Über dem Kirchturm braut sich ein Sommergewitter zusammen. „Nächstes Wochenende wird es nicht gewittern“, ist sich Marius Strecker sicher. Er ist Pfarrer der evangelischen Kirche in Duisburg Rumeln-Kaldenhausen. Das gute Wetter wäre wünschenswert, denn am Samstag, 27. Juni, wird hier geheiratet, was das Zeug hält. Unter dem Motto „Einfach heiraten“ lädt die evangelische Kirche an diesem Wochenende an mehr als 350 Standorten in Deutschland dazu ein, spontan zu heiraten.

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Strecker freut sich schon sehr auf den letzten Juni-Samstag. „Wir haben schon 20 Anmeldungen. Unter anderem wird ein Paar dabei sein, das bereits seit 62 Jahren standesamtlich verheiratet ist. Genau deswegen machen wir so etwas“, schwärmt Pfarrer Strecker. Er selbst ist erst vor drei Jahren von Bayern nach Duisburg Rumeln gekommen – „der Liebe wegen“, wie er sagt. Damit tut er es der „Einfach heiraten“-Idee gleich, denn auch sie ist vor drei Jahren aus dem Freistaat das erste Mal nach NRW gekommen. Dieses Jahr ist es das erste Mal, dass sie in der evangelischen Kirche in Duisburg stattfindet.

Trauungen an fünf festlich dekorierten Orten möglich

Wer sich am Wochenende kirchlich trauen lassen möchte, hat eigentlich nur eine Hürde zu nehmen: „Ein Partner muss evangelisch sein“, erklärt Strecker. Ansonsten reicht das Mitbringen eines Nachweises der standesamtlichen Trauung, wie des Familienbuchs oder der Urkunde. Doch auch wer die Dokumente in der Eile des Heiratens vergisst, muss nicht bangen: „Dann glauben wir Ihnen, dass Sie es zeitig nachreichen für den offiziellen Eintrag“, sagt Strecker augenzwinkernd.

An gleich fünf Orten auf dem Kirchengelände werden die Paare getraut. In der Kirche, im Gemeindehaus und an drei Standorten draußen auf der Wiese. Laut Marius Strecker wird festlich geschmückt. Wie, das will Marius Strecker noch nicht preisgeben. Es soll ja auch noch einen Überraschungseffekt geben.

Niederrhein-Seite: Pfarrer Marius Strecker bietet am 27. Juni in der evangelischen Kirche in Duisburg Rumeln spontane Hochzeiten an.
Pfarrer Marius Strecker und seine Kolleginnen und Kollegen bieten am 27. Juni in der evangelischen Kirche in Duisburg Rumeln spontane Hochzeiten an. © FUNKE / Foto Services | Helena Wagner

Wer sich morgens am Frühstückstisch spontan dazu entscheidet, kirchlich zu heiraten, ist zwischen 12 und 17 Uhr herzlich dazu eingeladen. Doch auch ohne standesamtliche Hochzeit können Paare ihre Beziehung hier segnen lassen, „völlig egal, welchen Geschlechts oder Alters“, betont Strecker. Auch gleichgeschlechtliche Paare seien herzlich willkommen. „Wir haben auch schon eine Anmeldung von einem Paar, das am Samstag Goldene Hochzeit feiert“, weiß der Pfarrer.

Musik bei der spontanen Trauung: Band oder DJ?

Und wer jetzt denkt, dass es Heiraten am Fließband ist, der täuscht sich: 30 Minuten vor der Trauung sollten die Paare erscheinen. Dann führen ehrenamtliche Tourguides durch die Lokalität und bringen die Paare zum Check-in im Gemeindehaus, wo die Urkunden vorbereitet werden. „Und dann haben wir eine halbe Stunde Zeit, um uns auszutauschen: Warum seid ihr da? Wie habt ihr euch kennengelernt?“ Es wird ein Klavier, und Gitarrenmusik geben. Die Musiker haben eine Playlist dabei, aus der das Paar wählen kann. „Leider haben die Musiker keine Zeit mehr zu proben“, scherzt Strecker.

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Auch der Trauspruch ist vorab frei wählbar: „Man darf selbstverständlich den eigenen Trauspruch mitbringen. Wir haben aber auch eine Auswahl hier vor Ort“, beschreibt Strecker. Gerade für Paare, die ihre Ehe erneut segnen lassen möchten, sei es schön, ihren alten Trauspruch noch einmal mitbringen und nutzen zu können. Zehn Pfarrer und Pfarrerinnen sowie Prädikantinnen werden vor Ort sein. Strecker hofft auf viele Paare, die sich trauen: „Ich hoffe nur, dass sie sich etwas über den Tag verteilen“, sagt Strecker lachend. Natürlich hofft er auch auf gutes Wetter, aber „wenn es wieder so heiß ist, bringe ich ein Planschbecken mit!“

Die evangelische Kirche in Duisburg Rumeln-Kaldenhausen verwandelt sich am 27. Juni in eine Hochzeitslocation.
Die evangelische Kirche in Duisburg Rumeln-Kaldenhausen verwandelt sich am 27. Juni in eine Hochzeitslocation.© WAZ | Photo: Andreas Mangen

Die Trauungen dauern laut Strecker etwa 15 Minuten. „Wer danach mit einem Kaffee oder einem Sektchen anstoßen möchte, ist dazu herzlich eingeladen“, sagt Marius Strecker. Die frische Trauung lässt sich vor Ort sogar feiern. Das ganze Angebot ist für die Paare kostenlos. Nur einen Wunsch müssten Sie selbst bezahlen: „Es sind auch zwei Fotografen vor Ort. Wer möchte, kann die Hochzeitsfotos bei den Fotografen erstehen, das Geschäft machen die Paare jedoch mit dem Fotografen“, erklärt der Pfarrer.

Auch Trauzeugen sind kein Muss

Man merkt dem Pfarrer aus Bayern an, dass er sich auf den Tag freut. „Wir freuen uns am meisten auf die Spontaneität der Menschen.“ Und dabei soll es auch ungezwungen bleiben: „Ein Paar hat bei der Anmeldung bereits angekündigt, dass sie im MSV-Outfit heiraten möchten. Das ist alles möglich. Es wird lustig“, ist er überzeugt. Doch warum entscheiden sich Menschen dafür, den sogenannten schönsten Tag des Lebens so spontan zu feiern, wenn die Planung normalerweise mehrere Monate Zeit braucht? „Ich glaube, es kommt deswegen gut an, weil es so niedrigschwellig ist. Manchmal gewinnt man heutzutage den Eindruck, dass Hochzeit nur noch groß geht, mit Weddingplaner und mindestens einem Heißluftballon“, beobachtet Marius Strecker. Diesen Druck haben die Paare am 27. Juni nicht. „All diesen Druck gibt es nicht: Man muss nicht im Brautkleid kommen. Es geht auch in kurzen Hosen“, sagt der Pfarrer lächelnd.

„Einfach heiraten“ in Duisburg

Weitere Kirchen, die bei der Aktion mitmachen, sind unter https://einfachheiraten.info/ aufgeführt. Wer sich in der Kirche in Duisburg trauen möchte, kann bei Fragen oder Anmeldungen Pfarrer Marius Strecker unter der E-Mail marius.strecker@​ekir.de oder der Tel. 0160-4957944 kontaktieren.

Und um die Gästeliste müssen sich die Paare auch keine Sorgen machen: „Sie können Gäste mitbringen, müssen aber nicht. Auch Trauzeugen sind kein Muss mehr“, weiß der Pfarrer. Er bittet darum, maximal zehn Gäste mitzubringen. Auch ein Wohnsitz in der Kommune ist nicht nötig, um das Angebot wahrzunehmen: „Selbst, wenn Sie auf der Durchreise sind und es im Radio hören: Kommen Sie spontan vorbei!“ Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, aber möglich.

Wenn am Samstag fleißig die Hochzeitsglocken geläutet haben, hofft Marius Strecker auf eines: „Ich wünsche mir, dass die Paare beseelt und freudig nach Hause gehen und noch einmal ihre Liebe gefeiert haben.“ Er selbst könnte sich auch vorstellen, ein solches Angebot wahrzunehmen: „Hier noch einmal zu spüren, dass Gott alle Wege mit Ihnen geht, auch nach 62 Jahren, ist wunderbar. Aber dann wird er all die Jahre schon ein guter Begleiter gewesen sein.“