Polen stoppt die Pelztierzucht. Millionen von Nerzen, Füchsen, Marderhunden und Chinchillas müssen in Zukunft nicht mehr in Pelztierfarmen leiden, bevor ihnen das Fell über den Kopf gezogen wird. Zwar räumt das Gesetz, das Polens Präsident Karol Nawrocki vor einigen Tagen unterzeichnet hat, den Züchtern eine achtjährige Übergangsfrist bis Ende 2033 ein, doch das Aus für die gesamte Branche steht nun fest.

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Für tausende Tierschützer ist dies ein großer Erfolg, auch wenn es einen Wermutstropfen gibt: Kaninchen sind ausdrücklich von dieser Regelung ausgenommen. Dennoch verkündete der Tierschutzverein Otwarte Klatki (Offene Käfige), der seit Jahren für ein Verbot der Pelztierzucht kämpft, das „Ende des Albtraums für die Tiere”. Auf dem Social Media-Portal „X“ kommentierte Marta Korzeniak vom ‚Offene Käfige‘-Verein: „Dies ist definitiv ein Durchbruch und ein historischer Moment, auf den die Gesellschaft sehr lange gewartet hat. Wir freuen uns sehr, dass Präsident Nawrocki auf die Stimme der Polinnen und Polen gehört und dieses Gesetz unterzeichnet hat“.
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Die Tierschutz-Stiftung Mushika, die sich dafür einsetzt, die Lebenssituation von „Nutztieren“ in der Massentierhaltung zu verbessern, feiert das Gesetz ebenfalls als „Durchbruch“, macht aber auf die Kaninchen aufmerksam, die der Gesetzgeber ausdrücklich vom Schutz ausgenommen hat. Auf ihrer Website schreiben Katarzyna Wypychewicz und Olga Kazalska, die beiden Chefinnen der Stiftung: „Kaninchen leiden unter den industriellen Zuchtbedingungen genauso wie Nerze, Füchse oder Chinchillas“. Doch ihre Situation sei komplexer. „In Polen werden Kaninchen hauptsächlich für die Fleischproduktion und den Export gezüchtet, nur ein kleiner Teil für die Pelzgewinnung.
Schätzungen zufolge leben in solchen Betrieben jährlich etwa zwei Millionen Kaninchen.“ Die Stiftung will in den nächsten acht Jahren des Ausstieg aus der Pelztierzucht in Polen kritisch begleiten, auf eventuelle Gesetzeslücken aufmerksam machen und versuchen, die Kaninchen doch noch auf die Pelztier-Verbotsliste zu bekommen.
Ende der Pelztierzucht in Polen: Entscheidung dauerte 14 Jahre
Spürbar geht auch durch Polens Zivilgesellschaft ein großes Aufatmen. Zwei Drittel aller Polen und Polinnen sprechen sich seit Jahren für ein Ende dieser Massen-Tierquälerei in engen Metallkäfigen aus. Anders als noch in den 1990er Jahren sieht man auf den Straßen Polens kaum noch elegante Damen mit einem echten Pelzmantel.
Im Sejm, dem polnischen Abgeordnetenhaus, hatten schon im Oktober dieses Jahres 339 von insgesamt 460 Parlamentarier für das Gesetz gestimmt. Parteigrenzen spielten keine Rolle. Angesichts dieser Einigkeit stellt sich die Frage, warum es 14 lange Jahre gedauert hat, dieses Gesetz zu verabschieden. Insgesamt, so fand das Nachrichtenmagazin Polityka heraus, scheiterte der Sejm seit 2011 sechsmal mit einer Gesetzesinitiative.
Jedes Mal setzte sich die mächtige Pelztierzüchter-Lobby durch. Sie hatte die Zahlen auf ihrer Seite: Seit vielen Jahren gehört Polen neben China, den skandinavischen Ländern, Russland und den USA zu den weltgrößten Pelz-Exporteuren. Noch 2015 gab es in Polen über 800 Pelztierfarmen, während es heute nach Angaben von Tierschutzverbänden und des polnischen Hauptveterinärsamtes gerade mal noch 200 bis 300 Farmen sind.
Aber die Umsätze und Gewinne der Branche gehen stark zurück und damit auch die Steuereinnahmen des Staates. So gibt die Tierschutzorganisation „Offene Käfige“ an, dass der Wert des Exports von Nerz-Pelzen von umgerechnet 400 Millionen Euro in den Jahren 2014 bis 2015 auf knapp 70 Millionen Euro heute gesunken ist.
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Zudem hat sich Szczepan Wójcik, der wichtigste polnische Pelzzüchter und Lobbyist, aus dem Markt zurückgezogen, nachdem im letzten Jahr bekannt wurde, dass er vom Pelzgeschäft seines Bruders in Russland stark profitierte. Außerdem, so berichten Polens Medien, scheint er vom polnischen Staat Fördergelder in Millionenhöhe für seine Stiftung und seine Medien erhalten zu haben, über die er disponieren wollte, ohne sich an die Förderrichtlichtlinien zu halten.
Dass der nationalpopulistische Präsident Nawrocki das Gesetz unterschrieb, erstaunte viele in Polen. Hatte der Historiker, Ex-Fußballhooligan und Amateurboxer doch während seines Wahlkampfes mehrfach versichert, keine Tierschutzgesetze unterschreiben zu wollen. Das war eine der Bedingungen der nationalistischen Partei Konfederacja für ihre Unterstützung Nawrockis bei der Präsidentschaftswahl. Tatsächlich legte der Präsident noch am selben Tag sein Veto gegen ein zweites Tierschutzgesetz ein.
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Mit dem „Kettengesetz“ wollte der Gesetzheber das Anbinden von Hunden in Hof und Garten verbieten, was auf dem Land in Ostpolen nach wie vor üblich ist. Dort aber leben viele Wähler Nawrockis, die das An-die-Kette-Legen von Wachhunden für völlig normal halten und die oft kein Verständnis für Tierschutz haben. Anders ist das bei der Pelztier-Haltung in kleinen Käfigen, die von Städtern wie auch der Landbevölkerung gleichermaßen abgelehnt wird. Nawrocki will den Abgeordneten nun sein eigenes „Kettengesetz“ zur Abstimmung vorlegen.











