In Nepals Hauptstadt Kathmandu ist Ende September ein zweieinhalbjähriges Mädchen zur neuen Kumari, der sogenannten „lebenden Göttin“, ernannt worden. Aryatara Shakya folgt damit auf ihre elfjährige Vorgängerin Trishna Shakya, die mit dem Eintritt in die Pubertät ihre Rolle abgeben musste.

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Die Tradition der Kumari reicht Jahrhunderte zurück und verbindet hinduistische und buddhistische Glaubensvorstellungen. Verehrt wird die Kumari als Inkarnation der Göttin Taleju Bhawani. Sie genießt hohes Ansehen – darf jedoch ein normales Leben nicht führen.

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Nepal: „Göttin“ wird nach strengem Ritual ausgewählt

Die künftige Kumari muss aus der Shakya-Kaste der Newar im Kathmandu-Tal stammen und eine Reihe von Kriterien erfüllen, die in religiösen Texten als „32 Zeichen der Vollkommenheit“ beschrieben werden. Dazu gehören makellose Haut, dunkle Augen und ein furchtloses Auftreten. Während der Auswahlrituale müssen die Mädchen etwa beweisen, dass sie keine Angst im Dunkeln haben.

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Nach der Ernennung zieht Aryatara in den Kumari-Palast am Durbar-Platz. Ihre Füße dürfen nach überlieferter Tradition nicht den Boden berühren. Sie verlässt ihr neues Zuhause nur zu religiösen Zeremonien, getragen in einer Sänfte. Besonders beim Indra-Jatra-Fest zieht die Kumari in einer prachtvollen Prozession durch Kathmandu.

Strikte Regeln und begrenzte Freiheit

Die Verehrung als Gottheit bringt der Familie gesellschaftliches Prestige. Gleichzeitig lebt die Kumari in strenger Abgeschiedenheit, darf nur wenige ausgewählte Spielkameraden haben und wird von der Außenwelt weitgehend abgeschottet. Mit dem Ende ihrer Amtszeit kehrt sie abrupt in ein normales Leben zurück – ein Übergang, der vielen schwerfällt.

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Streit um Kinderrechte

Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren, dass die Praxis fundamentale Kinderrechte verletze. Insbesondere die Isolation und der fehlende Zugang zu Bildung standen lange in der Kritik. Erst seit einem Urteil des Obersten Gerichtshofs 2008 ist verpflichtend, dass die Kumari Privatunterricht im Palast erhält.

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Auch wenn der Staat den ehemaligen Kumaris inzwischen eine kleine Rente zahlt, bleibt die Tradition umstritten. Befürworter betonen den kulturellen und religiösen Wert, Kritiker sehen vor allem die Belastungen für die Kinder.

ef