Niederländische Journalisten haben nach monatelanger Recherche Nazi-Raubkunst in Argentinien aufgespürt. Bei dem Kunstwerk handelt es sich um das Bild „Ladies portrait (Contessa Colleoni)“ des Malers Giuseppe Vittore Ghislandi. Das Bild hatte sich vor dem Zweiten Weltkrieg im Besitz des jüdischen Kunsthändlers Jacques Goudstikker in Amsterdam befunden. Zusammen mit mehr als 1000 weiteren Werken wurde es dann von den Nazis gestohlen. Später gelangte es unter noch nicht geklärten Umständen in die Hände des Nazi-Funktionärs Friedrich Kadgien, einem Vertrauten des Kriegsverbrechers Hermann Göring.

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Aufgetaucht ist es durch die Arbeit von niederländischen Journalisten der überregionalen Zeitung „Algemeen Dagblad“. Sie hatten das Gemälde in der Lost Art-Datenbank der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste zur Provenienzerforschung in Magdeburg entdeckt und monatelang danach gesucht. Ausgerechnet durch eine Immobilienanzeige wurden sie fündig: Die Tochter des Nazi-Funktionärs Kadgien hatte ihr Haus in Argentinien zum Verkauf angeboten. Auf Bildern ihres Wohnzimmers soll das Gemälde zu erkennen gewesen sein.

Verschwundene Nazi-Raubkunst verschwindet erneut, nachdem Journalisten sie aufgespürt hatten

Ihr Vater Friedrich Kadgien hatte sich – wie andere Nazi-Funktionäre auch – ins Ausland abgesetzt, als sich das Ende des Zweiten Weltkriegs abgezeichnet hatte. Er lebte in der Schweiz, bevor er nach Brasilien ging und dort für eine Firma in Brasilien und Argentinien tätig war. Nach seinem Tod 1978 könnte das Bild dann in den Besitz seiner Tochter übergegangen sein. Kadgien war einer der wichtigsten Finanzfachleute von Adolf Hitler. Die Alliierten fahndeten jahrelang vergeblich nach ihm; sie nannten ihn die „Schlange“.

Die argentinische Polizei ermittelt inzwischen in Zusammenarbeit mit Interpol. Am Dienstag fanden nach Berichten des „Algemeen Dagblad“ Durchsuchungen in dem Wohnhaus von Kadgiens Tochter in der argentinischen Küstenstadt Mar del Plata statt. Doch das Gemälde bleibt verschwunden. Die Beamten fanden dem Zeitungsbericht zufolge lediglich ein Jagdgewehr und einen Revolver auf – ohne entsprechenden Waffenschein.

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Von Nazis gestohlenes Gemälde in Argentinien aufgetaucht – Polizei fahndet international

Laut der argentinischen Nachrichtenagentur La Capital berichteten die Beamten, die das Gebäude durchsuchten, dass die Inneneinrichtung im Vergleich zu den Bildern in der Anzeige verändert worden sei. Dem „Algemeen Dagblad“ zufolge ist die Annonce auf der Immobilienplattform Robles Casas & Campos inzwischen gelöscht. Auch soll die Kadgien-Tochter nach Bekanntwerden des Falls ihren Namen auf Instagram geändert haben.

Das Gemälde steht auf einer internationalen Fahndungsliste für vermisste Kunstwerke. Die Erben von Jacques Goudstikker wollen das Gemälde unbedingt zurückbekommen. „Meine Suche nach den Kunstwerken meines Schwiegervaters Jacques Goudstikker begann Ende der 1990er-Jahre und ich habe bis heute nicht aufgegeben“, sagte Goudstikker-Schwiegertochter Marei von Saher (81) dem „Algemeen Dagblad“. „Es ist das Ziel meiner Familie, jedes aus der Goudstikker-Sammlung gestohlene Kunstwerk zurückzuerhalten und Jacques‘ Erbe wiederherzustellen.“