Der vom Hantavirus-Ausbruch auf einem Schiff betroffene deutsche Passagier aus dem Großraum Berlin soll in häusliche Quarantäne kommen – und nicht in die Charité, wie ursprünglich gemeldet. „Die Kontaktperson wird aktuell nach Berlin transportiert und in Absprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt in die häusliche Isolation verbracht“, teilte die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit mit. Sie ist eine von vier Deutschen, die nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) im Tagesverlauf vom Uniklinikum Frankfurt aus in die jeweiligen Bundesländer gebracht werden.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die Person aus dem Großraum Berlin sei weiterhin symptomfrei „und den Umständen entsprechend wohlauf“. Seit der Ankunft am Sonntag im niederländischen Eindhoven sei die erforderliche Diagnostik erfolgt – zuletzt habe eine medizinische Einschätzung im Uniklinikum Frankfurt (Main) stattgefunden. „Es besteht daher nicht mehr die Notwendigkeit zur stationären Aufnahme und Diagnostik in der Charité.“ Die nötige Isolierung könne außerhalb eines Krankenhauses stattfinden.

Gesundheitsamt soll Quarantäne engmaschig überwachen

Das zuständige Gesundheitsamt in Berlin werde die häusliche Quarantäne engmaschig überwachen – laut Bundesgesundheitsministerium kann eine Quarantäne von bis zu 45 Tagen für die vier deutschen Kontaktpersonen angeordnet werden. „Beim Auftreten von Symptomen wurde eine sofortige Kontaktaufnahme mit dem Gesundheitsamt sowie die Organisation einer Untersuchung in der Charité vereinbart“, hieß es von der Senatsgesundheitsverwaltung. Zu den Symptomen gehören laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Gliederschmerzen, neu aufgetretene, starke Erschöpfung, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfall, Husten, Atemnot sowie eine rasche Verschlechterung des Allgemeinzustands.

Auch interessant

Das RKI rät, die Quarantäne- und Beobachtungsdauer vollständig einzuhalten, auch wenn in dieser Zeit keine Symptome eintreten. „Ein negatives Testergebnis bei asymptomatischen Personen hebt die Quarantäne nicht auf.“ Die Kontaktperson soll die Unterkunft nur aus zwingenden Gründen und in Absprache mit dem Gesundheitsamt verlassen, heißt es in einer Handreichung für den Öffentlichen Gesundheitsdienst. Draußen müsse die Person unter anderem Mund-Nasen-Schutz tragen und Orte vermeiden, wo sich viele Menschen versammeln, etwa Schulen oder Clubs.

Ursprünglich ist eine Aufnahme für 24 Stunden in die Charité zur Untersuchung und Diagnostik geplant gewesen, so die Senatsgesundheitsverwaltung. Diese Planung stammte demnach aus einer Zeit, als unklar war, in welchem Umfang die Kontaktperson auf dem Weg nach Berlin medizinisch untersucht wird.

Hantavirus: Wo die Kontaktperson behandelt werden könnte

Beim Auftreten von Symptomen könnte die Kontaktperson in die Sonderisolierstation (SIS) am Campus Virchow-Klinikum der Charité eingeliefert werden. Dort werden Patientinnen und Patienten mit hoch ansteckenden, lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten und solche Fälle behandelt, in denen die biologische, chemische und radiologische Kontamination unklar ist.

20 Personen können laut Charité gleichzeitig in der SIS behandelt werden, ohne die regulären Krankenhausabläufe zu beeinträchtigen – laut Krankenhaus ist sie die größte ihrer Art in Deutschland. „Ein wesentlicher Vorteil dieser Struktur liegt in ihrer operativen Unabhängigkeit und Flexibilität“, heißt es aus der Pressestelle der Charité. „Die Station verfügt über eigene Zugangswege, Schleusensysteme, Lüftungs- und Filteranlagen mit Unterdrucktechnik sowie eine geschlossene Abwasseraufbereitung.“

Das System sei flexibel, unterschiedliche Schutzstufen seien möglich: „Von Vorsichtsmaßnahmen bei unklaren Kontaktverläufen bis hin zur maximalen Isolation unter Verwendung von Gebläseschutzanzügen und erweiterten Dekontaminationsverfahren.“ Welche Sicherheitsstufe für die betroffene Kontaktperson gilt, könne aufgrund von Persönlichkeitsrechten nicht gesagt werden, heißt es aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG).

Auch interessant

Wie gefährlich ist das Andes-Hantavirus?

Hantaviren kommen auf der ganzen Welt in verschiedenen Spezies vor und werden vornehmlich durch Ausscheidungen unterschiedlicher Nagetiere übertragen. Die südamerikanische Variante, das Andes-Hantavirus, unterscheidet sich deutlich von der europäischen. Hierzulande treten laut RKI mildere Verläufe mit Nierenbeteiligung auf, während die südamerikanischen Hantaviren schwere Lungen- und Atemwegserkrankungen mit rascher Verschlechterung und hoher Sterblichkeit verursachen.

Bislang sind laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle gemeldet worden (Stand: 10. Mai). Drei Personen sind gestorben, darunter eine Deutsche. Eine wirksame antivirale Behandlung ist laut der EU-Gesundheitsbehörde nicht verfügbar. Infizierte hätten die besten Überlebenschancen durch eine unterstützende Behandlung.

Auch interessant

Wie groß ist die Gefahr einer neuen Pandemie?

Trotz der hohen Letalität der Virus-Variante warnen die Behörden vor Panikmache. Das ECDC sieht das Risiko einer Ausbreitung des Virus als „sehr gering“ an, sofern Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle zur Anwendung kommen. Die Mensch-zu-Mensch-Übertragung findet laut Robert Koch-Institut (RKI) vor allem bei engem und längerem Kontakt zu symptomatischen Personen statt, etwa beim Austausch von Körperflüssigkeiten.

Dass sich die südamerikanische Variante unter den in Europa lebenden Nagetieren ausbreitet, ist ebenfalls nicht zu erwarten, so das ECDC. Das natürliche Reservoir für das Andes-Virus sei in Europa nicht vorhanden.

Mit dpa