Bolivien besitzt eine der umfangreichsten und vielfältigsten Sammlungen von Dinosaurierspuren weltweit, die zeitlich von der Trias über den Jura bis in die Kreidezeit reichen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Fundstätte in der Carreras Pampa im Torotoro Nationalpark zu. Wie Wissenschaftler in einer aktuellen Studie berichten, konnten dort Tausende von Dinosaurierabdrücken gesichert und eindeutig identifiziert werden.

Dinosaurierspuren: Größter Fund seiner Art mit Tausenden Abdrücken

Im Rahmen der Analyse der Fundstätte mit einer Fläche von 7485 Quadratmetern identifizierten die Forscher mehr als 16.000 Spuren von Theropoden, wie in der Studie berichtet wird. Neben den Fußabdrücken hinterließen die fleischfressenden Dinosaurier auf dem Areal auch Schleifspuren ihrer Schwänze. Die große Bandbreite der Spurengrößen ließen darauf schließen, dass in der Carreras Pampa eine äußerst diverse Dinosauriergemeinschaft existierte.

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Insgesamt wurden im Rahmen der Untersuchung 1275 Spuren detailliert erfasst und analysiert. Diese umfangreiche Datengrundlage liefert wichtige Erkenntnisse zum Verhalten und zur Morphologie der Dinosaurier. Auf dieser Basis konnten die Forscher ein umfassendes Bild der Größenverteilung und der Verhaltensmuster rekonstruieren und erstmals eine differenzierte Charakterisierung der damaligen Populationen an dieser außergewöhnlichen Fundstelle vornehmen.

Forscher können Spurenwege der Dinosaurier rekonstruieren

Dem Forscherteam um den Paläontologen und Mitautor der Studie Jeremy McLarty gelang es durch die detaillierte Analyse der Spuren, die Bewegungswege einzelner Dinosaurier zu rekonstruieren. Während bei klassischen Fossilfunden in der Regel lediglich einzelne Abdrücke überliefert sind, konnten hier erstmals eindeutige Hinweise auf ausgeprägte Richtungsänderungen nachgewiesen werden. So zeigten drei Spurfolgen Drehungen von mehr als 45 Grad, eine weitere eine Richtungsänderung von 44 Grad. Die erhaltenen Spuren variierten zudem deutlich in ihrer Größe und reichten von sehr kleinen bis zu mittelgroßen Abdrücken.

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Die detailreiche Auswertung offenbarte darüber hinaus Spurfolgen, die auf kurze Ruhephasen der Tiere hindeuten, bei denen beide Beine zeitgleich nebeneinander platziert wurden, bevor die Bewegung fortgesetzt wurde. Eine weitere Spur legt nahe, dass ein Theropode eine Verletzung aufwies und hinkend voranschritt. Anhand anderer Spuren konnten zudem gezielte Richtungswechsel rekonstruiert werden, vermutlich um Hindernissen auszuweichen. In der Kombination von Fußabdrücken und zugehörigen Schwanzspuren gehen die Autoren der Studie von einer Hockhaltung der Tiere aus.

Form der Schwimmspuren liefern neue Erkenntnisse

Bei der Untersuchung der Schwimmspuren konnten die Wissenschaftler unterschiedliche charakteristische Merkmale identifizieren. Die im Sediment erhaltenen Rillen verliefen entweder geradlinig oder kommaförmig. Daraus schließen die Forscher, nach Angaben von McLarty, dass die Hauptrille beim Abstreifen von Sediment durch die mittlere Zehe der Dinosaurier entstand, während die kleineren Nebenrillen den übrigen Zehen zuzuordnen sind.

Morphotypen, Erhaltung und Taphonomie von Dinosaurierfußabdrücken, Schwanzspuren und Schwimmspuren an der größten Fährtenfundstätte der Welt: Carreras Pampa (Oberkreide), Torotoro-Nationalpark, Bolivien
Dinosaurierfußabdrücke, Schwanzspuren und Schwimmspuren an der größten Fährtenfundstätte der Welt: Carreras Pampa (Oberkreide), Torotoro-Nationalpark, Bolivien© PLOS | PLOS

Ein weiteres zentrales Indiz liefern die abwechselnd angeordneten Schwimmabdrücke. Dieses Muster erlaubt die Schlussfolgerung, dass sich die Theropoden aktiv im Wasser fortbewegten und nicht lediglich passiv trieben. Insgesamt ergibt sich ein außergewöhnlich detailliertes und sehr komplexes Spurenbild, das das Bewegungs- und Verhaltensrepertoire der Dinosaurier in bemerkenswerter Weise widerspiegelt.