Noch in der vergangenen Woche brachte das Sturmtief „Adel“ heftige Windböen, Starkregen und Hagel über die griechische Hauptstadt Athen. Zahlreiche Straßen standen unter Wasser. Gleichzeitig spitzt sich in der Metropole jedoch eine Wasserkrise zu: Die Füllstände der Stauseen, die Athen und die Region Attika mit ihren mehr als vier Millionen Einwohnern mit Trinkwasser versorgen, sinken seit vier Jahren. Allein in den vergangenen 40 Tagen gingen die Vorräte um 32,2 Millionen Kubikmeter zurück. Am Wochenende erklärte deshalb die Regulierungsbehörde RAAEY für Attika den Notstand. Auch auf den Ägäisinseln Leros und Patmos ist die Situation kritisch.

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Der Notstand bedeutet nicht, dass die Trinkwasserversorgung unmittelbar zusammenzubrechen droht. Er soll vielmehr ermöglichen, rasch und unbürokratisch Gegenmaßnahmen einzuleiten. So können Aufträge ohne Ausschreibungen vergeben und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden.

Griechenland: Die Wasservorräte schrumpfen

Dass die Zeit drängt, zeigt eine Studie der Technischen Universität Athen: Zwischen 2008 und 2021 lagen die Wasserstände der Reservoirs stabil bei rund 1,1 Milliarden Kubikmetern. Seit 2022 jedoch fallen die Pegel kontinuierlich. Am Sonntag betrugen die Vorräte nur noch 367,4 Millionen Kubikmeter. Wissenschaftler führen den Rückgang auf den Klimawandel zurück. Die jährlichen Niederschlagsmengen sind um ein Viertel gesunken, während die steigenden Temperaturen zu einer um 15 Prozent höheren Verdunstung aus den Stauseen geführt haben. Zudem ist der Wasserverbrauch um sechs Prozent gestiegen – ebenfalls eine Folge der Hitze.

Die Konsequenz: Die Vorräte in den vier Talsperren, die Attika versorgen, schrumpfen weiter. Der größte Stausee, Mornos, fasst bis zu 747,6 Millionen Kubikmeter Wasser, enthält aber derzeit nur noch rund 165 Millionen. Die Reservoirs Evinos, Yliki und Marathon sind ebenfalls nur noch zu etwa einem Drittel gefüllt. Experten der staatlichen Wasserwerke EYDAP warnen: Selbst wenn sich die Niederschläge in den Einzugsgebieten der Talsperren im Vergleich zu den vergangenen vier Jahren verdreifachen würden, bräuchte es sechs Jahre, um wieder den Füllstand von 2021 zu erreichen.

Schrumpfende Wasservorräte: Der Stausee, Mornos, fasst bis zu 747,6 Millionen Kubikmeter Wasser, enthält aktuell jedoch nur noch rund 165 Millionen.
Schrumpfende Wasservorräte: Der Stausee, Mornos, fasst bis zu 747,6 Millionen Kubikmeter Wasser, enthält aktuell jedoch nur noch rund 165 Millionen.© AFP | Angelos Tzortzinis

Wasserversorgung: Diese Maßnahmen sind geplant

„Wir können schwierige Entscheidungen nicht länger aufschieben“, sagte Umwelt- und Energieminister Stavros Papastavrou im TV-Sender „Skai“. Die Regierung will in den nächsten zehn Jahren 2,5 Milliarden Euro in die Wasserinfrastruktur investieren. Als Sofortmaßnahmen planen die Wasserwerke nun zusätzliche Bohrungen in Attika und Mittelgriechenland. Damit will man Grundwasserreservoirs in größeren Tiefen anzapfen.

Gleichzeitig soll eine Informationskampagne die Bevölkerung zu einem sparsameren Umgang mit Leitungswasser bewegen. Davon erhofft man sich einen Rückgang des Verbrauchs um etwa fünf Prozent. Darüber hinaus ist beim Ort Thisvi am Golf von Korinth der Bau einer Meerwasserentsalzungsanlage geplant. Das ambitionierteste Vorhaben ist jedoch der Bau eines mehrere Hundert Kilometer langen Tunnel- und Kanalsystems, das Wasser aus dem größten griechischen Stausee Kremasta nach Attika transportieren soll. Damit, so Fachleute, wäre die Wasserversorgung Athens für die nächsten 50 Jahre gesichert.