Im Rahmen einer großflächigen archäologischen Ausgrabung im Vorfeld eines Bauvorhabens in Kaiseraugst (Kanton Aargau, Schweiz) wurden durch Archäologinnen und Archäologen gut erhaltene römische Baustrukturen sowie seltene Artefakte im Bereich der antiken Siedlung Augusta Raurica freigelegt. Die unter der Leitung der Kantonsarchäologie Aargau durchgeführte Rettungsgrabung ermöglicht neue wissenschaftliche Erkenntnisse über eine der bedeutendsten römischen Ansiedlungen nördlich der Alpen.
Rettungsgrabung in der Schweiz: Hohes historisches Potenzial einer Region enthüllt
Die aktuelle Ausgrabung im Bereich Schürmatt in Kaiseraugst wurde durch die geplante Errichtung zweier Mehrfamilienhäuser mit gemeinsamer Tiefgarage veranlasst. Aufgrund des vermuteten historischen Potenzials erfolgten zunächst 2019 geophysikalische Prospektionen sowie Sondierungen in den Jahren 2021 und 2023. Diese Untersuchungen führten zur Entscheidung für eine umfassende Rettungsgrabung auf einer Fläche von etwa 1800 Quadratmetern.
Erstmals wurde die gesamte Grabung durch die Kantonsarchäologie Aargau vollständig digital dokumentiert. Sämtliche Befunde wurden vor Ort digital erfasst und direkt in eine zentrale Datenbank überführt. Dieses Verfahren erlaubt eine besonders präzise und effiziente Dokumentation und gilt laut Angaben der Abteilung als möglicher neuer Standard für die archäologische Feldarbeit über die Kantonsgrenzen hinaus.
Die Archäologen legten im Bereich der antiken Siedlung Augusta Raurica hervorragend erhaltene römische Baustrukturen sowie seltene Fundobjekte frei. Die Grabung ermöglichte neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur baulichen und funktionalen Ausgestaltung der Unterstadt einer der zentralen römischen Urbanisationen nördlich der Alpen.
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Augusta Raurica: Fundstätte weist beeindruckendes städtebauliches Profil auf
Augusta Raurica wurde Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. gegründet und entwickelte sich in der römischen Kaiserzeit zu einem bedeutenden wirtschaftlichen und administrativen Zentrum in der Provinz Germania Superior. In unmittelbarer Nähe zum Siedlungsgebiet des keltischen Stammes der Rauriker gelegen, erlebte die Stadt im 2. Jahrhundert n. Chr. ihre größte Blütezeit, gekennzeichnet durch eine umfangreiche städtebauliche Entwicklung mit repräsentativen Bauten wie Tempeln, Thermenanlagen und dem größten bekannten römischen Theater nördlich der Alpen, das rund 10.000 Zuschauer fassen konnte.

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Archäologische Befunde belegen zudem ein dichtes Straßennetz, eine ausgeklügelte Wasser- und Abwasserversorgung sowie eine vielfältige wirtschaftliche Infrastruktur, darunter Werkstätten und Lagerhäuser, die die Bedeutung Augusta Rauricas als regionales Zentrum des Handels und Handwerks unterstreichen.
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Infrastruktur und Gräber: Bemerkenswerte Funde ermöglichen wertvolle Rückschlüsse
Zu den herausragenden Funden der Ausgrabung zählt eine rund 3,5 Meter breite römische Straße, die mehrfach erneuert worden war und von Entwässerungsgräben sowie säulengestützten Portiken flankiert wurde – Hinweise auf eine sorgfältig geplante urbane Infrastruktur. Entlang dieser Straße lagen sogenannte Streifenhäuser mit Hinterhöfen, deren Bauweise stark variierte: von steinernen Gebäuden mit erhaltenen Kellern bis zu einfachen Holzpfostenkonstruktionen.
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In den Höfen fanden sich Trockensteingruben, Schächte und mehrere Säuglingsbestattungen, wie sie im römischen Kulturkreis üblich waren. Diese Gräber verweisen auf eine hohe Säuglingssterblichkeit und geben Einblicke in familiäre Rituale. Die Besiedlung des Areals lässt sich vom späten 1. bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. nachweisen; spätrömische Funde wie Münzen deuten zudem auf eine fortgesetzte Nutzung bis in die Spätantike. Besonders bemerkenswert sind Einzelfunde wie eine bronzene Pantherfigur, ein Votivhalter aus Tuffstein und ein mehrfarbiger Mosaikspinnwirtel aus Glas, die wichtige Hinweise auf Alltagskultur und religiöse Praktiken liefern.







