Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel: Kaum ist die Stippvisite bei Donald Trump in Alaska vorbei, reist Russlands Präsident Wladimir Putin nach China. Und diesmal wird es kein Kurzbesuch sein, bis Mittwoch will der Kremlchef im Reich der Mitte bleiben. Der Gipfel beginnt am Sonntagabend mit einem Empfang und einem Konzert. Für Putin ist es ein Spagat, er will auf zwei Hochzeiten tanzen: mit Donald Trump und mit Xi Jinping in der neuen, von ihm ausgerufenen multipolaren Welt.

Im Zentrum des China-Besuchs steht das Gipfeltreffen der „Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit“ (SOZ) in Tianjin, an dem die Staats- und Regierungschefs aus mehr als 20 Ländern teilnehmen werden. Die SOZ wurde vor 24 Jahren gegründet, inzwischen gehören ihr zehn Staaten an – neben den Gründungsländern Russland, China und Kasachstan auch Indien, Pakistan sowie seit 2023 der Iran und seit 2024 Belarus. Dem chinesischen Außenamt zufolge soll es der größte Gipfel seit Bestehen der Organisation werden. Am Montag stehen zunächst Einzelgespräche auf dem Programm.

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Für Putin ist der Staatsbesuch wichtig, mit Xi und Indiens Ministerpräsident Narendra Modi trifft er die Staatschefs der wichtigsten Importländer von russischem Rohöl. Nach wie vor ist der Export von Öl ein wichtiger Garant für den russischen Staatshaushalt. Russland setzt auf seine Partnerschaft mit China, wirtschaftlich und auch politisch. Zur Siegesparade im Mai war Chinas Präsident vier Tage in Moskau, stand neben Putin auf der Ehrentribüne. „Vor dem Hintergrund einer schwierigen geopolitischen Lage und globaler Unsicherheit ist die russisch-chinesische außenpolitische Verbindung der wichtigste stabilisierende Faktor auf der internationalen Bühne“, betonte Putin damals.

Nach dem Gipfel wird Wladimir Putin in China bleiben

2024 stieg das bilaterale Handelsvolumen offiziellen Angaben zufolge auf über 216 Milliarden Euro. Russland braucht China, um den Sanktionen des Westens zu trotzen, zumindest solange diese noch bestehen. Von dort kommen viele Konsumgüter ins Land. Chinesische Autos prägen inzwischen das Straßenbild Moskaus. Aus China stammen wohl auch Bauteile für die Rüstungsindustrie, was Peking nach wie vor dementiert. Umgekehrt exportiert Russland Gas und Öl nach China.

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„Russland ist führend bei den Öl- und Gasexporten nach China“, so Putin in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Xinhua. „2027 planen wir die Inbetriebnahme einer weiteren Gaspipeline, der sogenannten ‚Fernöstlichen Route‘. Wir arbeiten erfolgreich an LNG-Projekten in der russischen Arktis zusammen.“

Nach dem Gipfel in Tianjin wird Wladimir Putin in China bleiben. In Peking will er an der großen Militärparade anlässlich des 80. Jahrestags der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg teilnehmen, zusammen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un und 24 weiteren Staatschefs. Da geht es dann um Säbelrasseln. Xi Jinping wird die Parade von Zehntausenden Soldaten auf dem Platz des Himmlischen Friedens abnehmen. Kampfjets, Raketenabwehrsysteme und Hyperschallwaffen will man präsentieren. Sogar Chinas neueste Tarnkappen-Drohne soll angeblich vorgeführt werden.