Auf den Malediven sind am Dienstag zwei der vier verunglückten und vermissten italienischen Taucher geborgen worden, die vergangene Woche bei einem Unglück in einer Unterwasserhöhle ums Leben gekommen waren. Geborgen wurden die Leichen der 51-jährigen Meeresbiologin und Professorin an der Universität Genua, Monica Montefalcone, und des 31-jährigen Tauchers Federico Gualtieri. Bei der Bergungsaktion hatten sich Spezialtaucher stundenlang durch enge, stockdunkle Unterwassergänge in mehr als 60 Metern Tiefe gekämpft.

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Die Arbeiten in dem verzweigten Höhlensystem nahe der Insel Alimathaa sollen am Mittwoch fortgesetzt werden. Dann wollen die Einsatzkräfte auch die beiden weiteren Leichen an die Oberfläche bringen. Dabei handelt es sich um Montefalcones 22-jährige Tochter Giorgia Sommacal und um die 31-jährige Meeresforscherin Muriel Oddenino. Die Bergung gilt wegen der extremen Bedingungen als hochriskant. Die Höhle beginnt in rund 60 Metern Tiefe und verzweigt sich in enge Tunnel und Sackgassen. In einem dieser blinden Gänge waren die vier Opfer entdeckt worden.

Rettung ist schwierig: Bergung in mehreren Etappen

An der Aktion sind internationale Spezialtaucher, maledivische Streitkräfte sowie ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug beteiligt. Auf Ersuchen Italiens wurden zusätzlich drei erfahrene Höhlentaucher aus Finnland hinzugezogen. Nach Angaben der Einsatzkräfte mussten die Leichen in mehreren Etappen geborgen werden: Spezialtaucher transportierten die Körper zunächst aus den tiefsten Abschnitten der Höhle, bevor weitere Teams die Sicherung und den Transport übernahmen. So sollten Risiken wie Dekompressionsprobleme und Erschöpfung minimiert werden.

Die vier Italiener waren am Donnerstag nach einem Forschungstauchgang nicht zurückgekehrt. Die Leiche eines fünften Opfers, des Tauchlehrers Gianluca Benedetti (44) aus Padua, war bereits am Freitag geborgen worden. Seine Leiche ist inzwischen nach Italien zurückgeführt worden. Die vier Taucher wurden nach Angaben der Rettungskräfte in einem einzigen Seitengang des Höhlensystems Dhekunu Kandu gefunden.

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Der Tunnel gilt als Sackgasse ohne Ausgang. Die Position der Leichen deutet darauf hin, dass die Gruppe im Dunkeln die Orientierung verlor und den Rückweg nicht mehr fand. Experten gehen davon aus, dass aufgewirbelter Sand die Sicht massiv beeinträchtigte. Möglicherweise gerieten die Taucher in Panik und schwammen in den falschen Tunnel. Der Verbindungsgang zwischen der ersten und der zweiten Höhle soll nur etwa drei Meter breit und rund zehn Meter lang sein. Der fünfte Tote, Gianluca Benedetti, wurde im Korridor zwischen beiden Höhlen entdeckt. Nach Einschätzung von Experten versuchte der erfahrene Tauchlehrer vermutlich noch, den anderen zu helfen, bevor ihm selbst die Atemluft ausging.

Die Ermittlungen laufen: Wie konnte es zu dem Unglück kommen?

Die maledivischen Behörden und die Staatsanwaltschaft in Rom ermitteln inzwischen zur Ursache des Unglücks. Die römischen Ermittler vermuten Fahrlässigkeit. Im Fokus stehen die Genehmigungen für den Tauchgang, die Sicherheitsvorkehrungen sowie der Tauchplan der Gruppe. Nach Angaben der maledivischen Regierung verfügten nur drei der fünf Teilnehmer über eine Zulassung für wissenschaftliche Tauchgänge in Tiefen von mehr als 50 Metern.

Der Sprecher des maledivischen Präsidentenbüros, Mohamed Hussain Shareef, erklärte italienischen Medien zufolge, die Behörden hätten lediglich eine Genehmigung für Forschungen an Weichkorallen erteilt. „Was wir nicht wussten, war, dass es sich um Höhlentauchen handelte“, sagte Shareef. Diese Disziplin bringe „eigene Herausforderungen und Risiken“ mit sich – insbesondere in großen Tiefen.

Zusätzliche Fragen wirft die Ausrüstung der Gruppe auf. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen die Taucher nicht vollständig für einen derart anspruchsvollen Höhlentauchgang ausgestattet gewesen sein. Der Veranstalter des Ausflugs erklärte zudem, keine Tauchgänge bis 50 Meter Tiefe genehmigt zu haben. Montefalcones Ehemann Carlo Sommacal verteidigte die erfahrene Meeresbiologin gegen Vorwürfe. Seine Frau habe rund 5000 Tauchgänge absolviert und sei „niemals leichtsinnig“ gewesen, sagte er Journalisten. Sie hätte weder ihre Tochter noch andere bewusst in Gefahr gebracht.