Wie bringt man Kindern und Jugendlichen bei, wann das Verhalten vom Trainer, Lehrer oder einer anderen „Respektspersonen“ eine Grenze überschreitet? Denn häufig manipulieren und isolieren Missbrauchstäter ihre Opfer schon lange vor dem eigentlichen Übergriff. Aus diesem Grund haben Wissenschaftler nun ein digitales Spiel entwickelt, in dem junge Menschen solche Strategien von Tätern kennenlernen – und zwar in der Rolle des Täters.

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Forscher von der Technischen Hochschule Köln und dem Universitätsklinikum Ulm haben am Montag „Uuugh – Falsches Spiel“ vorgestellt. Mittlerweile können es Jugendliche und junge Erwachsene ab 12 Jahren im App-Store von Google und Apple kostenfrei herunterladen. Im Unterschied zu einem Videospiel soll ein sogenanntes „Serious Game“ vorrangig Lerninhalte vermitteln: in diesem Fall die Vorbeugung sexualisierter Gewalt.

Trotzdem präsentiert sich „Uuugh“ in einer Zeichentrick-Aufmachung und mit tierartigen Fabelwesen. Schauplatz des Spiels ist ein Sportverein, in dem der Spieler in die Rolle eines Wolfs schlüpft, der als Trainer zunehmend Grenzen überschreitet. Dabei versteckt sich der Wolf nicht unter dem sprichwörtlichen Schafspelz, sondern hinter einer freundlichen Hasenmaske.

Spiel soll junge Menschen für Manipulation von Tätern sensibilisieren

„Wir haben uns bei der Gestaltung der Charaktere bewusst für eine Ästhetik im Sinne einer Fabelwelt mit Monstern und Tieren entschieden“, zitiert eine Pressemitteilung Prof. Dr. Greta Hoffmann, die die Entwicklung des Spiels am Cologne Game Lab (CGL) an der TH Köln geleitet hat. „So vermeiden wir Genderstereotype, lenken den Fokus auf Machtungleichgewichte sowie manipulative Beziehungsgestaltung und schaffen zugleich eine spielerische Distanzierung.“

In „Uuugh - Falsches Spiel“ schlüpfen die Spieler in die Rolle eines Trainers in einem Sportverein.
In „Uuugh - Falsches Spiel“ schlüpfen die Spieler in die Rolle eines Trainers in einem Sportverein. © Screenshot / Technische Hochschule Köln

Ziel des Spiel sei es, „Vereinsmitglieder mithilfe manipulativer Strategien und Interaktionen von ihrer Gruppe zu isolieren und in ein Abhängigkeitsverhältnis zu bringen.“ Zum eigentlichen Missbrauch kommt es dabei zu keinem Zeitpunkt, dem Spiel geht es um die Vorgeschichte des Übergriffs. Die Spieler sollen lernen, solche ersten Anzeichen schon früh zu erkennen.

„Wir vermitteln mit unserem Serious Game kein Täter*innenwissen, sondern machen Strategien sichtbar. So sollen Fragen beantwortet werden wie: ,Wie gehen Täter*innen vor?‘, ,Woran kann ich ihre Strategien erkennen?‘ und ,Was kann ich tun, um mich und andere zu schützen?‘“, so Greta Hoffmann.

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Wächtereule gibt Kindern und Jugendlichen wichtige Tipps

Der Spieler hat als Wolf das Spiel gewonnen, wenn er es schafft, die Gruppenmitglieder zu isolieren. Wird er vor seinem Ziel enttarnt, heißt es Game Over. Begleitet wird das Spielerlebnis durch Hinweiskarten, die Strategien von Tätern erläutern und das Geschehen einordnen. Auch soll immer wieder eine Wächtereule auftreten, die Tipps gibt, worauf man im Alltag achten sollte, um sexualisierter Gewalt vorzubeugen. Zum Beispiel rät die Eule auf einer Hinweiskarte, dass es in Situationen, die sich falsch anfühlen, okay sei zu lügen.

Wer trotzdem ein schlechtes Gefühl beim Spielen bekommt, habe jederzeit die Möglichkeit, das Serious Game über einen Klick auf ein Notausgangsschild zu pausieren oder zu verlassen. Dann würden Spielern auch die Kontaktdaten des Hilfetelefons für sexuellen Missbrauch angezeigt werden.

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Missbrauch weit verbreitet in Sportvereinen

„Sexualisierte Gewalt findet in Institutionen wie Schulen und auch im Ehrenamt oder in Vereinen statt. So ergab eine Befragung von rund 2.000 Sportler*innen, dass 26 Prozent ohne Körperkontakt und 19 Prozent mit Körperkontakt sexualisierte Gewalt in Sportvereinen erlebt haben“, sagt der Leiter des Projekts, Professor Dr. Jörg M. Fegert. Er ist am Universitätsklinikum Ulm der ärztliche Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.

„Angesichts des hohen Stellenwerts ehrenamtlicher Tätigkeit in Deutschland zeigt sich ein entsprechender Bedarf an Präventionsmaßnahmen, um Kinder und Jugendliche zu schützen“, erklärt Fegert weiter. Entstanden sei das Spiel im Rahmen des Projekts „Schutzkonzepte in der ehrenamtlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“, das auch vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Frauen, Senioren und Jugend gefördert wurde.

Hilfe für von sexualisierter Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche finden Sie beim Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch. Die Hotline kann anonym und kostenfrei unter der Telefonnummer 0800 22 55 530 erreicht werden. Andere Hilfeangebote finden Sie auf der Webseite der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM).