Archäologinnen und Archäologen haben bei Ausgrabungen im Ramesseum, dem imposanten Totentempel des Pharaos Ramses II. in Luxor, bedeutende Funde gemacht. Zum ersten Mal konnte das „Haus des Lebens“ nachgewiesen werden – eine antike Bildungseinrichtung, die eng mit dem Tempel verbunden war. Diese Entdeckung bietet neue Einblicke in die Bildungs- und Wirtschaftsstrukturen der Pharaonenzeit.

Erstaunliche Entdeckung in Ägypten: Ein verborgener Tempel als Zentrum des Wissens

Das Ramesseum in Ägypten, errichtet während der Herrschaft von Ramses II., diente nicht nur als Gedenkstätte für den Pharao, sondern auch als religiöses, administratives und wirtschaftliches Zentrum. Jetzt offenbart sich, dass es zusätzlich eine bedeutende Rolle als Bildungsstätte spielte. Die Forscher entdeckten Überreste des sogenannten „Hauses des Lebens“ – einer Tempelschule, die in der ägyptologischen Forschung bislang nur vermutet worden war.

Zeichnungen von Schülern, Fragmente von Lernspielzeug und antike Lehrmittel belegen nun eindrucksvoll die Existenz dieser Institution. Selbst der architektonische Entwurf des Hauses konnte freigelegt werden – ein historischer Durchbruch für das Verständnis der Bildung im Alten Ägypten, wie Forscher in einer Erklärung mitteilen.

„Haus des Lebens“: Ein eigenständiger Tempelkomplex mit wirtschaftlicher Infrastruktur

Doch das „Haus des Lebens“ war nur ein Teil eines vielschichtigen Tempelkomplexes. Die Ausgrabungen brachten zudem zahlreiche Hinweise auf die wirtschaftlichen Strukturen ans Licht: Unterirdische Lagerräume für Olivenöl, Honig, Fett und Wein, Werkstätten für Textilien und Steinbearbeitung sowie Küchen und Bäckereien zeichnen das Bild einer autarken Tempelanlage. Weinetiketten und weitere Fundstücke belegen die umfangreiche Versorgung – nicht nur für das Tempelpersonal, sondern auch für die Bevölkerung der Region.

Auch eine Art Friedhof wurde im Ramesseum über Jahrhunderte hinweg gepflegt. Im nordöstlichen Teil der Anlage stießen die Forscher auf Gräber aus der Dritten Zwischenzeit (1069–525 v. Chr.). Dort fanden sich ineinander geschachtelte Sarkophage, Kanopen, Grabbeigaben sowie beeindruckende 401 Uschebti-Keramikfiguren. Die über das gesamte Gelände verstreuten menschlichen Überreste belegen die spätere Nutzung des Tempels als Nekropole.

Uschebti-Figuren aus dem Ramesseum in Luxor.
Ramesseum bei Luxor: Forscher finden zahlreiche Artefakte, darunter über 400 Uschebti-Figuren.© imago/Xinhua | IMAGO/Egyptian Ministry of Tourism and Antiquities

Eine besondere archäologische Ankündigung machte zudem der ägyptische Archäologe Hisham El-Leithy: Das Grab von Sehetep-ib-Re aus dem Mittleren Reich soll nun erneut freigelegt werden. Die Grabstätte, die bereits 1896 vom britischen Archäologen James Quibell entdeckt worden war, enthält hervorragend erhaltene Grabkunst und erweitert die historische Nutzung des Tempels um eine weitere Epoche.

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Geheimnisvoller Ort bei Luxor: Funde zeigen facettenreiches Leben im Ramesseum

Auch bei den Restaurierungsarbeiten des Areals sind große Fortschritte zu erkennen. Im südlichen Teil des Tempels wurden die monumentalen Statuen von Ramses II. und seiner Mutter, Königin Tuya, rekonstruiert und an ihren ursprünglichen Standorten aufgestellt. Der angrenzende Königspalast wurde ebenfalls restauriert – inklusive des Thronsaals und Empfangsraums, die vermutlich für offizielle Zeremonien und Staatsbesuche genutzt wurden.

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Die Entdeckungen belegen, dass das Tempelareal schon vor der Herrschaft von Ramses II. besiedelt war. In ptolemäischer und römischer Zeit wurde es von Steinmetzen wiederverwendet. Die jüngsten Funde zeigen eindrucksvoll, wie facettenreich das Leben rund um das Ramesseum organisiert war – und wie viele Geheimnisse dieser Ort noch birgt.