Die Literatur zu William Shakespeare (1564-1616) füllt ganze Bibliotheken. Über kaum einen Schriftsteller dürfte mehr geschrieben worden sein als über den genialen Verfasser von Dramen wie „Hamlet“, „Macbeth“ oder „Romeo und Julia“. Shakespeares Leben ist umfassend erforscht, und das bin ins kleinste Detail – und dennoch werden mitunter weitere Puzzlestücke hinzugefügt, die den Mann aus Stratford-upon-Avon in einem neuen Licht erscheinen lassen.

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Ein solches Puzzlestück hat nun die Literaturwissenschaftlerin und Shakespeare-Expertin Lucy Munro vom King’s College London entdeckt. Bei Recherchen zur Geschichte der Theater in London stieß Munro im London Archive auf einen Stadtplan aus dem Jahr 1688, in dem die genaue Lage von Shakespeares Haus im Stadtteil Blackfriars verzeichnet ist. Dass der Dramatiker auf dem Gelände eines ehemaligen Dominikanerklosters 1613 ein Haus erworben hatte, war bereits vorher bekannt, die genaue Lage und die Größe allerdings nicht. Mund fand insgesamt drei Dokumente – zwei aus den London Archives und eines aus den National Archives –, die weitere Details liefern. Der US-Sender CNN berichtete zuerst über die Entdeckung.
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Der gewiefte Geschäftsmann Shakespeare kaufte Häuser und Grundstücke
Nachdem sie den Plan mit Beschreibungen des Hauses in der Fachliteratur abgeglichen hatte, erkannte Munro, dass sie auf den eindeutigen Beweis für dessen Lage und Grundriss gestoßen war. „Es dürfte eine Art L-Form gehabt haben, wobei ein Teil über das Torhaus hinausragte“, sagte Munro dem Sender CNN und fügte hinzu, dass der Plan das Anwesen auf dem Torhaus sowie benachbarte Gebäude wie die Taverne Sign of the Cock zeigt .„Es ist nicht riesig, aber relativ stattlich“, so Munro. „Es war groß genug, um irgendwann in zwei Häuser unterteilt zu werden.“
Ob Shakespeare selbst in dem Haus lebte oder es vermietete, ist unklar. Der Dramatiker war nicht nur ein genialer Schreiber, sondern auch ein gewiefter Geschäftsmann, der durch seine Stücke (insgesamt 38) sowie als Anteilseigner am Globe Theatre zu Wohlstand gekommen war. Das Kapital investierte er wiederum in Häuser- und Grundstückkäufe in seiner Heimatstadt Stratford und eben auch in London. Munro zeigt sich gegenüber CNN allerdings überzeugt, dass er sein Haus in Blackfriars nicht als Investment gekauft habe.
Hauskauf in Blackfriars wirft ein neues Licht auf Shakespeares letzte Jahre
Laut Munro zeigt die Nähe des Hauses zum 1613 abgebrannte Globe Theatre sowie zum Blackfriars Theatre, dass sich Shakespeare in den letzten Jahren bis zu seinem Tod 1616 möglicherweise nicht, wie bisher vermutet, komplett nach Stratford zurückgezogen haben könnte. „Die Tatsache, dass er das Haus in Blackfriars kauft, das weniger als fünf Gehminuten vom Globe entfernt ist, lässt mich vermuten, dass er auch 1613 noch in gewissem Maße in sein Berufsleben in London eingebunden war“, so Munro.
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„Er ist kein isoliertes Genie, das auf einem Dachboden sitzt. Er ist jemand, der mit anderen Dramatikern zusammenarbeitet“, erklärt Munro gegenüber CNN. In seinen letzten Jahren schrieb Shakespeare gemeinsam mit John Fletcher an seinen späten Stücken „Henry VIII“ und „The Two Noble Kinsmen“ und verbrachte möglicherweise doch mehr Zeit in London, als bisher gedacht.
Mit dem Haus in Blackfriars vermachte der Dichter seinen Erben eine Immobile von erheblichem Wert. Shakespeares Enkelin Elizabeth Hall verkaufte das Haus 1665. Der Zeitpunkt war gut gewählt. Im Jahr darauf vernichtete der Große Brand von London 15 Prozent der Gebäude in der Stadt. Eines davon: das Shakespeare-Haus in Blackfriars.







