Monika Kamp hat ihre kleine Tochter Laura vor 28 Jahren an Krebs verloren. Drei Jahre lang kämpfte sie an ihrer Seite gegen Leukämie. Die Erinnerungen daran, wie sie Lauras letzte Stunden miteinander verbracht haben, bleiben ganz klar. „Ich saß neben ihr all die Tage und habe gehofft, an einem anderen Ort zu sein“, erzählt sie. Einen Ort voller Wärme und Menschlichkeit, mit Tieren und einem Garten, wünschte sie sich. Einen Ort, der nicht nach Krankenhaus riecht. Und das spürte auch ihre Tochter. „Du musst einen Ort wie den Himmel erschaffen“, hatte Laura zu ihr gesagt, dann könnten sich die beiden auch weiterhin begegnen. Den zu erschaffen, war eines ihrer letzten Versprechen an ihre Tochter. Nun arbeitet Monika Kamp daran, ein Kinderhospiz am Niederrhein zu errichten.

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„Ich hatte das Versprechen an meine Tochter immer im Hinterkopf“, erzählt Monika Kamp, bei einem Besuch auf ihrem Hof in Wachtendonk. Dort hat sie bereits einen besonderen Ort für Tiere erschaffen: Gemmys Arche. Sie nimmt Tiere auf, die eigentlich sterben sollten, und schenkt ihnen ein neues Zuhause. „Manche Tiere kommen für einen Tag her oder auch nur für eine Stunde.“ Ein Zuhause auf Zeit, aber „voller Leben“, soll auch das Kinderhospiz werden, das am Niederrhein entstehen soll. „Ich bin mit den Plänen schon recht weit“, berichtet Kamp.

Nachdem sie ihre Tochter an einer Krebserkrankung verloren hat, will Monika Kamp ein Kinderhospiz eröffnen
Monika Kamp ist fest entschlossen: Sie will ein Kinderhospiz am Niederrhein errichten.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Monika Kamps Plan ist ein kleines Dorf. Der Name steht auch schon fest: Lauras Himmelsgarten. Sie plant acht bis zwölf Zimmer, von denen zwei Sterbezimmer sein sollen. „Meine Idee ist es, dass die Sterbezimmer direkt unter dem Dach sind und das Dach aus Glas ist. So können die Kinder in den Himmel blicken.“ Geplant ist auch ein Erinnerungsgarten. „Für jedes verstorbene Kind soll eine Kerze angezündet werden, um den Angehörigen zu zeigen, dass sie nicht allein sind.“ Und ganz wichtig für Monika Kamp: Es sollen Tiere in dem Dorf leben. „Tiere trösten leise“, sagt sie. Und bei all ihren Plänen steht für sie eines im Fokus: „Es soll nicht traurig werden, sondern wie ein Platz im Himmel.“

Passender Bauplatz wird noch gesucht

Bei den Planungen stößt Monika Kamp, die viele Jahre als Beraterin für Digitales und Soziales für Schulen und die Politik gearbeitet hat, auf viele Herausforderungen. „Ja, es ist ein Riesenbrett“, gibt die 57-Jährige zu, bevor sie einen Schluck von ihrem Kaffee nimmt. „Aber ich wäre nicht ich, wenn ich es nicht einfach machen würde. Man kann nicht alles planen und voraussehen, man muss einfach machen.“ Zunächst muss sie einen passenden Bauplatz für ihr Projekt finden. „Der sollte rund vier Hektar groß sein“, sagt sie. Es sind schon Flächen am Niederrhein im Gespräch, aber noch steht keine final fest. Viel Unterstützung bekommt sie dabei von Pastor Johannes Quadflieg aus Grefrath. „Das ist wirklich ein ganz toller Mensch“, lobt sie.

Aber nicht nur der Bauplatz ist eine Hürde: „Ich habe mich viel eingearbeitet, denn es gibt im Bereich Pflege und Medizin natürlich auch sehr viel zu beachten“, erklärt Kamp. Um sich auf alles vorzubereiten und die Arbeit in einem Hospiz kennenzulernen, will sie sich auch ehrenamtlich in solchen Einrichtungen engagieren. „Ich will von A bis Z wissen, wie ein Hospiz funktioniert.“

Das Projekt wird auch finanziell eine Herausforderung: 20 Millionen Euro soll das Hospiz kosten. Derzeit hofft Monika Kamp unter anderem darauf, dass sich eine gesetzliche Krankenkasse dem Projekt anschließt. Und auch sonst ist sie auf die Unterstützung anderer angewiesen. „Wir haben bisher schon Spenden gesammelt, aber noch ist es so, dass das Geld, so wie es hereinkommt, auch wieder verplant ist“, erklärt sie. „Ein Architekt zum Beispiel ist sehr teuer.“ Monika Kamp ist die Initiatorin des Projekts. Bei der Umsetzung arbeitet sie aber mit Freunden zusammen. „Wir sind acht Leute zusammen“, sagt sie.

Nachdem sie ihre Tochter an einer Krebserkrankung verloren hat, will Monika Kamp ein Kinderhospiz eröffnen
Auch Tiere sollen im Garten des Hospizes leben. Diese Ponys hat Monika Kamp vor dem Tod gerettet.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Aber Monika Kamp ist auch vielen Menschen begegnet, die kein Verständnis für ihren Plan haben. Für viele sei die Vorstellung unbequem, dass in ihrem Umfeld ein Ort errichtet werden soll, an den Kinder kommen, um zu sterben. „Ich gebe nicht auf, und wenn es das letzte ist, was ich tue“, sagt Monika Kamp entschlossen. „Wenn das erste Kind in das Hospiz einzieht, habe ich alles erreicht. Ich werde alles, was in meiner Macht steht, tun, um zu helfen. Aber vielen Menschen fehlt schlichtweg die Empathie und es kann jeden treffen.“

„Oft höre ich Laura immer noch lachen“

Monika Kamps Antwort darauf, ob man über den Tod des eigenen Kindes hinwegkommen kann, ist einfach: „Nein“, sagt sie ganz klar und schüttelt den Kopf. Lange Zeit musste sie die Straßenseite wechseln, wenn sie eine Mutter mit Kinderwagen sah, und auch an Spielplätzen konnte sie nicht vorbeifahren. „Oft höre ich Laura immer noch lachen. Das hört nie auf“, sagt sie. Vor einiger Zeit ist Monika Kamp selbst schwer an Krebs erkrankt. Eine sehr herausfordernde Zeit liegt hinter ihr. Aber für sie steht fest: „Ich gebe nicht auf!“ Schritt für Schritt setzt sie ihre Pläne für das Kinderhospiz um.

Auf die Frage, ob sie sicher ist, dass die Finanzierung klappen wird, winkt sie ab. „Natürlich. Das klappt“, sagt sie voller Überzeugung. Sie hofft, dass der erste Stein für das Hospiz im Sommer 2027 gelegt werden kann. „Vielleicht auch schon Ende dieses Jahres“, sagt sie zuversichtlich.