Zwischen Nebel und Granatenschlägen formiert sich im Süden der Ukraine eine Einheit, die sich selbst „Alcatraz“ nennt. Männer, die noch vor wenigen Wochen in Gefängnissen saßen, üben hier das Überleben im Krieg. Ihr Antrieb ist nicht allein Patriotismus, sondern die Aussicht auf Freiheit.
Seit Mai 2024 dürfen ukrainische Strafgefangene freiwillig an die Front. Wer ein Jahr im Einsatz übersteht, erhält Amnestie. Ausgenommen sind Sexualstraftäter, Mehrfachmörder und Verräter. Etwa 10.000 Männer haben sich bislang gemeldet. Für viele ist es die einzige Möglichkeit, ihr Leben neu zu beginnen. FUNKE-Reporter Jan Jessen hat im Podcast mit den neuen Soldaten gesprochen:

Die Aussicht auf Freiheit ist für die Häftlinge sehr motiviert, erklärt Armin, der Ausbilder des Bataillons. „Wenn sie hierher kommen, werden sie Soldaten. Sie haben alle Rechte wie die anderen auch. Und sie kämpfen sehr gut.“ Der Feldwebel behandelt die Männer „nicht wie Häftlinge, sondern wie Soldaten“.
Einer von ihnen ist Oleksandr, 39. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge saß er acht Jahre im Gefängnis. Nun trainiert er wieder für den Krieg. „Ich kann nicht rumsitzen, während andere sterben“, sagt er leise. „Ich will kämpfen für meine Kinder, für mein Land.“ Für ihn ist der Krieg auch eine Form der Sühne: „Vielleicht kann ich etwas gutmachen.“

Das Programm wirft ethische Fragen auf – darf man Menschen in Haft mit Freiheit für den Einsatz an der Front locken? Doch die ukrainische Armee leidet unter massivem Personalmangel, und der Krieg kennt keine Schonzeit. Für Männer wie Oleksandr bedeutet die Uniform Hoffnung: die Chance, als jemand Neues aus dem Krieg zurückzukehren. Wenn sie überleben.
Mehr Reportagen von Kriegsreporter Jan Jessen
- Mit 140 durch den Krieg: Dieser Bus holt Verwundete aus der Hölle
- Für Vergebung: Im „Alcatraz“-Bataillon kämpfen Verbrecher in der Hölle
- „Gamechanger“: Ukraine setzt Hightech-Waffe ein – und versenkt Boote
- „Bis hierher und nicht weiter!“: Bundeswehr rüstet sich für Putin
- „Wie wilde Tiere“: Mariya von russischen Soldaten vergewaltigt
Folgen Sie dem Podcast „Im Krisenmodus“:
Im Podcast „Im Krisenmodus“ wird denjenigen eine Stimme gegeben, die den Alltag in Krisen- und Kriegsgebieten hautnah erleben. Soldaten, Helfer und Betroffene teilen ihre bewegenden Geschichten und berichten von den Herausforderungen und Tragödien, die Krieg und humanitäre Krisen täglich mit sich bringen.
Journalist Jan Jessen, bekannt für seine Reportagen aus den Brennpunkten der Welt, reist direkt an die Fronten und in Krisengebiete, um diese Geschichten einzufangen. Mit seiner journalistischen Expertise und sensiblen Herangehensweise gibt er den Menschen in Kriegs- und Konfliktregionen eine Plattform, die gehört werden muss.
Alle zwei Wochen erscheint eine neue, eindringliche Folge, die die Hörer:innen in eine andere Krisenregion entführt. Der Podcast lässt nicht nur das Grauen, sondern auch die Widerstandskraft und den Mut der Menschen spüren, deren Leben durch Konflikte erschüttert wurde.
Folgen Sie Im Krisenmodus auf Spotify, Apple, Amazon oder Ihrer bevorzugten Podcast-App.



