16 Stunden hat er eigenen Angaben zufolge neben dem vor Niendorf gestrandeten Buckelwal im Wasser verbracht. Er hat mit ihm gesprochen, hat ihm die Hände aufgelegt und die Einsatzkräfte dirigiert. Robert Marc Lehmann hat getan, was er konnte, sagt er. Dann sei er ausgeschlossen worden von weiteren Aktionen.

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Meeresbiologe, Forschungstaucher, Abenteurer, professioneller Kameramann, Fotograf, Vortrags- und Motivationsredner, Umweltaktivist – diese und andere Bezeichnungen gibt sich Lehmann auf seiner Webseite. Sein derzeit stillgelegter Instagram-Account zählt 789.000 Follower, beim Videokanal Youtube hat er mehr als eine Million. Wegen seiner Rolle bei der Rettungsaktion in der Ostsee ist er von einigen Medien „Wal-Flüsterer“ genannt worden. Doch wer ist der Mann, dem im Zusammenhang mit seinem Einsatz in der Ostsee jetzt schwere Vorwürfe gemacht werden? Dem der Bürgermeister vom Timmendorfer Strand fehlende Expertise und einen Hang zur Selbstdarstellung unterstellt hat?

Wal an der Ostseeküste gestrandet
In der Kritik: Robert Marc Lehmann wird Selbstdarstellung vorgeworfen.© Daniel Bockwoldt/dpa | Daniel Bockwoldt

Tausendsassa Lehmann: 2700 Tauchprojekte in 121 Ländern

Lehmann, im Februar 1983 in Jena geboren, widmet sich eigenen Angaben zufolge früh der Tierwelt. Er spezialisiert sich auf marine Ökosysteme und bedrohte Arten. Laut Wikipedia studiert er Biologie an der Uni Kiel in den Fächern Zoologie und biologische Meereskunde. Ein Umstand, der Medienberichten zufolge mittlerweile angezweifelt wird.

Darüber hinaus arbeitet der Thüringer als Forschungstaucher. Er beteiligt sich an zahlreichen internationalen wissenschaftlichen Projekten, unter anderem zum Schutz von Haien, Walen und anderen Meeresbewohnern. Seine Arbeit führt ihn immer wieder in verschiedene Regionen der Welt. Eigenen Angaben zufolge hat er an fast 2700 Tauchprojekten in 121 Ländern teilgenommen.

Wegen seines Spezialequipments und seiner Fähigkeiten als Taucher ist Lehmann laut eigener Aussage sehr gefragt. Die Liste der Einsätze etwa für Dokumentationen ist lang. Immer wieder zeigen die Bilder auch Lehmann selbst mit Walen oder Haien. Als Fotograf und Umweltschützer hat er mehrere Auszeichnungen erhalten. Zuletzt bekam er im September 2024 den Ocean Hero Award für seine herausragenden persönlichen Leistungen im Meeresschutz.

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Lehmann: „Natur-Botschafter“ begeistert und polarisiert

Darüber hinaus ist Lehmann häufig im Fernsehen präsent, auch als Experte in Wissenschaftssendungen. Seit Herbst 2020 ist er für den Sender Vox als „Natur-Botschafter“ aktiv. Und: Mehr als 10.000 Schülerinnen und Schüler, teilt er auf der Webseite mit, habe er bei Vorträgen über Umwelthemen informiert.

Nach Auswertung seiner Selbstaussagen und der Berichte über ihn dürfte feststehen: Robert Marc Lehmann ist so etwas wie ein Umwelt-Tausendsassa. Und: Bei vielen Tätigkeiten zeigt er ein starkes Sendungsbewusstsein. Die einen nennen ihn in Internet-Kommentaren einen „charismatischen, selbstlosen Umweltschützer“, andere bezeichneten ihn, etwa nach dem Rettungseinsatz vor Niendorf, als „Besserwisser“ und „Poser“.

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In den letzten Jahren hat sich Lehmann dabei zunehmend als Aktivist positioniert. Über die sozialen Medien und durch Kampagnen klärt er über „für den Menschen unangenehme Themen“ auf, wie er einmal sagte: Plastikverschmutzung, Artensterben und industrielle Tierhaltung. Dabei ist er oft sehr direkt. Wer Fisch esse, sagte er etwa auch am Rande seines Einsatzes zur Wal-Rettung in der Ostsee, sei an dem Schicksal des gestrandeten Buckelwals mitschuldig.

Meeresbiologe gründet Verein, um seine Missionen zu finanzieren

„Durch meine Arbeit als Meeresbiologe, wissenschaftlicher Taucher, Fotograf und Filmemacher mit dem Schwerpunkt Umwelt-, Natur- und Tierschutz habe ich in den letzten zwei Jahrzehnten die unglaubliche Schönheit unseres Planeten gesehen, aber auch seine massive Zerstörung und gedankenlose Ausbeutung seiner Bewohner miterleben müssen“, schreibt Lehmann im Internet.
Jetzt „trete ich mit meinem Team an, dies zu ändern“.

Um sich zu finanzieren, hat Lehmann 2019 einen Verein gegründet. Mit diesem wirbt er Gelder ein, um „seine Missionen“ in Sachen Umweltschutz zu bezahlen. „Seitdem ist aus einem Einzelkämpfer und einer Mission, ein Team und eine Community entstanden“, schreibt er.

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Wer Lehmanns Selbstbild im Verhältnis zu offiziellen Stellen, zu Behörden etwa oder zu Universitäten, verstehen will, dem gibt der 43-Jährige in einem seiner Videos eindeutige Hinweise. In der 1:08 Minuten dauernden Aufnahme spricht Lehmann von der neuseeländischen Schwertwal-Forscherin Ingrid Visser. Diese habe sich jahrelang mit allen Behörden oder auch Universitäten angelegt und sei dabei extrem unbequem gewesen. Er habe sich oft gefragt, warum Visser das tue, und sagt in die Kamera: „Heute kann ich das gut verstehen.“