Bei Grabungen in Böhmen, die im Vorfeld eines Autobahnbaus stattfanden, entdeckten Archäologinnen und Archäologen etwas Unerwartetes: eine eisenzeitliche Siedlung mit Hunderten von Münzen und mehr als 1000 Schmuckstücken. Doch wer waren die Bewohner, die vor rund 2200 Jahren an diesem Ort gelebt haben?
Spektakuläre Eisenzeit-Funde in Tschechien: Münzen, Schmuck und Heiligtum
Neben Münzen und Schmuck enthüllten die Ausgrabungen Überreste von Gebäuden, Produktionsanlagen und einem religiösen Heiligtum. Doch es ist nicht nur die Qualität der Funde, die begeistert, sondern auch die schiere Ausdehnung der Stätte: Die Siedlung erstreckt sich über eine Fläche von rund 45 Fußball-Felder, erklärte Archäologe Tomáš Mangel, der an der Untersuchung beteiligt war, gegenüber „Live Science“.
Die Siedlung liegt nahe der Stadt Hradec Králové im Norden der Tschechischen Republik und gehört zur La-Tène-Kultur, einer eisenzeitlichen Zivilisation, die zwischen 450 und 40 v. Chr. große Teile Europas prägte. Laut Mangel liefern die Funde seltene Einblicke in die Organisation einer solchen unbefestigten Gemeinschaft. Die fehlenden Schutzbefestigungen könnten darauf hindeuten, dass hier vor allem einflussreiche Handelsakteure lebten.

Kelten in Böhmen: Waren die Boier die Bewohner der Siedlung?
Historisch betrachtet stellte Böhmen die Heimat keltischer Stämme dar. Die Kelten waren verschiedene Gruppen in Kontinentaleuropa, darunter die Gallier in Frankreich und die Keltiberer in Spanien. Es wird angenommen, dass Böhmen als Heimat des Stammes der Boier galt, doch laut Mangel ist unklar, ob sie tatsächlich an der neu entdeckten Stätte lebten.
Der Name „Böhmen“ stammt möglicherweise vom Wort „Boii“, ebenso wie der antike Begriff „Boiohaemum“, der häufig mit dieser Region assoziiert wird. Doch diese Verbindungen seien laut Mangel eine Fehlinterpretation des 19. und 20. Jahrhunderts. Tatsächlich gibt es keine Inschriften oder Beweise, die eindeutig belegen, welche keltische Gruppe hier ansässig war.
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Bernstein und Keramik: Neue Hinweise auf die Bernsteinstraße
Die Entdeckung der neuartigen Artefakte, darunter glänzender Bernstein und luxuriöse Keramik, deute auf eine florierende Handelsdrehscheibe entlang der legendären Bernsteinstraße hin – einem Netzwerk, über das wertvoller Bernstein aus der Nord- und Ostsee nach Mitteleuropa gelangte, schreiben die Forscher in der offiziellen Mitteilung.
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Besonders spannend: Die Siedlung könnte nicht nur Umschlagplatz gewesen sein, sondern auch ein Zentrum für die Herstellung hochwertiger Keramik. „Die neu entdeckte Stätte ist besonders interessant“, betont Maciej Karwowski von der Universität Wien gegenüber „Live Science“, der Parallelen zu anderen bedeutenden Fundorten sieht. Erste Einblicke in dieses prähistorische Handelszentrum liefert eine Museumsausstellung, die während der Winterferien eröffnet wird und einige der faszinierenden Funde präsentiert, heißt es in der Erklärung.






