Seit über 80 Jahren gehören Antibiotika zu den wichtigsten Waffen gegen bakterielle Infektionen. Doch immer mehr dieser Medikamente verlieren ihre Wirkung. Für Ärzte bedeutet das ein wachsendes Risiko, für Patienten eine potenziell lebensbedrohliche Situation.

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Bakterien, die gegen Antibiotika immun geworden sind, nennt man resistente Keime. Besonders gefährlich sind sogenannte Krankenhauskeime, die Harnwegs-, Blutbahn- oder Magen-Darm-Infektionen auslösen können. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben 2021 weltweit rund 7,7 Millionen Menschen an bakteriellen Infektionen. Mindestens 1,1 Millionen dieser Todesfälle waren direkt auf Antibiotikaresistenzen zurückzuführen.

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Auch in Deutschland ist die Lage ernst: Forscher des Robert Koch-Instituts und der University of Washington schätzen, dass 2019 etwa 45.700 Menschen im Zusammenhang mit resistenten Infektionen starben. Davon seien rund 9.600 Todesfälle unmittelbar auf die Resistenzen zurückzuführen. Patientenschützer gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Ältere Menschen besonders gefährdet

Eine aktuelle Studie der London School of Hygiene & Tropical Medicine wirft einen Blick in die Zukunft: Die Forscher untersuchten zwölf Millionen Blutproben aus 29 Ländern und projizierten die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen bis 2050. Das Ergebnis: Vor allem ältere Menschen über 74 Jahre sind gefährdet, Männer stärker als Frauen.

„Alter und Geschlecht werden bei Prognosen zur Antibiotikaresistenz oft vernachlässigt, obwohl sie entscheidend sind“, erklärt Studienautorin Gwenan Knight. Zusammen mit dem demografischen Wandel zeigt die Studie, dass Blutbahninfektionen in ganz Europa weiter zunehmen werden.

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Die gesundheitliche Belastung wird dabei nicht gleichmäßig verteilt sein: In Südostasien und im östlichen Mittelmeerraum ist bereits jede dritte gemeldete Infektion resistent. In Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen sind die Raten besonders hoch.

Wenn Standardmedikamente nicht mehr helfen

Die WHO berichtet, dass mehr als 40 Prozent der Escherichia coli- und 55 Prozent der Klebsiella pneumoniae-Stämme nicht mehr auf Standardantibiotika reagieren. In einigen afrikanischen Ländern liegt der Anteil sogar über 70 Prozent. Diese Keime können Sepsis und Organversagen auslösen. Andere Antibiotika wirken zwar noch, sind aber oft teurer und in ärmeren Staaten kaum verfügbar.

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Gefahr im Operationssaal

Besonders kritisch: Viele moderne Eingriffe – etwa Organ- oder Knochenmarktransplantationen – funktionieren nur, weil Antibiotika die Patienten prophylaktisch schützen. Prognosen gehen davon aus, dass weltweit bis 2050 fast zehn Millionen Menschen pro Jahr an resistenten Keimen sterben könnten.