Die Burg Kolno war im Mittelalter ein Machtzentrum – heute ist kaum mehr als ein Hügel übrig. Doch bei Ausgrabungen stießen Archäologinnen und Archäologen auf einen besonderen Fund: ein Amethyst in feuervergoldetem Silber.

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„Ich glaube, der Gegenstand war ursprünglich Teil einer Brosche oder, weniger wahrscheinlich, einer Krone oder eines Diadems“, erklärte Lech Marek, Archäologe an der Universität Breslau, gegenüber „Live Science“. „Was ihn im Kontext einer mittelalterlichen Siedlung so einzigartig macht.“
Ungewöhnlicher Fundort für Mittelalterschmuck: ein Stück Luxus im Alltag verloren
Der Fund stammt nicht aus einem Grab oder Hort – beides typische Kontexte für mittelalterlichen Schmuck. Stattdessen lag er an einem Ort, der auf ein zufälliges Missgeschick hinweist. In ihrer kürzlich in der Fachzeitschrift „Antiquity“ veröffentlichten Studie schreiben Lech Marek und Beata Miazga: Dieser Schmuck sei in einer eher „alltäglichen“ Situation entdeckt worden. Vermutlich sei er „von jemandem auf dem Weg zur oder von der Burg Kolno verloren gegangen“. Jahrhundertelang blieb der Amethyst im feuchten Erdreich verborgen – bis heute.
Die Burg Kolno wurde im frühen 13. Jahrhundert als Festung und herzoglicher Palast errichtet. Sie diente zugleich als Zollstation für den regionalen Holzhandel. Herzog Bolesław III. von Brzeg verkaufte das Anwesen später an wohlhabende Ritter. 1443 wurde Kolno während der schlesischen Bürgerkriege zerstört.
Seit 2010 leitet Marek archäologische Grabungen an der Ruine. Dabei wurden bereits militärische Ausrüstung, Reiterzubehör und Keramik aus dem 14. und 15. Jahrhundert entdeckt. Der Amethyst jedoch sticht durch seine symbolische wie materielle Bedeutung hervor.

Zur Untersuchung des Edelsteins nutzten die Forscherinnen und Forscher moderne Verfahren: Mithilfe der Raman-Spektroskopie, die mithilfe von Laserlicht die molekulare Zusammensetzung analysiert, identifizierten sie den Stein als Amethyst. Eine ergänzende Röntgenfluoreszenzanalyse ergab, dass die Fassung aus Silber besteht und feuervergoldet war. Dabei wurden laut Studie erhebliche Mengen Quecksilber nachgewiesen.
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Amethyste und ihre symbolische Bedeutung: Schutz, Glaube und vor allem Prestige
Amethyste, also violette Varietäten des Minerals Quarz, waren im Mittelalter mehr als bloßer Schmuck. „Aufgrund ihrer symbolischen Bedeutung, Verfügbarkeit und ästhetischen Qualitäten waren Amethyste im Mittelalter beliebt“, sagte Marek. In mittelalterlichen Sagen schrieben man dem Stein Schutzfunktionen zu: vor Trunkenheit, Gift, Gicht, schlechten Träumen, Verrat, Betrug, Gefangenschaft, Blindheit, Verzauberung und Strangulation. Ebenso stand er für Glauben, Bescheidenheit und Martyrium.
„Im raffinierten mittelalterlichen Spiel der Symbole hatte die Wahl von Edelsteinen für Schmuck immer einen tieferen Grund“, so Marek. „Wenn man glaubte, dass ein Juwel mit übernatürlichen Kräften aufgeladen sei, stieg sein Wert schnell.“
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Der gefundene Amethyst in einer silbernen Fassung vereint diese symbolischen Ebenen mit materieller Kostbarkeit – ein Statussymbol, das weit über seine dekorative Funktion hinausgeht.







