Aufgestellte Ohren, schwarz-weiß-braunes Fell, braunleuchtende Augen und fast immer einen fröhlichen Blick aufgesetzt: Das ist Schröder. „Nähe und Zuwendung bedeuten ihm sehr viel – ein echter Schmusebär“, so beschreiben ihn die Mitarbeiter des Tierheims Düsseldorf. Seinem Herrchen machte der Schäferhundmischling aber offenbar zu viel Arbeit. Anders könne man sich nicht erklären, „warum man einen so tollen Hund einfach aussetzt.“ Ein Problem, das jetzt mit Beginn der Ferien wieder größer wird, denn Schröder ist kein Einzelfall.

April 2025, die Osterferien haben gerade begonnen. Dann bekommt das Tierheim einen Hinweis, dass ein Hund am Stadtrand in Lichtenbroich frei herumläuft, erinnert sich Melanie Gordon, stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins Düsseldorf. Das Tierheim nimmt Schröder auf. Der etwa acht Jahre alte Rüde ist kerngesund, an Menschen offensichtlich schon gewöhnt. Ein Herrchen lässt sich aber nicht ermitteln. „Und es hat sich auch nie jemand gemeldet und nach ihm gefragt. Deshalb gehen wir davon aus, dass er ausgesetzt wurde.“ Über ein Jahr später sitzt Schröder immer noch im Zwinger und wartet auf eine neue Familie.

Düsseldorfer Tierheim kann keine Tiere mehr aufnehmen

Besonders im Sommer beobachtet das Tierheim solche Vorfälle immer wieder. „Da fällt manchen dann auf, dass sie doch nicht so flexibel sind, wie sie es gerne wären“, mutmaßt Gordon. Viele kämen dann auch mit ihren Hunden ins Tierheim, um sie dort wieder abzugeben. „Oft nur, weil der Hund ihnen zu viel Arbeit macht oder nicht sofort alle Kommandos kann. Manchmal hat das aber auch finanzielle Gründe. Da wird das Tier abgegeben, nachdem die Tierarztrechnung zu hoch ausgefallen ist.“

Schäferhundmischling Schröder
Seit April 2025 lebt Schröder im Düsseldorfer Tierheim.© Tierheim Düsseldorf | Tierheim Düsseldorf

Doch das Tierheim hat nun mal begrenzte Kapazitäten und musste deshalb vor einer Woche schon einen Aufnahmestopp verhängen. Man helfe Tierhaltern zwar weiterhin, die Haustiere privat über Anzeigen auf der Tierheim-Webseite weiterzuvermitteln, aufnehmen könne man jedoch nichts mehr.

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„Wir haben 86 Zwinger und beherbergen leider gerade über 100 Hunde“, sagt Gordon. Bei den Katzen sei es noch drastischer. Ausgelegt sei das Tierheim für etwa 120 Katzen. Doch weil so viele ausgesetzt oder aus ihrem Zuhause befreit werden müssen, wohnen aktuell etwa 300 in dem Düsseldorfer Tierheim.

Hunde an Raststätten und Wäldern ausgesetzt

Auch andere Tierheime – vom Münsterland bis Berlin – klagen aktuell wieder über überfüllte Aufnahmestationen, weil zu viele Tiere rücksichtslos ausgesetzt werden. „Der Klassiker ist da die Autobahnraststätte oder der Wald am Stadtrand“, sagt Gordon. Der Labrador „Haribo“, der im vergangenen Sommer mit zugeklebter Schnauze und an einen Baum gebunden gefunden wurde, mache sie heute noch sprachlos.

Der Klassiker ist da die Autobahnraststätte oder der Wald am Stadtrand.

Melanie Gordon, über ausgesetzte Hunde.

In Wesel sind es vor allem Katzen, die die Mitarbeitenden des Tierheims auf Trab halten. „Das liegt aber nicht direkt an den Ferien, wir sind eigentlich immer voll“, erzählt Leiterin Andrea van Vorst auf Nachfrage der NRZ. Besonders die wildlebenden Katzen würden für viel Arbeit sorgen. Denn die seien in der Regel unkastriert, müssten von den Tierpflegern also eingefangen, kastriert, gechippt und wieder freigelassen werden.

Tierheime überlastet: Viele Tierbesitzer entscheiden sich um

Tierbesitzer, die sich umentschieden haben und ihr Haustier wieder abgeben wollen, sind in Wesel aber auch keine Seltenheit mehr. „Es ist einfach viel zu leicht, ein Haustier zu kaufen“, findet van Vorst. „Wir hören immer wieder, dass man sich nur einen Tag lang Gedanken gemacht hat, ob man dieser Aufgabe gewachsen ist, und dann sofort zum nächsten Tierheim gefahren ist. Häufig kommen ein paar Monate später genau diese Menschen wieder zurück. ‚Mein Kind hat eine Tierhaarallergie‘ wird dann gerne als Begründung genannt.“ Grundsätzlich wolle die 56-Jährige erst mal jedem glauben, „wenn das Argument aber erst nach ein paar Jahren kommt, wirkt es manchmal unglaubwürdig.“

Es ist einfach viel zu leicht, ein Haustier zu kaufen.

Wesel: Sommerfest des Tierheims
Andrea van Vorst, leitet das Tierheim Wesel.

Ausgesetzte Tiere seien in Wesel dafür aber kein großes Thema. Ebenso wie im Kreis Kleve. „Das ist eher ein städtisches Problem, dafür sind wir zu ländlich“, vermutet Mario Schwienheer, Vorsitzender des Tierheims Kranenburg, wo man sich auch vor allem um unkastrierte Katzen oder abgegebene Tiere kümmert.

Alle drei sind sich aber in einer Sache einig: Viele Menschen kaufen Haustiere zu vorschnell. Ob man der Verantwortung gerecht werden kann, sollte nicht spontan an einem Nachmittag entschieden werden, findet Gordon. „Denn wie viel Arbeit ein Hund macht, hängt nicht zuletzt von der Rasse ab. Schröder ist ein großer Hund, bei dem durch den Mix mit anderen Rassen auch hin und wieder ein Jagdtrieb durchkommt“, mahnt sie. Der Vierbeiner brauche daher viel Auslauf und sollte immer an der Leine geführt werden. „Wenn einem aber klar ist, worauf man sich einlässt, wird man ganz viel Spaß mit ihm haben.“