Im brasilianischen Amazonasgebiet stürzte ein 15 Meter hoher Paricarana-Baum um und legte dabei sieben massive Urnen frei. Der bemerkenswerte Fund gelang einem Fischer in einem abgelegenen Gebiet am mittleren Solimões-Fluss – tief im kaum erschlossenen Regenwald. Was verrät uns die Entdeckung über die vergangenen Epochen?
Fund in Brasilien: Mysteriöse Entdeckung im Dschungel offenbart alte Rituale
Die Entdeckung der Keramikurnen überraschte zunächst den Fischer – doch ihr Inhalt ließ selbst erfahrene Archäologinnen und Archäologen staunen. Zwei der Keramikgefäße, mit einem Durchmesser von bis zu 89 Zentimetern, enthielten menschliche Überreste. Die kleineren Urnen waren mit Tierresten und Samen gefüllt – darunter Fische und Schildkröten. Nach Einschätzung der Archäologin Geórgea Layla Holanda vom Mamirauá-Institut, deuten sie auf komplexe Bestattungsrituale hin, bei denen Tier- und Pflanzenwelt eine zentrale Rolle spielten.
Die Funde offenbaren einen rituellen Ablauf: „Nach dem Tod ließ man den Körper in einem Korb im Fluss zurück, damit die Fische das weiche Gewebe fraßen, oder begrub ihn in der Erde“, sagte Holanda gegenüber „Live Science“. „Anschließend wurden die zerstückelten Knochen eingeäschert und in Urnen gelegt, die einen neuen Körper und eine neue Haut symbolisierten. Schließlich vergruben viele Amazonaskulturen diese Gefäße unter ihren Häusern.“

Spannende Forschung im Regenwald: Präkolumbische Urnen aus seltenen Materialien werfen Fragen auf
Einige der Urnen bestehen aus grünlicher Tonkeramik – selten in der Region, aber nicht unbekannt. Auffällig sind auch rot bemalte Bänder und aufgetragene Tonschichten. Dennoch konnten die Artefakte bislang keinem bestimmten Keramikstil zugeordnet werden. Andere Funde in der Umgebung weisen auf ähnliche Urnen hin, teils mit Deckeln, die menschliche Züge darstellen.
Das genaue Alter der Urnen gibt den Forschern Rätsel auf: Da sie präkolumbisch (also aus einer Zeit vor der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus) sind, könnten sie entweder Jahrhunderte oder Jahrtausende alt sein. Außergewöhnlich ist jedoch die Lage der Grabstätte, die sich auf einer von Menschenhand geschaffenen Insel befindet. Ob die Kultur, die die künstlichen Inseln schuf, auch die Urnen herstellte, bleibt unklar, so Archäologen des Mamirauá-Instituts für nachhaltige Entwicklung (IDSM) in Brasilien.
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Expedition ins Verborgene: Forscher rücken mit Booten, Kanus und Macheten vor
Der Fundort – Lago do Cochila – liegt zudem inmitten eines saisonal überfluteten Gebiets. Dank der engen Zusammenarbeit mit der lokalen Gemeinde São Lázaro do Arumandubinha gelang es, eine einmonatige Ausgrabung zu organisieren. „Dies war eine Forderung der Gemeinde, die die historische Bedeutung dieser Objekte erkannte“, sagte Márcio Amaral, ein Archäologe am IDSM gegenüber „Live Science“. Die Bewohner halfen beim Bau einer Plattform über dem Boden und berieten die Forscher hinsichtlich des besten Zeitpunkts für die Arbeiten, heißt es in der offiziellen Erklärung.

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Die Anreise zur archäologischen Stätte war eine große Herausforderung: Vom Institutssitz in Tefé aus benötigte das Forschungsteam über zehn Stunden mit dem Boot, um die abgelegene Gemeinde São Lázaro do Arumandubinha zu erreichen. Danach ging es 18 Kilometer mit dem Kanu durch überflutetes Gebiet und schließlich zu Fuß durch dichten Urwald – geführt von Ortskundigen, die mit Macheten einen schmalen Pfad durchs Dickicht schlugen.
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Rätselhafte Region im Amazonas-Gebiet: Was geschah auf den künstlichen Inseln?
Die Inseln, einst von indigenen Völkern aus Erde errichtet, dienten wohl nicht nur als Schutz vor Überschwemmung, sondern auch als heilige Stätte. Die exakte Verbindung zwischen den Erbauern der Insel und den Schöpfern der Urnen bleibt jedoch unklar. Weitere Ausgrabungen und Datierungen sollen Licht in die frühe Historie des Amazonas bringen – eine Geschichte, in der noch viele Kapitel im Verborgenen liegen.








