Sie rannten um ihr Leben und versuchten, der tödlichen Wolke des Vesuv zu entkommen: Mehr als 2000 Jahre nach dem verheerenden Ausbruch, der die antike Stadt Pompeji unter Asche begrub, geben neue Untersuchungen nun weitere Einblicke in das Schicksal der Opfer. 60 Jahre sind seit den Ausgrabungen im sogenannten Garten der Flüchtenden vergangen.

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Jetzt haben Forscher einem der Toten vermutlich erstmals einen Beruf zuordnen können. Nach aktuellen Analysen handelt es sich wahrscheinlich um einen Arzt, der auf seiner Flucht medizinische Instrumente mit sich trug. Die Entdeckung geht auf die Untersuchung eines kleinen Behälters zurück, der im Inneren eines Gipsabdrucks verborgen war.

Fund aus den 60ern: Untersuchungen in Pompeji bringen neue Erkenntnisse

Der Fund stammt aus Grabungen unter Leitung des italienischen Archäologen Amedeo Maiuri aus dem Jahr 1961. Damals wurden in einem ehemaligen Weinberg die Abdrücke von 14 Menschen entdeckt, die ums Leben kamen, als sie versuchten, aus der Stadt zu fliehen. Neue Untersuchungen an Materialien aus den Depots des Archäologischen Parks Pompeji brachten zuletzt persönliche Gegenstände des Opfers ans Licht: eine kleine Schatulle mit Metallteilen, eine Stofftasche mit Bronze- und Silbermünzen sowie mehrere Instrumente, die zu einer medizinischen Ausrüstung gehören könnten.

Röntgen- und Tomografieuntersuchungen zeigten im Inneren des Behälters eine Schieferplatte, die vermutlich zur Herstellung medizinischer oder kosmetischer Substanzen diente, sowie kleine Metallinstrumente, die chirurgische Werkzeuge gewesen sein könnten. Dies stützt die Annahme, dass es sich bei dem Opfer um einen Arzt handelte.

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Direktor des Archäologischen Parks: Entdeckung wird Ärzten gewidmet

Bei den Untersuchungen kamen moderne Diagnoseverfahren wie CT-Scans mit Unterstützung Künstlicher Intelligenz sowie dreidimensionale Rekonstruktionen zum Einsatz. Dadurch konnte der Inhalt des Gipsabdrucks analysiert werden, ohne ihn zu beschädigen. Die Analysen lieferten zudem neue Details über die aufwendig konstruierte Schatulle mit einem komplexen Verschlusssystem.

Der Direktor des Archäologischen Parks von Pompeji, Gabriel Zuchtriegel, erklärte, der Mann habe seine Instrumente vermutlich mitgenommen, um sich anderswo eine neue Existenz aufzubauen – oder um weiterhin Menschen helfen zu können. „Wir widmen diese bedeutende Entdeckung all den Frauen und Männern, die den Arztberuf auch heute mit einem außerordentlich hohen Verantwortungsbewusstsein und im Dienst der Gemeinschaft ausüben“, sagte der aus Weingarten stammende Zuchtriegel, der seit 2021 den Archäologischen Park Pompeji leitet. Die neuen Funde unterstreichen nach Angaben Zuchtriegels erneut den hohen wissenschaftlichen Wert der Depots von Pompeji, in denen sich noch zahlreiche bislang unerforschte Zeugnisse aus der Antike befinden.

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Im 19. Jahrhundert begannen Archäologen, die Hohlräume der unter Asche konservierten Körper mit Gips zu füllen, um die Gestalt der Opfer sichtbar zu machen. Diese Methode wurde 1863 erstmals systematisch von dem Archäologen Giuseppe Fiorelli angewandt. Nachdem der Gips ausgehärtet und die Asche entfernt worden war, erschienen erstaunlich detailreiche menschliche Figuren – oft mit erhaltenen Knochen im Inneren. Pompeji ist bis heute der einzige Ort weltweit, an dem solche Rekonstruktionen in dieser Form möglich sind.

Die antike Stadt lag am Fuß des Vulkans Vesuv. Bei Ausbrüchen im Jahr 79 nach Christus hatten Asche, Schlamm und Lava die Siedlungen unter sich begraben und die Stadt teilweise konserviert. Im 18. Jahrhundert wurde Pompeji wiederentdeckt. Die Ausgrabungsstätte, die immer wieder sensationelle Funde zutage bringt, gehört zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Italien.