15 Jahre lang trug Norbert Lamers eine ganze Welt im Kopf herum – auf Autofahrten und nach Feierabend. Jetzt hat er diese Welt auf insgesamt 2000 Seiten gebracht. Mit „Nacht und Gold – Flucht nach Leland“ ist nun auf etwa 600 Seiten der erste der drei geplanten Bände des Fantasy-Epos erschienen. Der Xantener verbindet darin Drachen und Prophezeiungen mit seiner Heimat am Niederrhein. Im Interview spricht Lamers über seinen Helden mit „großer Klappe und Warmherzigkeit“, zwei starke Frauenfiguren und den Sprung von der Lyrik in die Fantasy-Welt.
Herr Lamers, wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Fantasy-Roman zu schreiben?
Angefangen hat eigentlich alles mit der Lyrik. Ich schreibe schon seit vielen Jahren Gedichte und habe auch einen Lyrikkreis gegründet, der bis heute besteht. Nach meinem Berufsleben in der Gastronomie hatte ich plötzlich mehr Zeit und Raum, eine eigene Fantasy-Welt zu erschaffen. Für meinen späteren Job als Programmierer musste ich viel Auto fahren, und auf diesen Fahrten hatte ich immer viel Zeit, in meinem Kopf die Ideen nach und nach ausreifen zu lassen. Viele Ideen habe ich auch erst einmal auf Zetteln notiert und später weiterverarbeitet. Daraus entwickelte sich über die Zeit eine Geschichte auf rund 2000 Seiten, aufgeteilt in drei Bände. Die Romane sind bereits fertiggeschrieben und müssen nur noch überarbeitet werden. Eigentlich war das Veröffentlichen nie mein Plan, aber meine Familie hat schließlich gesagt: „Daraus muss unbedingt ein Buch werden.“ Also haben wir es versucht.
Sie sagen selbst, dass Sie zwei Leidenschaften haben: die Lyrik und Ihren Heimatort Xanten. Haben Sie Ihre Heimat am Niederrhein in Ihrem Fantasy-Roman verewigt?
Ja, ich wollte meine Heimat in das Buch einbinden. Meine erste Figur war Gregor Jensen, der Niederrheiner aus Xanten. Er kommt aus einer anderen Welt nach Land. Das kann ich nicht in aller Kürze beschreiben, aber man kann sagen: Es ist kein Zufall, dass er dort landet. Das ist Teil einer alten Prophezeiung. Er wird aufgrund seiner Eigenschaften für diese ausgesucht: Er hat körperlich unheimlich was drauf. Vollkontakt-Karate, Bogenschießen, Schwimmen und Tauchen. Er bringt Impulse und Wissen für die Neuzeit und Modernisierung mit in diese fremde Welt.
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Typisch niederrheinisch ist an ihm, dass er phlegmatisch und optimistisch ist. Aber auch, dass er viel Humor mitbringt und unheimlich tolerant ist. Die große Klappe in Verbindung mit seiner Warmherzigkeit steht natürlich auch für die Region. (lacht) Ihm gegenüber stehen die Drachen. Sie wollen die Welt, in der sie leben, wieder zurückerobern. Mit dieser Dynamik, die sich daraus entwickelt, sollen auch weltpolitische Aspekte in den Roman einfließen.
Hatten Sie diese Welt schon lange im Kopf oder entstand sie erst mit dem Schreiben?
Ja, den Weltenentwurf habe ich schon lange in meinem Kopf, bestimmt schon 15 Jahre. Um dieser Welt besser folgen zu können, gibt es vorn im Buch auch eine Karte der Welt namens Land, mit Einwohnerzahlen, Kontinenten und Staaten. Sogar Flüsse und Meere sind eingezeichnet.

Aber ich habe nicht vorher alles am Klemmbrett geplant. Das hat sich alles beim Schreiben entwickelt. Das merkt man der Geschichte in dem Sinne auch an, dass für die Lesenden viel im Laufe der Geschichte erklärt wird, wenn zum Beispiel neuen Charakteren die Situation erklärt werden muss. So wurde der Plot in die Geschichte eingebettet und der Leser kommt mit. Das fließt alles in die Geschichte mit ein. Die Story ist zwar überaus komplex, aber sie wird immer wieder gut erklärt. Gregor fungiert dabei dann als Erzähler.
Woher kam die Inspiration für diese Welt? Lesen Sie selbst viel Fantasy?
Ja, ich habe schon immer sehr viel gelesen – vor allem Fantasy. Im Laufe der Jahre sicherlich tausende Bände. Besonders faszinieren mich Autorinnen und Autoren, die vollständige Welten erschaffen, mit eigener Geschichte, Pflanzen, Tieren und Gegenständen. Es gibt Autoren, die ich besonders gerne lese, natürlich auch Tolkien, ist ja Standard. Und so eine eigene Welt wollte ich eben auch erschaffen. Bei meinem Schreibstil hat mich Robert Jordan inspiriert.
Vorher haben Sie überwiegend Lyrik gemacht und auch Gedichte und Poesie veröffentlicht…
Seitdem ich 18 bin, habe ich zahlreiche Gedichte und einen eigenen Lyrikband veröffentlicht. Klar, während meiner Zeit in der Gastronomie habe ich dafür ebenfalls keine Zeit gehabt. Aber hier und da habe ich mich an Gedichten versucht, zum Beispiel, wenn ich nachts nach Feierabend ein Glas Rotwein getrunken habe. Dann kamen oft die einzelnen Worte. Die habe ich aufgekritzelt und in die Ecke gelegt. Manchmal wurde erst Jahre später daraus dann ein Gedicht. Oft habe ich mich bei der Lyrik von meiner Heimat inspirieren lassen.
War es eine große Umstellung, vom lyrischen Schreiben auf das Schreiben eines Romans zu wechseln?
Irgendwie war es für mich ganz natürlich, vom lyrischen Schreiben auf den Roman zu wechseln. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass das einfacher ist als umgekehrt. Ich glaube, wenn zuerst ein Roman geschrieben ist, ist der Wechsel auf Lyrik schwieriger. Beim Roman hat man die Zeit und den Platz, sich auszudehnen. Bei Lyrik muss man die Komplexität einer Aussage in wenigen Worten zusammenbringen. Dazu kommt, dass ich bei Fantasy ungemeine Freiräume habe.
Norbert Lamers
Der erste Band „Nacht und Gold – Flucht nach Leland“ ist am 1. Juni im BoD – Books on Demand-Verlag erschienen. Der zweite Teil soll gegen Ende des Jahres folgen. Zu finden ist das Buch unter der ISBN-13: 9783696379667 oder unter www.buchshop.bod.de
Sie haben sich mit der Drachenmeisterin und der Kaiserin zwei weibliche Rollen als Hauptfiguren herausgesucht. War es für Sie schwierig, sich in weibliche Figuren hineinzuversetzen?
Das ist mir überhaupt nicht schwergefallen. In meinem Leben war die Gleichberechtigung von Mann und Frau immer selbstverständlich. Bewusste Vorbilder aus meinem Leben habe ich dabei keine gehabt, ich habe versucht, die Figuren frei zu erschaffen. Ich fand es spannend, zwei verschiedene Figuren zu zeichnen. Die Kaiserin ist lebenslustig, lebendig und emotional, während Drachenmeisterin Boa Linna eher still und ernst ist, und natürlich kämpft. Es geht um zwei starke Frauen, die gegeneinander spielen, aber letztendlich dasselbe wollen. Und dann – aber erst im zweiten Teil – geht es auch um Liebe. Und natürlich braucht eine Liebesgeschichte auch ein bisschen Drama. Also die, die eine kleine Liebesgeschichte wollen, müssen sich noch ein bisschen gedulden. Jeder hat sein Abenteuer. Im ersten Teil werden die Geschichte und die Welt erst einmal aufgeblättert.
Ist die Geschichte inzwischen abgeschlossen oder gibt es noch weitere Pläne?
Die Geschichte von Nacht und Gold ist nach den drei Teilen abgeschlossen. Allerdings arbeite ich bereits an einer Fortsetzung. Sie wird einige Jahre später spielen – ähnlich wie Der kleine Hobbit und Der Herr der Ringe zeitlich voneinander getrennt sein. Die Handlung spielt also weiterhin in derselben Welt, erzählt aber eine neue Geschichte. Aber jetzt wird hoffentlich um die Weihnachtszeit herum erst einmal der zweite Band von Nacht und Gold erscheinen.



