Nach zehn Tagen im All und einer Rekord-Entfernung von 406.771 Kilometern zur Erde ist die Orion-Kapsel „Integrity“ im Pazifik vor der Küste der Stadt San Diego gewassert. Während die vierköpfige Crew um Kommandant Reid Wiseman mit spektakulären Aufnahmen der Mondrückseite die Faszination der Apollo-Ära wiederbelebte, ist die Frage, ob tatsächlich 2028 wieder Menschen auf dem Mond landen, weiter offen.

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Zwischen wissenschaftlichem Fortschritt und dem massiven politischen Druck, nach über 50 Jahren wieder den Mond ins Visier zu nehmen, dürfte die Mission als Erfolg gelten. Doch was hat die Menschheit daraus gelernt? Hier sind fünf wichtige Erkenntnisse des Artemis-2-Fluges:
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Erkenntnis Nr. 1: Alle Systeme funktionieren normal – auch der Hitzeschild
Die Mission Artemis 2 wird als Testflug verkauft. Daher auch der offizielle Name „Artemis II Crewed Flight Test“. Es sollte vor allem geprüft werden, ob alle Systeme dahingehend funktionieren, Menschen im All auf Kurs und am Leben zu halten. Die Crew hatte laut Nasa keine kritischen Momente zu vermelden, bei denen Technik ausfiel oder es einem Astronauten nicht gut ging. Der Zwischenfall mit dem größten medialen Echo war die kaputte Toilette gleich nach dem Start. Darüber hinaus funktionieren die Systeme normal. Triebwerke zündeten, Kurskorrekturen liefen problemlos ab und die manuelle Steuerung zeigte keine Lücken.
Die kritischsten Punkte standen am Anfang und Ende der Reise: Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre entsteht wegen der enormen Geschwindigkeit von 40.000 Kilometern pro Stunde eine so hohe Kompressionshitze, dass sich die Hülle auf Tausende Grad aufheizt. Bei Artemis 1 waren es etwa 2.700 Grad. Dabei war der Hitzeschild aus Titan und Kohlefasern so sehr beansprucht, dass er sich nicht wie von der Nasa vorhergesagt verhielt – aber er hielt. Daher hat man an der Kapsel auch nichts Wesentliches mehr verändert.

Erkenntnis Nr. 2: Die vier Astronauten sind hervorragende Fotografen
Weil mit Artemis 2 der Mond nur umrundet wurde – eine Landung ist für 2028 geplant – war für die Crew viel Zeit für Beobachtungen einberechnet. Dafür hatten die Astronauten allerlei Equipment mit an Bord. Vor ihrem Flug übten sie im Johnson-Space-Center in Houston das Fotografieren, um die wesentlichen Momente der Mission festhalten zu können und die Oberfläche mit ihren staubigen Einschlagskratern genauestens abzubilden.
Die spektakulärsten Bilder entstanden auf der erdabgewandten Seite. In den 40 Minuten im Schatten des Mondes, in denen auch kein Funkkontakt herrschte, konnte die Besatzung die zerklüftete Oberfläche des Erdtrabanten genauestens kartografieren und die Bilder anschließend direkt nach Hause senden.
Dabei entstand ein Bild, das an eine ikonische Aufnahme aus dem Jahr 1968 erinnert. Damals schoss der Apollo-Astronaut Bill Anders genau in dem Moment ein Foto, als die Erde hinter dem Mond aufging. Der „Earthrise“ ging um die Welt und erzeugte ein neues Bewusstsein für unseren blauen Planeten, der ein einzigartiges Habitat in den unendlichen Weiten des Weltraumes darstellt. Auch die neuen Bilder der Artemis-2-Mission haben das Potenzial, noch in Jahrzehnten den Menschen die Faszination Weltraum näherzubringen.

Erkenntnis Nr. 3: Ohne Deutschland gäbe es diese Mission nicht
Dass das Orion-Raumschiff überhaupt Menschen zum Mond bringen kann, wäre ohne die Arbeit der Europäischen Weltraumorganisation und Deutschland – dem größten Geldgeber – schlicht unmöglich. Am Airbus-Standort Bremen wurde das European Service Modul (ESM) gefertigt. Es sitzt direkt unter der Astronautenkapsel und verfügt über die Lebenserhaltungssysteme und den Antrieb. Wasser, Atemluft, Strom und Wärme gäbe es ohne das ESM nicht.
Und kein Raumschiff würde sich ohne ein hochpräzises Navigationsgerät im All zurechtfinden. Orion nutzt dafür Sternsensoren der Firma Jena-Optronik. Die Sensoren nutzen einen internen Sternkatalog, erkennen damit die Sternbilder und können direkt die Richtungssignale an das Raumschiff ausgeben. Auch dieses Bauteil gehört zum European Service Module. Im tiefen Schwarz des Universums navigieren die Raumfahrer wie einst Seeleute auf den Weltmeeren.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil aus Deutschland, auf den sich die Nasa verlassen kann, ist die Forschung zur Weltraumstrahlung. Denn im Raumschiff sind die Astronauten zwar sicher vor dem tödlichen Vakuum des Weltraums, die winzigen Partikel, die die Sonne und andere ferne Sterne aussenden, kann es aber nicht ganz abhalten. In zu hohen Dosen wird die Strahlung für Menschen sehr gefährlich und daher werden in nie dagewesener Genauigkeit an verschiedenen Stellen im Schiff die Strahlungswerte gemessen. Die Geräte dafür kommen aus dem Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln.
Interview mit Raumfahrtministerin:
Erkenntnis Nr. 4: Sogar im All kann es mit Donald Trump peinlich werden
Nahezu jeder historische Flug ins All hat diesen Moment, an dem sich der Präsident des ausführenden Landes bei der Besatzung meldet und ihnen viel Erfolg und eine gute Reise wünscht. Und so rief auch der US-Präsident Donald Trump die vier Astronauten an. Eine ganze Minute lang sprachen weder Trump noch die vier Astronauten. Der Moment der „peinlichen“ Stille, wie Social-Media-Nutzer ihn beschreiben, ging viral.
Trump stellte den vier Astronauten vorher mehrere Fragen, unter anderem, was das Spannendste an ihrer bisherigen Reise war. Wiseman, der Kommandant der Mission, beschrieb die Rückseite des Mondes, die noch kein Mensch zuvor erblickt hatte. Auf die Frage, wie es sei, 40 Minuten lang die Verbindung zur Menschheit zu verlieren, sagte Glover: „Es war eigentlich ziemlich schön.“
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Erkenntnis Nr. 5: Die Nasa schafft es, Menschen zum Mond zu fliegen
Schlussendlich zeigt die Reise vor allem eines: Die Nasa kann wieder Menschen zum Mond fliegen und sicher zur Erde zurückbringen. So banal diese Erkenntnis scheint, so groß ist der Stein, der den Verantwortlichen jetzt vom Herzen fallen dürfte. Nach über 50 Jahren Mond-Abstinenz steht die amerikanische Raumfahrtbehörde unter enormem Druck aus dem Weißen Haus. Im Wettlauf mit China will Präsident Donald Trump unbedingt wieder einen Amerikaner dort oben stehen sehen. Das bedeutet für die Nasa auch, dass sie Risiken eingehen muss, die unter einer anderen politischen Führung eventuell länger abgewogen worden wären.
Doch ein zentrales Problem bleibt: Es fehlt nach wie vor eine Landefähre. Die Nasa kann zwar zum Mond fliegen, hat aber bisher kein funktionierendes System, um dort zu landen. Gerade arbeiten Elon Musks SpaceX und Jeff Bezos Unternehmen Blue Origin an einer Landefähre. Dass die Entwicklung einer so wichtigen Komponente aus staatlicher Hand an ein privates Unternehmen abgegeben wird, ist ein Novum. Die Fähre müsste dann erst noch in einem weiteren Flug getestet werden, bevor mit Artemis 4 wieder Astronauten zum Mondspaziergang aufbrechen könnten. Und dann könnte auch ein deutscher Astronaut seine Spuren im Mondstaub hinterlassen. Denn der Europäischen Weltraumorganisation ESA sind mehrere Plätze im Orion-Schiff bei den geplanten Flügen Artemis 4 und 5 in 2028 zugesagt.
Artemis-Missionen: Nächstes Ziel ist der Mars
Der Mond ist ein wichtiges Missionsziel und liefert neue Kenntnisse über die Entstehung der Erde. Doch das ultimative Ziel für die Nasa und eigentlich die gesamte Menschheit ist der Mars. Der erdähnliche Planet ist der vierte im Sonnensystem und ist durchschnittlich 225 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Der Weg zum Mond gleicht mit seinen 400.000 Kilometern einem Katzensprung. Eine Reise dort hin würde Monate dauern. Weil eine Mission zum Mars viel komplizierter ist, ist es umso wichtiger, den Mondflug perfekt durchzuführen. Erst so können die Raumfahrer sicher sein, die lange Reise zum Mars sicher zu überstehen.






