Schweinegrippe

Viele Ärzte wollen sich nicht impfen lassen

Foto: ddp

Essen. Ärzte und Pflegepersonal gelten als besonders gefährdet für die Schweinegrippe und sollen vorrangig geimpft werden. Sonderlich groß ist die Bereitschaft dazu unter Medizinern aber nicht. Auch der Chef des Hartmannbundes will sich nicht impfen. Mancher Ärztefunktionär sieht das kritisch.

In der Ärzteschaft gibt es wegen des bisher überwiegend milden Verlaufs der Schweinegrippe-Epidemie wenig Bereitschaft, sich gegen die Krankheit impfen zu lassen. „Da ist eine große Zurückhaltung zu erwarten”, sagte Kuno Winn, Vorsitzender des Hartmannbundes, der NRZ. Andere Ärztefunktionäre teilen diese Einschätzung, bezeichnen die Impfskepsis ihrer Kollegen aber als problematisch.

Ärzte gelten wie das Pflegepersonal in Krankenhäusern als sogenannte Risikogruppe. Weil sie einem höheren Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind, sollen sie vorrangig immunisiert werden. „Ich glaube nicht, dass die Ärzteschaft in diesem Zusammenhang mit leuchtendem Beispiel vorangehen wird”, räumt aber Leonhard Hansen ein, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Zur ärztlichen Impfskepsis trage neben dem derzeit klinisch unproblematischen Verlauf der Erkrankung auch die aktuelle Diskussion um mögliche schwere Nebenwirkungen einer Impfung bei: „Ärzte sind dreimal so empfänglich für Risikomeldungen wie die normale Bevölkerung.”

Klar ist: Der Wirkstoff Pandemrix, von dem bundesweit 50 Millionen Dosen bestellt worden sind, wird unangenehmere Nebenwirkungen haben, als herkömmliche Impstoffe. Das Paul-Ehrlich-Institut als die deutsche Zulassungsbehörde für Impfstoffe räumt ein, dass es bei diesem Mittel zu einer stärker ausgeprägten Erkältungssymptomatik und zu stärkeren Schmerzen nach dem Stich kommen kann.

"Wir können keine schlechten Vorbilder sein"

Die Verweigerungshaltung seiner Kollegen sei aber „bedauerlich”, so Hansen, der den Impfstoff „weitesgehend zu Unrecht” problematisiert sieht. Auch Ärztekammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe warnt vor der Impfzurückhaltung seiner Kollegen: „Wir können keine schlechten Vorbilder sein.” Gleichwohl hat auch Hoppe eine weit verbreitete Stimmung gegen die Impfung im Kollegenkreis festgestellt. Auch auf europäischer Ebene herrsche Skepsis, berichtet Hoppe von einer Tagung des Weltärztebundes in Indien. Wesentlich mehr Bereitschaft, sich impfen zu lassen, hätten mexikanische und US-amerikanische Kollegen. In den USA und Mexiko hat die Schweinegrippe bereits Hunderte Todesopfer gefordert.

Hartmannbund-Chef Kuno Winn hingegen hat Verständnis für die Impfzurückhaltung in der deutschen Ärzteschaft. „Ich werde mich auch nicht impfen lassen”.

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