauschbörsen gebe. Ein Großteil der Tausch-Leidenschaft habe sich auf Verkaufsplattformen und auch auf Social-Media-Kanäle verlagert. Das Tauschen mache den Reiz aus, sagt Balke. „Die Besucher waren gut vorbereitet, hatten ihre fehlenden Nummern auf Zettel geschrieben oder gar in Excel-Tabellen notiert.“

Tauschen direkt im Laden ist auch bei den Beslic gerne gesehen. Alle paar Monate, nächster Termin: Samstag, 13. Juni, kommen die Tradingcard-Sammler im Laden zusammen. „Wir erwarten auch viele Panini-Fans. Wer mag, kommt gerne im Trikot seines Lieblingsteams.“ Die Beslic-Brüder werden Kroatien-Trikots tragen.
6. Panini und Co. Wie läuft das Geschäft mit den Stickern?
Seit 1970 produziert der italienische Hersteller Panini ununterbrochen die Sammelhefte samt Stickern für die Fußball-Weltmeisterschaften. Der US-Konkurrent Fanatics übernimmt mit seiner Marke Topps ab 2030, bei den Europameisterschaften ist Tipps bereits seit 2024 am Start. „Dass es das letzte Panini-Heft ist, trägt sicher zum Hype bei“, sagen die Beslics. (Anm. d. Red.: Panini teilte mit, dass die Firma 2030 letztmals ein WM-Sammelheft herausbringt, das von 2026 ist also das vorletzte Panini-Heft). Es bringe Sammler zurück, die bereits vor Jahrzehnten mitmachten, dann aber ausgestiegen sind. Topps hatte bei der vergangenen Europameisterschaft Lieferprobleme, was bei vielen Fans für lange Gesichter gesorgt hatte.
7. Wieviel Gewicht hat das Heft?
Das nahezu volle Album der Euro 1988 in Deutschland wiegt 185 Gramm, das komplett gefüllte Heft der Euro 2008 in Österreich und der Schweiz mit 535 Stickern wiegt 349 Gramm, das von der WM 2010 in Südafrika bringt 384 Gramm bei 638 Stickern auf die Waage. 289 Gramm sind es beim 2026er WM-Album bereits ohne Bilder, auf meiner Küchenwaage wiegen sechs Sticker etwa vier Gramm inklusive Klebefolie. Heißt: 980 Sticker wiegen ohne Folie in etwa 326 Gramm, macht ganz grob etwas mehr als 600 Gramm für das volle Heft und damit eine Verdreifachung gegenüber 1988.
8. Und wie groß sind die Sticker?
Sie hat sich über die Jahre verändert. Die aktuellen Bilder und auch die der WM 2010 sind 6,5 × 5 Zentimeter groß, 2008 waren die Sticker ca. 6,8 × 4,9 Zentimeter groß. 1988: 6,6 × 4,9 Zentimeter.
9. Was ist eigentlich mit der Nummerierung?
Panini hat die Sticker nicht von 1 bis 980 durchnummeriert, auf eine Buchstabenkombination folgt eine ein- oder zweistellige Zahl. „GER 16“ ist zum Beispiel Serge Gnabry, „GER 2“ Marc-André ter Stegen. Aber beide sind doch verletzt und nicht im Kader? Stimmt, der Redaktionsschluss für das Heft war bereits im Januar und Panini musste sich festlegen.
10. Fehlt jemand?
Klar, kämen Stars groß raus, die man vorher nicht kannte und die auch nicht im Heft auftauchen. „Das ist schade, einzelne Sticker von Spielern, die ihre erste oder letzte WM spielen, etwa Messi, Ronaldo oder Modric, könnten später womöglich doch wertvoll werden“, so Ivan Beslic. In den USA gibt es übrigens auch limitierte Sticker von den größten Stars, echte Einzelstücke, 1/1 steht dann auf dem Sticker. Einkleben oder nicht? „Es gibt Youtube-Clips mit eingeklebten Stickern, es gibt aber auch Leute, die dies keinesfalls tun würden. Sie gibt es nur in den USA, für uns eher weniger interessant“, sagen die Beslics. Hätten sie aber einen solchen Sticker – sie würden ihn einkleben. „Dafür sind sie ja da …“
- Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir behauptet, das WM-Heft 2026 sei das letzte von Panini herausgegebene. Das ist falsch. Tatsächlich bringt Panini 2030 ein weiteres WM-Heft heraus. Dann zum letzten Mal. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.




