Norwegen trägt Trauer: Am Mittwoch, 9. September, wird König Harald zu Grabe getragen. Der Ablauf ist minutiös geplant: Um 12 Uhr mittags verlässt der Sarg den Königlichen Palast in Oslo und wird in einem feierlichen Trauerzug durch die Straßen der Hauptstadt zum Osloer Dom begleitet. König Haakon (53), Kronprinzessin Ingrid Alexandra (22), Prinz Sverre Magnus (20) und Prinzessin Märtha Louise (54) folgen dem Sarg zu Fuß. Der Königliche Hof hat das Protokoll in allen Einzelheiten veröffentlicht, wie die offizielle Webseite des norwegischen Königshauses kongehuset.no mitteilt. Das Volk fragt sich aber: Was ist mit der Königin? Kann Mette-Marit (53) überhaupt dabei sein?

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Die Ehefrau des Königs ist nach ihrer Lungentransplantation im Juni immer noch geschwächt und fehlte sogar beim historischen Moment, als Haakon am 1. September seinen Eid auf die Verfassung im Parlament ablegte. Trotz Transplantation, nach der es der 53-Jährigen endlich besser gehen sollte, war Mette-Marit noch nicht stark genug, um diesen wichtigen offiziellen Termin wahrzunehmen. Ausgerechnet am Tag der Vereidigung musste Mette-Marit im Krankenhaus überwacht werden. Bei der Beerdigung des beliebten Alt-Königs aber soll sie dabei sein. Laut des Protokolls wird sie aber nicht zur feierlichen Prozession zählen, sondern soll ihr mit Königinwitwe Sonja (89) im Wagen folgen.

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Eigentlich sollte doch alles besser werden. Mette-Marit ging es vor der Lungentransplantation im Juni extrem schlecht. Sie konnte keine öffentlichen Auftritte mehr wahrnehmen. Ihre Lungenfibrose war so weit fortgeschritten, dass die Sauerstoffversorgung des Blutes massiv verringert war. Schon bei kleinsten Anstrengungen war die damalige Kronprinzessin von Norwegen außer Atem und erschöpft. Die Lungentransplantation also sollte eine Erlösung sein. Damit sie zu Kräften kommen kann, sei aber laut ihrer Ärzte eins ganz besonders wichtig: Ruhe.

Und genau von dieser Ruhe kann nicht die Rede sein, in Zeiten, in denen sich Norwegens Monarchie neu aufstellt. Ihr Mann wird König, sie wird Königin. Eine gewaltige Aufgabe. Wie soll eine so geschwächte Person die gigantische Trauerfeier für Harald bewältigen, bei der sich die gekrönten Häupter aus ganz Europa einfinden werden. Nicht nur ist die Frage, ob Mette-Marit bereits die Energie hat, diesen Kraftakt zu stemmen. Es gibt ja auch die strenge Anweisung ihrer Ärzte, sich zu schonen.

Königshaus Norwegen - Kronprinzenpaar Haakon und Mette-Marit
Selbst ihren 25. Hochzeitstag am 25. August haben Haakon und Mette-Marit nicht richtig feiern können. Hier verlassen sie am Tag der Silberhochzeit das Rikshospitalet, wo König Harald V. behandelt wurde.© Ole Berg-Rusten/NTB/dpa | Ole Berg-Rusten

Lungenfacharzt: Diese Komplikationen sind besonders häufig

Nach einer Lungentransplantation, die als eine der anspruchsvollsten Operationen in der modernen Medizin gilt, benötige der Körper unbedingte Ruhe und Erholung. Der Organismus müsse das alles erstmal verkraften, erklärt Dr. Markus Kamler, Leiter der Abteilung für thorakale Transplantation am westdeutschen Zentrum für Organtransplantation des Universitätsklinikums Essen. Auch könne es, wie bei Mette-Marit Anfang September bekannt wurde, durchaus zu Komplikationen kommen.

Zu den häufigsten Problemen gehörten Infektionen – vor allem in den ersten drei Monaten. Das hat etwas mit der Therapie zu tun: Um die gefürchtete Abstoßung des körperfremden Organs zu verhindern, sei das Immunsystem mit Medikamenten, den sogenannten Immunsuppressiva, zum Teil „abgeschaltet“. Das hat Folgen: Das körpereigene Abwehrsystem könne dann auch nicht gegen Keime wie Bakterien, Viren oder Pilze einschreiten. Wie sehr man das Immunsystem herunterfährt, sei ein „Balanceakt“, es müsse genau abgewogen werden. Dafür gebe es kein Patentrezept, sondern das „ist bei jedem Patienten anders“, so Kamler.

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Die Infektionen ließen sich jedoch „in der Regel recht gut behandeln“, erklärt Dr. Markus Kamler. Bei bakteriellen Infekten stehe zum Beispiel eine antibiotische Therapie zur Verfügung. Zudem würden die Ärzte dann häufig dazu übergehen, vorübergehend die Dosis der immunsuppressiven Medikamente zu reduzieren. Allerdings gebe es auch komplexere Verläufe: „Wenn die Infektion zu einer sogenannten Sepsis, also zu einem schwersten Infekt, führt, ist die Behandlung erschwert“, so Kamler, und oft ein langer Aufenthalt auf der Intensivstation erforderlich. Auch könnte es zu Komplikationen wie Bronchusheilungsstörungen oder Wundheilungsstörungen kommen. „Das Erste ist schwer zu behandeln, das Letztere gut.“

Als häufiges Problem, das nach einer Transplantation auftritt, gilt auch die chronische Lungentransplantat-Dysfunktion, kurz CLAD genannt. Dabei verschlechtert sich die Funktion der transplantierten Lunge nach und nach. Dies sei aber im „Frühverlauf in der Regel nicht relevant“, sagt Kamler, sondern könne „bei etwa dreißig bis fünfzig Prozent der Betroffenen nach drei bis fünf Jahren oder später eintreten“.

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Um sich grundsätzlich nach einer Schwäche wieder zu erholen, seien die Lebensumstände enorm hilfreich. Dr. Markus Kamler empfiehlt: „Physiotherapie und besonders Atemtherapie, gesunde Ernährung und Unterstützung durch Freunde und Familie“. Was Mette-Marit angeht, so wird es einer Königin an einer optimalen Versorgung nicht mangeln. Und Unterstützung durch die Familie ist auf jeden Fall gegeben.