Im Fitzwilliam Museum stießen Archäologinnen und Archäologen auf eine erstaunliche Entdeckung: In der Sammlung, die zur Universität Cambridge gehört, fanden unter einem ägyptischen „Seelenhaus“ aus der Zeit zwischen 2055 und 1650 v. Chr. einen fast vollständigen Handabdruck. Dieses Relikt, ursprünglich bei Deir Rifa nördlich von Luxor ausgegraben, wirft einen faszinierenden Blick auf die Kunst und das Handwerk altägyptischer Töpfer.

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Kuratorin Helen Strudwick, die die bevorstehende Ausstellung „Made in Ancient Egypt“ am Fitzwilliam Museum betreut, betrachtet den Fund als außergewöhnlich: „Wir haben Spuren von Fingerabdrücken in feuchtem Lack oder auf einem Sarg in der Dekoration entdeckt, aber es ist selten und aufregend, unter diesem Seelenhaus einen vollständigen Handabdruck zu finden.“

Seelenhäuser im Alten Ägypten: Was genau steckt dahinter?

Die sogenannten Seelenhäuser sind Modellbauten aus Ton, die dazu dienten, die Seelen Verstorbener zu beherbergen oder als symbolische Opfergaben im Jenseits zu dienen, wie Wissenschaftler annehmen. Sie wurden häufig mit Speiseopfern wie Brot, Salat und Fleisch „bestückt“. Der englische Ägyptologe Sir William Matthew Flinders Petrie (1853–1942) prägte den Begriff und ging davon aus, dass diese miniaturhaften Behausungen eine zentrale Rolle bei der Versorgung im Leben nach dem Tod spielten, wie der Blog „Egypt at the Manchester Museum“ berichtet.

Ein Handabdruck auf einem Stück alten Lehm.
Der 4000 Jahre alte Handabdruck ist am unteren Rand der Unterseite des Seelenhauses gerade noch sichtbar.© The Fitzwilliam Museum, University of Cambridge | The Fitzwilliam Museum, University of Cambridge

Töpfer schufen die Seelenhäuser, indem sie einen Rahmen aus Holzstäben bauten und diese mit feuchtem Ton überzogen. Der Rahmen verbrannte dann, als die Töpfer den Ton bei hoher Temperatur brannten, um ihn in Keramik zu verwandeln. So entstanden auch hohle Stellen, die mit Opfergaben befüllt werden konnten.

Faszinierender Zufallsfund: Ein Handabdruck, der die Jahrtausende überdauerte

Die Forscher stießen auf den Handabdruck während der Vorbereitung auf die Ausstellung „Made in Ancient Egypt“ – er hatte sich durch feuchten Ton dauerhaft in der Unterseite des Seelenhauses eingeprägt. Vermutlich stammt er von einer Person, die das Werkstück aus der Werkstatt holte und zum Trocknen bereitstellte. Im Vergleich zu anderen altägyptischen Funden bietet dieser Fund einen seltenen Einblick in das Arbeitsleben der Handwerker vor 4000 Jahren. 

Ein Miniaturhaus aus Ton, das an der Seite offen ist und zwei Stockwerke hat.
Das Seelenhaus verfügte über zwei Stockwerke mit Säulenreihen, eine Treppe zum zweiten Stockwerk und das Dach.© 5599 | 5599

Laut Forschern war der Abdruck auf der Unterseite des Modells das Ergebnis eines ganz gewöhnlichen Arbeitsschritts – und genau das macht den Fund so besonders. Strudwick betont: „Dies führt einen direkt zurück zum Zeitpunkt der Herstellung des Objekts und zu der Person, die es schuf – dem Mittelpunkt unserer Ausstellung.“ Die geplante Ausstellung rückt die Hersteller der historischen Artefakte in den Fokus und beleuchtet deren Leben und Geschichte.

Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert

Die Geheimnisse der Seelenhäuser – wo Interessierte sich die Artefakte bald ansehen können

Trotz umfangreicher Forschungsarbeit bleiben viele Fragen zu Seelenhäusern ungeklärt. Eines jedoch ist sicher: Der jüngste Fund unterstreicht nicht nur die Bedeutung der Modelle für die damalige Bestattungskultur, sondern wirft auch Licht auf das Leben der Menschen, die sie erschufen. 

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Die Entdeckung wird Teil der Ausstellung „Made in Ancient Egypt“ sein, die im Oktober 2025 im Fitzwilliam Museum in Cambridge eröffnet.