Die Bundeswehr hat die Bedeutung von Drohnen lange unterschätzt und die rasanten Entwicklungen in diesem Bereich der modernen Kriegsführung verschlafen. Nun will die Truppe aufholen: Drohnen werden im Verteidigungsministerium inzwischen als „Schlüsselinstrument“ definiert. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will nun mit Sprengsätzen versehene Angriffsdrohnen für mehr als eine halbe Milliarde Euro beschaffen, berichtet der „Spiegel“.

Demnach sollen die Kamikaze-Drohnen für insgesamt rund 536 Millionen Euro bei den beiden deutschen Start-ups Helsing und Stark Defence eingekauft werden. Geplant ist die Bestellung von „Loitering Munition“, unbemannte Drohnen also, die sich mit Sprengköpfen bewaffnen lassen – oft auch als Kamikaze-Drohnen bezeichnet. Die Drohnen können über dem Zielgebiet in der Luft kreisen, bis sie ins Ziel gesteuert werden.
„Loitering Munition“-Flugkörper explodieren im Ziel
Dort explodieren die unbemannten Lenkflugkörper, sie sind zum einmaligen Gebrauch gedacht. Andere Kampfdrohnen kehren nach dem Einsatz zurück und können neu bestückt und wiederholt eingesetzt werden.
Exklusive Politik-Hintergründe – für Sie recherchiert
Die Bundeswehr verfügt bisher über mehrere unbewaffnete Aufklärungsdrohnen. Zudem least Deutschland von Israel mehrere Heron-Drohnen, die bewaffnet werden können. Eigene Kampfdrohnen hat die Truppe bisher nicht zur Verfügung. Die Bundeswehr will die Kampfdrohnen nach „Spiegel“-Informationen bei der Panzerbrigade 45 einsetzen, die derzeit in Litauen aufgebaut wird und der Abschreckung an der Nato-Ostflanke dient.
Kamikaze-Drohnen: Bundeswehr will große Stückzahlen beschaffen
Dem Bundestag sollen die zwei 25-Millionen-Vorlagen derzeit zur Genehmigung vorliegen. Der Haushaltsausschuss des Bundestags muss jede Beschaffung der Bundeswehr oberhalb von 25 Millionen Euro genehmigen.
Auch interessant
Drohnen seien heute wie der Panzer vor hundert Jahren ein echter „Gamechanger“ in bewaffneten Konflikten, heißt es bei der Bundeswehr. Das Bundesverteidigungsministerium hatte eine „Task Force Drohne“ eingesetzt, um die Schwächen der Truppe im Bereich Drohnen zu analysieren und die entsprechenden Schlüsse zu ziehen.
Darin flossen Erkenntnisse aus dem Krieg in der Ukraine ein, in dem beide Seiten massenhaft Drohnen auch weit im gegnerischen Gebiet einsetzen. Sowohl Russland als auch die Ukraine entwickeln ihre Geräte in rasendem Tempo weiter, das gilt auch für die Gegenwehr durch Störgeräte und elektromagnetische Waffen. Drohnen sind im modernen Krieg ein günstiges Massenprodukt, das schwer abzuwehren ist. In der Ukraine werden dafür auch teure Patriot-Raketen eingesetzt.
Zu den Empfehlungen der „Task Force Drohne“ gehörte unter anderem die Anschaffung von Anti-Drohnen-Ponchos, die Soldaten davor schützen sollen, von feindlichen Drohnen als Ziel erkannt zu werden. Sie sollen zunächst bei der Bundeswehr an der Nato-Ostflanke in Litauen eingesetzt werden. Zudem wurde eine Liste mit handelsüblichen Klein- und Kleinstdrohnen erstellt, die Kommandeure ohne langwierige Beschaffungsprozesse kaufen können. Die Bundeswehr reagiert mit dem neuen Tempo auch auf die zuletzt wiederkehrenden Fälle mutmaßlich gegnerischer Drohnen über und in der Nähe von Kasernen der Bundeswehr. Hier will die Truppe ebenfalls nachrüsten.








