NRW-Schulministerin Dorothee Feller hat bestätigt, dass der 17-Jährige, der am vergangenen Freitag im Essener Berufskolleg im Bildungspark mit einem Messer schwer verletzt haben soll, erst seit etwa 14 Tagen Schüler an dieser Schule war. „Der Täter hat zunächst eine Hauptschule besucht. Dann wechselte er an ein anderes Berufskolleg, verließ dort die Schule ohne Abschluss und war nicht mehr schulpflichtig. Er war erst seit 14 Tagen an dem Essener Berufskolleg, in dem die Tat geschah“, sagte Feller am Mittwoch im Schulausschuss des Landtags.

Ministerin Dorothee Feller: „14 Tage hätten nicht für Prävention gereicht“

AI-Skilling-Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen
„Gewalt ist kein rein schulisches Phänomen“: Dorothee Feller (CDU), NRW-Ministerin für Schule und Bildung.© picture alliance / Flashpic | Jens Krick

Ob der junge Mann zuvor schon durch Gewalttaten aufgefallen war, wurde im Ausschuss nicht aufgeklärt. Die Regierung verwies auf die laufenden staatsanwaltlichen Ermittlungen. Sollte es eine solche Vorgeschichte geben, hätten 14 Tage sicher nicht für eine Prävention gereicht, obwohl es an dem Berufskolleg Schulsozialarbeiter gebe, so die Ministerin.

Jugendgewalt „kein rein schulisches, sondern ein gesellschaftliches Phänomen“

Im Schulministerium soll sich jetzt eine Expertenkommission mit dem Phänomen der zunehmenden Gewalt an Schulen beschäftigen, so Feller. „Wir müssen dem auf den Grund gehen, können das aber nicht von heute auf morgen tun. Alle Maßnahmen brauchen Zeit zur Wirkung.“ Gewalt durch junge Menschen sei kein rein schulisches, sondern ein gesellschaftliches Problem.

Die Opposition dringt auf mehr Maßnahmen gegen Gewalt in Schulen. „Wir müssen nach diesem Fall in Essen generell über Sicherheit an Schulen reden“, sagte Dilek Engin (SPD). „Der beste Schutz ist Prävention, und die beste Prävention sind Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter sowie Schulpsychologinnen und -psychologen.“ Fehlendes Personal für Schulsozialarbeit sei ein „Einfallstor für Gewalt“. Engin erinnerte an eine VBE-Studie aus dem Jahr 2024, die beschrieb, dass viele Lehrkräfte in NRW unter Gewalt leiden.

Auch interessant

FDP-Politikerin warnt vor „amerikanischen Verhältnissen“ an Schulen in NRW

FDP-Schulexpertin Franziska Müller-Rech warnte vor „amerikanischen Verhältnissen“ in NRW-Schulen. Schon würden erste Rufe nach Eingangskontrollen in Schulen laut. Der Vorschlag von Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU), Eltern sollten die Taschen ihrer Kinder kontrollieren, zeige Hilflosigkeit.

Laut Ministerin Feller habe die ganze Schulgemeinde an dem Essener Berufskolleg in dieser extremen Krisensituation „besonnen und vorbildlich“ reagiert. Das standardisierte Verfahren für Amoklagen habe in diesem Fall funktioniert.