Robin Sondermann ist für eine große Bandbreite an deutschen Film- und TV-Formaten besetzt worden – vom „Tatort“ bis zu den verschiedensten „SOKO“-Folgen. Die feste Größe in seiner Arbeit ist seine Rolle als Kommissar Freddy Breyer in „In Wahrheit“ (neue Folge am 12. September um 20.15 Uhr im ZDF). Im Interview erklärt der 43‑Jährige, weshalb er seine eigenen Arbeiten nicht so gern sieht, inwieweit sein Beruf sein Verständnis für andere Menschen fördert und wo sein Verständnis aufhört.

Wir führen dieses Gespräch als Video-Interview. Allerdings funktioniert die Technik nicht optimal, denn Sie sind nicht zu sehen.

Das ist für mich sogar ganz angenehm. (lacht)

Warum mögen Sie es nicht, sich zu sehen? Sie drehen doch konstant für Film und Fernsehen.

Ich tue mir nach wie vor manchmal schwer damit. Früher war das aber schlimmer. Da habe ich ziemlich häufig damit gehadert, dass ich bestimmte Szenen anders hätte spielen können, es jedoch nicht mehr ändern kann. Inzwischen sitze ich nicht mehr schweißgebadet da. Wenn ich spüre, dass das, was wir uns vorgenommen haben, aufgegangen ist, dann macht mich das beim Schauen sogar richtig glücklich.

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Was haben Sie denn bei der neuesten Folge von „In Wahrheit“ empfunden?

Ich finde, dass das für uns ein eher untypischer Film ist, der mehr auf Spannung, Gefahr und Tempo geht. Aber ohne unseren grundsätzlichen Fokus auf das Drama zu verlieren. Die Schicksale der Figuren stehen bei uns im Zentrum, und ich halte das für eine besondere Stärke. 

Bei „In Wahrheit“ geht es nicht zuletzt auch darum, dass Sie Menschen analysieren. Wie gut können Sie andere verstehen?

Ich würde mir anmaßen zu sagen, dass ich das gut kann. Als Schauspieler tut man ja kaum etwas anderes, als sich mit menschlichen Beweggründen und Ausdrucksmöglichkeiten zu beschäftigen. Unser einziges Instrument sind wir selbst. Da sollten wir also beim Blick auf andere eine gewisse Tiefe erreichen können. Aber vielleicht glaube ich das auch nur. Ich könnte jedenfalls nicht sagen, dass ich mich deshalb klüger oder problemfreier durchs Leben bewege als andere.

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Aber haben Sie ein Beispiel, wie Sie Leute im Alltag analysieren?

Wenn ich mit meiner Frau, die auch Schauspielerin ist, unterwegs bin, dann sehen wir in Leuten, die an uns vorbeigehen, ständig irgendwelche Figurentypen. Dann macht es einfach Spaß, weiter zu spinnen, was sich hinter der Kleidung, der Gangart oder Sprechweise verbirgt und wie es mit dieser „Figur“ weitergeht.

Welche Verhaltensweisen können Sie überhaupt nicht verstehen?

Empathielosigkeit. Ich kann deshalb zum Beispiel auch wirklich nicht verstehen, wie jemand es fertigbringt, die AfD zu wählen. Bei allem Verständnis für Wut und Frust: Wie kann man für eine Partei stimmen, die sich in ihrem Markenkern anderen, meist sogar schutzbedürftigen Menschen gegenüber so abwertend und hasserfüllt verhält?

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Robin Sondermann steht als Freddy Breyer seit 2017 gemeinsam mit Schauspielkollegin Christina Hecke für „In Wahrheit“ vor der Kamera.© picture alliance/dpa/ZDF | Manju Sawhney

Wie sehen Sie das aktuelle Verhältnis zwischen Männern und Frauen, um das es auch in der neuen Folge geht?

Ich glaube, wir Männer müssen noch mehr begreifen, dass viele Dinge, an die wir uns in der Vergangenheit bequemerweise gewöhnt haben, auf Ungerechtigkeit beruhen. Es ist schon viel in Bewegung geraten, und das ist gut so. Aber gleichzeitig ist die Sorge vor einem Rückschritt berechtigt, wenn man sich ansieht, wie teilweise – nicht zuletzt im digitalen Raum – mit Frauen umgegangen wird.

„Bestimmte Rollen werden zu selten für Frauen geschrieben“

Mit welchem Männer- und Frauenbild sind Sie aufgewachsen?

Ich bin grundsätzlich mit modernen Frauen- und Männerbildern groß geworden. Meine Eltern haben beide gearbeitet. Trotzdem bin ich selbst heute sicher mehr involviert, was die Kinder angeht, als dass die Generation meines Vaters es war. Ich glaube, in der Hinsicht sind wir mittlerweile einen großen Schritt weiter.

Inwieweit haben Sie und Ihre Frau im Schauspielberuf eine Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen wahrgenommen?

Es mangelt für Frauen vor allem an interessanten Rollen, was auch für das Theater gilt. Das liegt daran, dass wir in unseren Stoffen die Gesellschaft spiegeln. Da gibt es eben immer noch hauptsächlich die klassisch männlichen Vorgesetzten, Bürgermeister oder Oberärzte. Und solche Rollen werden weiterhin zu selten für Frauen geschrieben.

Ändert sich das langsam? In „In Wahrheit“ sind Sie ja auch gemeinsam mit einer Kommissarin im Einsatz.

Doch, ich habe auch das Gefühl, dass das der Fall ist. Aber wenn man sich die Statistiken anschaut, dann werden die größeren Rollen immer noch meistens von Männern gespielt. Und das lässt sich weder mit der Quantität noch mit der Qualität erklären. Es gibt an den Schauspielschulen genauso viele gute Absolventinnen wie Absolventen. Aber es fehlt eben an den Stoffen.

Welche Erkenntnisse bekommen Sie denn aus dem Austausch mit Ihrer „In Wahrheit“-Kollegin Christina Hecke?

Wir arbeiten sehr gerne miteinander. Wir sehen sicherlich unterschiedlich auf einige Dinge, aber am leidenschaftlichsten diskutieren wir über unsere Reihe. Denn es ist für uns beide ein Geschenk, dass wir das so viele Jahre miteinander machen dürfen.