Die „Kulturschaffenden“ des Flanders Festival in Belgien (man sollte sie eher als politische Aktivisten bezeichnen) geben sich nicht einmal Mühe, ihre Feindschaft zu Israel zu verbergen. Die Ausladung der Münchner Philharmoniker ist ein Hohn – auch intellektuell: ein paar zusammengekloppte Zeilen, ein paar hetzerische Botschaften an das „genozidale Regime“ in Tel Aviv und eine verbale Vertreibung des jüdischen Dirigenten Lahav Shani, zu dem man – Achtung! – „nicht in der Lage“ gewesen sei, „ausreichend Klarheit“ über dessen politische Haltung zum Krieg in Gaza zu verschaffen.

Auch interessant

Erstmal möchte man laut zurückrufen: Ja, dann gebt euch zwischen euren Bach-Kantaten und performativen Mezzosopran-Arien gefälligst ein wenig mehr Mühe – und findet heraus, wie Shani sich positioniert, wenn die korrekte politische Haltung die Teilnahmevoraussetzung für eure Kunst ist.

Über das Achtklässler-Niveau der Bekanntmachung der Festivalchefs könnte man noch lachen, wäre die Entscheidung nicht so weitreichend: Europa lädt Juden wieder aus, grenzt sie aus. Und das in einem Kulturbetrieb, der sich eigentlich dem Zeitgeist wachsender Hetze entgegenstellen und zusammenbringen sollte – losgelöst von einer politischen Agenda.

Lesen Sie auch: Not in Gaza: „Sie stehen kurz vor dem Hungertod“

Aber Europas Künstlerinnen und Künstler wirken durchtränkt mit Kämpfern für die palästinensische Sache. Das Schweigen gegen jeden Antisemitismus ist traurig und feige.

Es gibt immer stärker wachsende Gründe, die Regierung in Tel Aviv zu kritisieren. Der Verdacht der Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen im Kampf gegen die Terrorgruppe Hamas erhärtet sich. Nur: Jüdinnen und Juden für die Politik von Benjamin Netanjahu in Geiselhaft zu nehmen, ist nichts als Antisemitismus.