Das belgische Recyclingunternehmen Galloo hat im Hafen von Gent mit der Verschrottung der „MS Astoria“ begonnen. Das Schiff war zuvor 25 Jahre lang als „MS Völkerfreundschaft“ im Einsatz und galt als das Kreuzfahrtschiff der DDR. Für rund 200.000 Euro hatte Galloo den mittlerweile 78 Jahre alten Ozeanliner ersteigert.

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Legendäres Kreuzfahrtschiff wird zerlegt und recycelt

Zwei Schlepper überführten die „MS Astoria“ von Rotterdam nach Gent, wo sie nun Stück für Stück demontiert und weitgehend recycelt wird. Seit Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 lag das Schiff im Waalhaven in Rotterdam auf und war mehrfach vergeblich zum Verkauf angeboten worden.

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Gebaut wurde das Schiff 1948 in Göteborg. Unter dem Namen „MS Stockholm“ lief es als Transatlantikliner für die Route nach New York vom Stapel. Acht Jahre später wurde es Teil einer der schwerwiegendsten Schiffskatastrophen der Nachkriegszeit: 1956 kollidierte die „MS Stockholm“ in dichtem Nebel vor Nantucket mit dem italienischen Passagierschiff „Andrea Doria“.

Dabei wurde die „Andrea Doria“ an der Steuerbordseite aufgerissen und sank elf Stunden später. Insgesamt 46 Menschen an Bord des italienischen Schiffes sowie fünf Passagiere der „MS Stockholm“ verloren ihr Leben. Im Anschluss beteiligte sich die „MS Stockholm“ an der Rettung der Überlebenden und kehrte nach New York zurück, wo sie einen neuen Bug erhielt.

Verschrottung der ehemaligen früher MS "Völkerfreundschaft"
Der ehemalige Speisesaal auf dem Schiff „Astoria“ ist bereits entkernt.© Markus Lenhardt/dpa | Markus Lenhardt

Einziges DDR-Kreuzfahrtschiff wechselt mehrfach den Besitzer

Ab 1960 fuhr das Schiff unter dem Namen „MS Völkerfreundschaft“ und wurde zum ersten Kreuzfahrtschiff der DDR. Reisen waren ausschließlich regimetreuen SED-Mitgliedern vorbehalten, und angelaufen wurden nur Häfen in kommunistischen Ländern – von der Sowjetunion bis Kuba. Dennoch nutzten einzelne Passagiere die Fahrten, um Fluchtversuche in den Westen zu unternehmen.

Nach dem Ende der DDR wechselte das Schiff mehrfach sowohl den Besitzer als auch den Namen. Seit 2016 war es als „MS Astoria“ unterwegs, zuletzt im Chartereinsatz für Cruise and Maritime Voyages – das letzte Unternehmen, das das Schiff aktiv betrieb. Die letzte Reise mit Passagieren, überwiegend aus Großbritannien, fand zu Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 statt.

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Mit einem Alter von 78 Jahren übertraf die „MS Astoria“ deutlich die meisten Schiffe, die in den vergangenen Jahren verschrottet wurden. So waren etwa Einheiten der „Fantasy“-Klasse von Carnival Cruise Line oder mehrere Schiffe von Pullmantur Cruises zum Zeitpunkt ihrer Außerdienststellung meist nur zwischen 25 und 40 Jahre alt.

mit dpa