Mithilfe einer genetischen Analyse der DNA eines menschlichen Skeletts aus einer Felshöhle in Kolumbien, ist es Wissenschaftlern gelungen, den bislang ältesten Nachweis einer bekannten Geschlechtskrankheit zu erbringen. Die Befunde liefern überzeugende Hinweise darauf, dass die Syphilis ihren Ursprung auf dem amerikanischen Kontinent hat und dort mindestens 3000 Jahr länger existierte als bisher in der Forschung angenommen wurde.

Uralte Form einer Geschlechtskrankheit entdeckt

Die im 15. Jahrhundert plötzlich auftretenden Syphilisepidemien führten lange Zeit zu der Annahme, dass die Erkrankung entweder erst im Zuge der Entdeckungsfahrten nach Amerika gelangte oder umgekehrt von europäischen Seefahrern nach Europa eingeschleppt wurde. Inzwischen haben archäologische und molekularbiologische Befunde diese Deutungen relativiert und legen nahe, dass Erreger wesentlich früher existierte.

Das Bakterium Treponema pallidum, das Syphilis sowie mehrere chronische Hauterkrankungen auslöst, wurde unter anderem bei Überresten einer Person identifiziert, die um das Jahr 1000 n. Chr. in Chile lebte. Auch bei mehreren Skeletten aus Brasilien, die auf den Zeitraum zwischen 350 v. Chr. und 570 n. Chr. datiert werden, konnte der Erreger nachgewiesen werden.

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Eine aktuelle Studie erweitert diese Befunde nun deutlich. Den Wissenschaftlern gelang es, in einem etwa 5500 Jahre alten Skelett aus einer Berghöhle in Kolumbien das Genom von Treponema pallidum nachzuweisen. Für Davide Bozzi, Hauptautor der Studie und Computational Biologist an der Universität Lausanne, stellt dieser Fund einen klaren Beleg dafür dar, dass die zeitliche Einordnung des Auftretens dieser Krankheitserreger um mehrere Jahrtausende nach hinten korrigiert werden muss.

Überraschende Erkenntnisse zum Bakterium

Bei der detaillierten Analyse des Skelettmaterials stießen die Forscher auf einen unerwarteten Befund. Die für Treponema-Infektionen sonst charakteristischen und deutlich sichtbaren Knochenveränderungen fehlten vollständig. Üblicherweise weisen betroffene Skelette Löcher auf, die an von Motten zerfressene Strukturen erinnern. Solche Veränderungen ließen sich bei diesem Fund jedoch nicht nachweisen.

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Darüber hinaus zeigte die genetische Untersuchung, dass das identifizierte Treponema-pallidum-Genom einer bislang unbekannten Abstammungslinie angehört. Diese Linie, die von den Wissenschaftlern als TE1-3 bezeichnet wird, soll sich vor etwa 13.700 Jahren von den heute bekannten Linien abgespalten haben. Auf dieser Grundlage lässt sich das Auftreten des Bakteriums zeitlich noch weiter zurückverfolgen als es der archäologische Befund allein nahelegt. Offen bleibt jedoch, ob frühe Treponema-Linien wie TE1-3 bereits sexuell übertragbar waren oder sich in ihrer Übertragungsweise von der heutigen Syphilis unterschieden.

Molly Zuckerman und Lydia Bailey, Anthropologinnen an der Mississippi State University, greifen diese Ergebnisse in einem begleitenden Beitrag in der Fachzeitschrift Science auf. Sie vertreten die These, dass die Syphilis im 15. Jahrhundert als erste global verbreitete neu auftretende Infektionskrankheit gelten könne und gewissermaßen einen historischen Vorläufer späterer globaler Epidemien von HIV und AIDS bis hin zu Covid-19 darstelle.