Emma begrüßt die Gäste schon am Eingang. Der weiße Maltesermischling streift an den Beinen vorbei, während Katharina Lang-Höchsmann noch schnell eine Zahl mit ihrem Kugelschreiber notiert. Sie beschriftet das kleine, weiße Etikett, das sie dann sorgfältig auf einen kleinen bemalten Topf aus Ton klebt. Der Topf ist so winzig, dass er vielleicht in einer Puppenhausküche oder in einem Setzkasten für Miniaturen seinen Platz finden könnte. Wahrscheinlich denken sich die meisten: Was soll ich damit? Aber der kleine Topf ist so filigran bemalt, dass er eigentlich zu schade zum Wegschmeißen ist. Und genau um diesen Gedanken geht es Katharina Lang-Höchsmann und ihrem Mann Marcus Höchsmann bei ihrem neuen Laden „Dein Damals“ in Kevelaer.

„Setzen wir uns erst mal hin“, sagt Katharina Lang-Höchsmann und läuft vor – vorbei an alten Kaffeeservices, die an Oma erinnern, einer urigen Lampe und einem Fernseher mit Holzverkleidung. „Der ist aus den 40er- oder 50er-Jahren“, sagt Marcus Höchsmann. „Einige machen sich da ein Aquarium rein.“ Die Ladenfläche ist riesig: 720 Quadratmeter. Vor nicht allzu langer Zeit war in der Halle noch ein Baumarkt beheimatet. Das Paar lässt sich auf ein altes Sofa mit Holzgestell aus den 1970er Jahren fallen. „Das ist so bequem“, schwärmt Katharina Lang-Höchsmann. Der Bezug ist mit seinem Beige-Grün eher unauffällig. „Ich denke, das Sofa war früher einmal mit einem ziemlich hässlichen Stoff bezogen“, sagt sie, als sie einmal mit der Hand über die Sitzfläche streicht. Sie lacht.

" Dein Damals" - Konzept für Haushaltsauflösungen
Alte Koffer und alte Radios. In den beiden Läden von Katharina Lang-Höchsmann und Marcus Höchsmann gibt es viel zu entdecken.© FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

Das Paar hat schon einige Jahre Erfahrung mit Möbelstücken aus vergangenen Jahrzehnten. Seit zwei Jahren betreiben sie den Laden „Mein Damals“ in der Fußgängerzone von Kevelaer. Dort bieten sie unter anderem eine Auswahl an Vintage-Designermöbeln an und haben eine alte Küche aufgebaut. „Wir machen auch Haushaltsauflösungen und dabei ist uns Nachhaltigkeit besonders wichtig“, erklärt Marcus Höchsmann. „Die Leute schmeißen einfach viel zu viel weg.“ Seine Frau nickt. „Es kamen immer wieder Leute mit Dingen zu uns in den Laden, die fragten, ob wir ihnen das abkaufen. Und das konnten wir natürlich nicht immer“, sagt sie. „Aber was soll mit all den Sachen passieren?“

Erinnerungen an Omas Geschirr und Vaters Bücher

Ja, was ist mit den Erinnerungen aus dem Kinderzimmer, Omas Geschirr oder den Büchern des Vaters? Daraus entstand die Idee zu „Dein Damals“. „In unserem neuen Laden können Menschen sich ein Regal, eine Kleiderstange oder einen Tisch mieten, um sie mit ihren Dingen zu bestücken und sie bei uns zum Kauf anzubieten“, erklärt Katharina Lang-Höchsmann ihr Konzept. Dabei achten die beiden darauf, dass alles gepflegt ist. „Was ein Zuhause verlässt, muss nicht verloren gehen“, sagt sie. „Viele Dinge besitzen vielleicht keinen großen materiellen Wert. Trotzdem hängen Erinnerungen und persönliche Geschichten an ihnen.“

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Und dafür gibt es auf der riesigen Ladenfläche jede Menge Platz. „Wir haben knapp 100 Regale, zehn Tische und 20 Kleiderstangen“, sagt die 49-Jährige. 50 Euro kostet die Miete als Eröffnungsangebot für einen Monat, nach drei Monaten erhöht sich die Miete auf 69 Euro. Das Paar wird mit 15 Prozent am Gewinn beteiligt. „Und das Gute ist, die Mieter können, sooft sie wollen, nachfüllen. Das ist einfach viel komfortabler als auf dem Trödelmarkt“, sagt Katharina Lang-Höchsmann.

Wie es da abläuft, weiß sie nur zu gut. „Ich habe das Trödler-Gen“, sagt die 49-Jährige. „Früher war ich schon auf Trödelmärkten, um ein bisschen was für den Urlaub dazuzuverdienen. Frühes Aufstehen, Standmiete zahlen...“ Auch ihren Mann hat sie manchmal mitgenommen. Er zuckt mit den Achseln und wirkt wenig euphorisch, als sie davon erzählt. Dennoch scheint ihn mittlerweile eine gewisse Lust an alten Dingen gepackt zu haben. „Er hat seinen Job aufgegeben“, sagt sie. „Früher kam er immer nach Hause und brauchte erst einmal seine Zeit. Wenn er jetzt bei ‚Mein Damals‘ einen Tag im Laden stand, kommt er nach Hause und redet wie ein Wasserfall.“ Katharina Lang-Höchsmann freut sich.

" Dein Damals" - Konzept für Haushaltsauflösungen
In den alten Fernseher bauen sich manche ein Aquarium ein.© FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

„Die Menschen stehen im Laden und schauen sich etwas an, und man sieht ihnen einfach an, dass sie sich an etwas erinnern“, erzählt der 56-Jährige. „Wir hatten auch letztens eine Kundin da, die aus dem Nichts begann zu weinen“, erzählt seine Frau. „Sie griff nach einem alten Teddybären und kam zur Kasse. Auch ihr Mann wusste gar nicht, was los war. Die Frau erzählte uns dann, dass sie ihre Mutter mit genau so einem Teddy begraben hat, und dachte, dass sie diesen Bären nie wiedersehen würde.“ Von solchen Momenten zehren die beiden und hoffen, dass es sie auch in ihrem neuen Laden geben wird.

Alte Rarität: Telefon mit Drehscheibe

Wie der genau aussieht, wollen die beiden nun noch zeigen und springen vom gemütlichen Sofa auf. Auch Hund Emma kommt mit. Noch sind so kurz vor der Eröffnung nicht alle Regale und Tische belegt. Deshalb füllen die beiden derzeit mit Dingen aus „Mein Damals“ den neuen Laden auf. Ein Telefon mit Drehscheibe steht in einem Regal. „Die jungen Leute wissen gar nicht mehr, wie man damit wählt. Die greifen tatsächlich mit allen Fingern in die Löcher und drehen dann die Scheibe“, sagt Katharina Lang-Höchsmann verwundert.

„Dein Damals“

Der neue Laden „Dein Damals“, Gewerbering 6, in Kevelaer, hat ab Samstag, 1. August, dienstags bis freitags von 10 bis 16 Uhr geöffnet und samstags von 10 bis 16 Uhr. Das andere Geschäft von Katharina Lang-Höchsmann und Marcus Höchsmann hat die gleichen Öffnungszeiten und befindet sich an der Hauptstraße 28 in Kevelaer. Kontakt telefonisch unter 02832 5087589. www.meindamals.de

Sie läuft weiter, in einen Raum mit rosafarbenen Regalen. „Ich fand die Farbe irgendwie witzig“, sagt sie. „Das ist hier mein Regal“, sagt Katharina Lang-Höchsman. „Die Tassen kenne ich ja gar nicht“, wundert sich ihr Mann. „Musst du auch nicht“, sagt Lang-Höchsmann und grinst. „Wir haben übrigens auch einen Spendentisch. Die Einnahmen sollen für den guten Zweck gespendet werden und hier in Kevelaer bleiben.“

Während das Paar den rosafarbenen Raum verlässt, hat Emma schon den nächsten Gast erspäht und läuft herüber zum Eingang. Neue Ware. Katharina Lang-Höchsmann freut sich. „Wir packen jetzt jeden Tag fleißig aus, bis zur Eröffnung“, sagt sie.