Das befürchtete Chaos am Brenner ist ausgeblieben. Der Brennerkorridor in Tirol war am Samstag wegen eines Anwohnerprotests gegen das hohe Verkehrsaufkommen auf der österreichischen Brennerautobahn ganztägig gesperrt. Anders als zunächst befürchtet kam es jedoch nicht zu größeren Staus infolge der Totalsperre.

A93: Nach stundenlangem Stau entspannt sich die Verkehrslage

Am Freitagabend hatte sich der Verkehr auf der A93 in Richtung Grenzübergang Kiefersfelden noch auf bis zu 16 Kilometern gestaut, mit Wartezeiten von bis zu einer Stunde. Am Samstagmorgen hingegen meldete der Österreichische Automobil-, Motorrad- und Touring Club (ÖAMTC) „überhaupt keine wesentlichen Staus“. Die Lage sei „bislang sehr ruhig“, hieß es. Viele Verkehrsteilnehmer hätten sich offenbar an die Empfehlung gehalten, Fahrten über die Alpen an diesem Tag möglichst zu
vermeiden.

Die Sperrung der wichtigsten Verkehrsverbindung nach Italien fiel in die Pfingstferien mehrerer deutscher Bundesländer. In
Italien begann zugleich ein verlängertes Wochenende, das bis zum Nationalfeiertag, dem Tag der Republik am 2. Juni, reicht.
Auslöser der Sperrung war eine Protestkundgebung gegen die Belastung der Anwohner durch den Transitverkehr, die der Bürgermeister des Tiroler Ortes Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger, angemeldet hatte.

Hilfsorganisationen verstärken Einsätze auf der Brennerautobahn

Vor der angekündigten Sperrung hatten Hilfsorganisationen in Südtirol ihre Einsatzbereitschaft erhöht und Reisende zu besonderer Vorsicht aufgerufen. „M-Bike Units“ des Roten Kreuzes Südtirol patrouillierten gemeinsam mit Einsatzkräften aus dem Trentino den Abschnitt der Brennerautobahn A22 sowie angrenzende Straßen. Ziel war es, bei möglichen Verkehrsproblemen oder Notfällen rasch Hilfe leisten zu können.

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Größere Zwischenfälle wurden jedoch nicht gemeldet. Die Organisation empfahl dennoch, nicht zwingend notwendige Fahrten zu
verschieben, sich vor Reiseantritt über die Verkehrslage zu informieren sowie ausreichend Wasser, Verpflegung und Medikamente
mitzuführen und längere Fahrzeiten einzuplanen.

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Brenner-Sperre: Brandanschlag legt Bahnverkehr bei Verona lahm

Während der Brenner-Sperre kam es zudem im Bahnverkehr auf der Nord-Süd-Achse zu erheblichen Beeinträchtigungen. Nach Angaben der italienischen Bahngesellschaft Trenitalia wurde die Infrastruktur in der Provinz Verona durch unbekannte Täter beschädigt. Unbekannte hatten am frühen Samstag in der Nähe des Bahnhofs Domegliara nördlich von Verona zwei elektrische Schaltanlagen in Brand gesetzt.

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Die Feuerwehr löschte das Feuer. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um einen mutmaßlich vorsätzlichen Eingriff. Der Bahnverkehr entlang der transalpinen Verbindung war dadurch erheblich gestört. Hochgeschwindigkeitszüge, Intercity- und Regionalverbindungen verzeichneten teils Verspätungen von bis zu fast zwei Stunden. Einige Regionalzüge fielen aus oder verkehrten nur verkürzt, zudem wurden Ersatzbusse eingesetzt.

Nach Ermittlerangaben könnte die Tat aus dem Umfeld des radikalen Umweltschutzes oder des anarchistischen Spektrums
stammen. Das Feuer sei nur wenige Stunden vor Beginn der Protestaktion am Brenner gelegt worden und habe gezielt die einzige noch verfügbare Ausweichverbindung zwischen Italien und Österreich getroffen.

Tiroler Transitmaßnahmen: Italienische Regierung kritisiert Einschränkungen

Die Totalsperre führte in Italien erneut zu Kritik an den Tiroler Transitmaßnahmen. Die Regierung in Rom sieht sich seit Jahren durch
Einschränkungen des Schwerverkehrs benachteiligt. Verkehrsminister Matteo Salvini äußerte Kritik an seinem österreichischen Amtskollegen Peter Hanke, der zuvor auf die begrenzten Möglichkeiten seines Ministeriums hingewiesen hatte, gegen die Protestaktion vorzugehen.

Aus Sicht der italienischen Regierung dürften Umweltargumente nicht zu unverhältnismäßigen Einschränkungen des Waren- und Personenverkehrs auf der wichtigen Alpenroute führen. Hanke selbst hatte sich im Vorfeld skeptisch zur Protestaktion geäußert und vor erheblichen Einschränkungen bis hin zu einem „Stillstand der Region“ gewarnt. Die Veranstalter hätten die Aktion daher überdenken sollen.

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Brenner-Transit: Wirtschaft leidet unter Tiroler Verkehrsbeschränkungen

Auch aus Salvinis Partei Lega kam Kritik. Der Europaabgeordnete Paolo Borchia, betonte, dass die Interessen der Bevölkerung auf beiden Seiten des Brenners berücksichtigt werden sollten. In Zeiten internationaler Krisen seien „ideologisch motivierte und
unverantwortliche Aktionen“ fehl am Platz, sagte er. Kritisch äußerte sich auch Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher. Die Totalsperre löse das zugrunde liegende Problem nicht; notwendig seien vielmehr abgestimmte, konstruktive Verkehrskonzepte zwischen den betroffenen Staaten.

Nach Berechnungen des italienischen Logistikverbands Uniontrasporti verursacht die Situation rund um den Brenner-Transit erhebliche wirtschaftliche Belastungen für Unternehmen. Der jährliche Schaden werde auf rund 370 Millionen Euro geschätzt, im vergangenen Fünfjahreszeitraum summiere er sich auf etwa 1,8 Milliarden Euro. Als Hauptursachen gelten verkehrspolitische Maßnahmen auf Tiroler Seite, darunter Nachtfahrverbote, Wochenendbeschränkungen sowie weitere Einschränkungen für den Lkw-Verkehr und Dosiersysteme. Insgesamt reduziere sich die Transportkapazität dadurch um rund 50 Prozent.