Die Frau des Astronauten

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PERSÖNLICH. Heike Walpot: Olympia-Schwimmerin, Raumfahrtkandidatin, Lufthansa-Pilotin. Und mit Hans Schlegel verheiratet.

KÖLN. Die Lufthansa ist nicht wenig stolz auf sie, ist sie doch die einzige Pilotin der Airline, die eine Ausbildung zur Astronautin absolviert hat. Dabei war die Luft ursprünglich gar nicht das Element Heike Johns, so ihr Mädchennname. Die gebürtige Düsseldorferin zog es vielmehr ins - Wasser. Mit 16 Jahren startete sie als Schwimmerin für die deutsche Olympia-Mannschaft in Montre?al. Dann machte sie ihr Abitur und studierte Medizin an der jetzt zur Elite-Uni gekürten RWTH Aachen. Zur Elite zählte sie in gewisser Weise auch und immer schon. Absolvierte glänzend ihr Studium, promovierte zum "Dr. med." mit 26 und erfuhr im gleichen Jahr, dass Astronauten gesucht würden... - Angeblich machte ihr erster Ehemann sie darauf aufmerksam, der heutige ZDF-Korrespondent Luc Walpot.

Ihr Ziel: Eines Tages einen Jumbo-Jet fliegen

Heike Walpot, Schwimmerin, Ärztin, Forscherin, bewarb sich, setzte sich gegen über 300 Konkurrenten durch, schaffte es als Jüngste ins nur fünfköpfige Team für die deutsche D 2-Mission (Spacelab). Mit der Meteorologin Renate Brümmer sowie den Physikern Hans Schlegel, Gerhard Thiele und Ulrich Walter startete sie das Training. Hans Schlegel wurde später ihr zweiter Ehemann, nach dem Kennenlernen in der Schwerelosigkeit, quasi. Er schaffte es auch, 1993 mit der Raumfähre Columbia ins All zu fliegen. Mit an Bord damals Uli Walter, heute Professor an der TU München. Gerhard Thiele flog im Februar 2000 mit der Endeavour. Die beiden Astro-Kandidatinnen flogen - nicht.

Heike Walpot, den Namen behielt sie bei, fungierte 1993 beim Flug ihres Mannes als CapCom und führte vom Bodenkontrollzentrum in Oberpfaffenhofen den Funkverkehr mit der Crew an Bord. Danach war für sie - allein betrachtet - Schluss mit der Raumfahrt.

Als Ehemann Hans nun zu seinem zweiten Raumflug startete, hatte sie ihm ein besonderes Maskottchen ins "Flug"-Gepäck gesteckt - eine Lufthansa-Kapitänsmütze als Symbol des gemeinsamen Faibles für die Fliegerei, inner- oder überhalb der Atmosphäre. Denn Heike Walpot startete eine zweite Karriere als Verkehrspilotin. Allerdings erst, nachdem sie vorher das weltweite Umweltprojekt GLOBE mit aufgebaut hatte.

Zur Astronautenausbildung hatte ein Pilotenschein gehört, so war der Weg ins Airline-Cockpit nicht mehr so schwierig. Zumal Heike Walpot "eine außergewöhnliche Begabung" für die Fliegerei bewies, wie sich ein Lufthansa-Captain erinnert, der für die Ausbildung zuständig war. Die Lufthansa nahm die verhinderte Raumfahrerin "mit Kusshand". Und so fliegt sie seit Jahren trotz allem - als "First Officer" auf einer Boeing 737. Ihr Ziel sei ein "Jumbo-Jet", lässt sie sich zitieren. Und: "Wenn man Interessen und Ziele hat - einfach machen und nicht darüber nachdenken, was die anderen denken." Wenn sie nicht durch Europa jettet, ist sie bei der vielköpfigen Familie, die seit Jahren ihren Erstwohnsitz im texanischen Houston hat, wo Ehemann Hans als Europas Chef-Astronaut im Johnson Space Center fungiert. (NRZ)

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