Wenn zuhause ein Brief der Kommune im Briefkasten landet, bedeutet das häufig keine gute Nachricht. Denn wer in Zeiten leerer Stadtkassen seinen neuen Grundsteuerbescheid erhält, muss sich vielerorts auf höhere Kosten einstellen. Mehr als jede dritte Kommune in NRW hat die Grundsteuer für das laufende Jahr erhöht, wie eine Auswertung des Bundes der Steuerzahler NRW ergeben hat.
Am Niederrhein gibt es zum Teil deutliche Unterschiede: Während es in einigen Kommunen keine Veränderungen gibt, wurde der Hebesatz anderorts von 2025 auf 2026 drastisch angehoben. Wir liefern einen Überblick.
Grundsteuer-Hebesatz in 140 NRW-Kommunen gestiegen
140 der insgesamt 396 Kommunen in NRW haben laut Auswertung ihren Hebesatz angehoben, darunter auch Großstädte wie Hagen, Köln oder Duisburg. Die Kommunen wollen damit Löcher im Haushalt stopfen. Mit Einnahmen durch die Grundsteuer finanzieren sie unter anderem Schulen, Kindergärten, Spielplätze und Straßen. Nach der Auswertung des Bundes der Steuerzahler haben viele Kommunen die neuen Hebesätze erst im laufenden Jahr beschlossen. Bis zum Stichtag 30. Juni sei das rückwirkend möglich.
Im Kreis Wesel haben viele Kommunen ihren Hebesatz im Vergleich zum vergangenen Jahr aber nicht angehoben, darunter Moers, Alpen, Hünxe, Neukirchen-Vluyn und Rheinberg. Hier liegen die Hebesätze zwischen 600 Prozent in Hünxe und 827 in Moers.
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Grundsteuer steigt: So teuer ist es im Kreis Wesel
Einen deutlichen Anstieg gab es dafür in Hamminkeln. Hier greift für Grundbesitzer jetzt ein Hebesatz von 771 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg von 121 Punkten.
Und auch in Wesel wird es deutlich teurer. Im Mai hatte die Stadt entschieden, den differenzierten Hebesatz, bei dem zwischen Wohngrundstücken und Nicht-Wohngrundstücken unterschieden wird, zu streichen. Jetzt gilt in der Hansestadt also wieder ein einheitlicher Hebesatz, wie in den meisten anderen Kommunen im Kreis Wesel auch. Doch dieser Schritt geht bei Hauseigentümern ordentlich ins Geld. Wohngrundstücke wurden 2025 noch mit 782 Prozent besteuert. Der neue einheitliche Hebesatz liegt jetzt jedoch bei 931 Prozent – für Eigentümer von Wohngrundstücken ein Anstieg von 149 Punkten.
Grundsteuer: Dinslaken mit XXL-Erhöhung
Noch höhere Hebesätze gibt es nur in Xanten und Dinslaken. In Xanten lag der Grundsteuer-Hebesatz bereits bei 995, daran hat sich in diesem Jahr aber auch nichts geändert. Den neuen ersten Platz belegt dafür jetzt Dinslaken. Um stolze 350 Punkte ist der Hebesatz hier angestiegen: von 648 auf 998 Prozent. Nach Vettweiß im Kreis Düren (377 Punkte) der steilste Anstieg in NRW. Insgesamt liegt der Kreis Wesel 2026 bei einem Durchschnitt von 763 Prozent. Ein Jahr zuvor lag der Kreis im Durchschnitt noch bei 687.
So entwickelt sich die Grundsteuer im Kreis Kleve
Und auch im Kreis Kleve wird es teurer. Der durchschnittliche Hebesatz ist um 89 Punkte von 570 auf 659 angestiegen. In Emmerich, Issum, Straelen und Kalkar haben Eigentümer Glück: Hier wurde der Hebesatz nicht weiter angehoben. In Kleve ist der Hebesatz um 99 Punkte angestiegen und in Geldern um 154 Punkte. Hier müssen Eigentümer jetzt mit einem Hebesatz von 772 Prozent rechnen.
Den stärksten Anstieg und damit auch den höchsten Hebesatz im gesamten Kreis Kleve gibt es in Rees. Nach einem Anstieg von 301 Punkten liegt der Hebesatz heute bei 834 Prozent.
Grundsteuer in Essen, Duisburg und Düsseldorf
Bei den kreisfreien Städten gibt es ebenfalls Änderungen. Oberhausen kehrt nach einem differenzierten zurück zu einem einheitlichen Hebesatz, was für Besitzer von Wohngrundstücken ein Anstieg von 195 Punkten bedeutet. Ähnliches in Essen: Hier steigt der Hebesatz sogar um stolze 270 Punkte.
Die kommunale Finanzkrise ist real, und die Menschen vor Ort bekommen das zu spüren.
Rik Steinheuer, Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler NRW
Und auch Duisburg hat sich von differenzierten Hebesätzen verabschiedet. Seit dem Ratsbeschluss von Februar 2026 liegt der Grundsteuer-Hebesatz hier bei stolzen 1169 Prozent. Damit gehört die Stadt bundesweit zu den Städten mit der höchsten Grundsteuer. In der Landeshauptstadt ändert sich allerdings nichts. Der Düsseldorfer Hebesatz bleibt hier bei 374 Prozent, wie auch schon 2025.
„Die kommunale Finanzkrise ist real, und die Menschen vor Ort bekommen das zu spüren“, kommentiert Rik Steinheuer, Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler NRW, die aktuelle Entwicklung. Für die kommenden Jahre befürchtet der Experte sogar noch weitere Erhöhungen.
Grundsteuer: Mieter sind zeitversetzt betroffen
Und die Grundsteuer betrifft bei Weitem nicht nur die Immobilieneigentümer. Sie wird in der Regel auf Mieter umgelegt. Diese bekommen die Erhöhung der Grundsteuer mit der Nebenkostenabrechnung zu spüren. Die Abrechnung für das jeweilige Jahr erhalten Mieter in der Regel im Folgejahr. Steigt die Grundsteuer 2026 also stark an, könnte es bei der Nebenkostenabrechnung 2027 eine böse Überraschung geben. (mit dpa)




