Ein allem Anschein nach politischer Mord erschüttert die USA: Der rechtsextreme Influencer Charlie Kirk fiel am Mittwoch einem Attentat zum Opfer. Er starb nur kurz nach dem er auf einem Campus einer Universität in Utah von einer Kugel getroffen worden war. Noch ist nicht klar, wer da auf den 31-Jährigen geschossen hat. In der Nähe des Tatorts konnte Munition sichergestellt werden, die laut Medienberichten mit politischen Botschaften graviert ist. Der Verdacht liegt nahe, dass die Tat einen politischen Hintergrund hat.

Kirk, ein enger Verbündeter von US-Präsident Donald Trump, hatte viel Einfluss auf die öffentliche Meinung in den USA, galt vor allem unter jungen Menschen als Vordenker. Er war immer wieder mit steilen, mitunter rechtsextremen, Thesen aufgefallen: Tote bei Schusswaffenvorfällen seien eben hinzunehmen, wenn es nur dem Schutz der Verfassung dient, queerfreundliche Uniprofs seien zu melden und Juden würden am „Großen Austausch“ arbeiten, also dem Auswechseln der weißen amerikanischen Bevölkerung durch Migranten. Eine Verschwörungsfantasie, bar jeder Tatsachen.

Auch wenn nichts davon einen Mord rechtfertigt: Kirk eckte im linken und linksliberalen Lager an. Das rechte Lager bezeichnet Kirk nunmehr nur noch als Märtyrer. Zumal: Sein Tod fällt in eine Zeit, in der das politische Klima in den USA mit „aufgeheizt“ noch harmlos umschrieben ist. Das MAGA-dominierte republikanische Lager und das der links-liberalen Demokraten stehen sich immer unversöhnlicher gegenüber und über allem steht ein US-Präsident, der inzwischen routinemäßig den Einsatz der Nationalgarde in demokratisch geführten Bundesstaaten oder Metropolen befiehlt. Von maskierten ICE-Beamten, die migrantisch-gelesene Menschen vor allem in demokratischen Bundesstaaten von der Straße oder ihrem Arbeitsplatz weg verhaften, einmal ganz zu schweigen.

Charlie Kirk Schuss
Der Schuss auf Kirk ist gefallen: Menschen fliehen in Panik um ihr Leben.© Tess Crowley/The Deseret News/dpa | Tess Crowley

Politisch motivierte Gewalt ist in den USA Normalität geworden

In diesem Klima scheint der Schritt zur Gewalt für manchen US-Amerikaner nur noch ein sehr kurzer zu sein – in den vergangenen Jahren häufen sich die Vorfälle, in denen von rechts wie links Gewalt gegen den politischen Gegner mitunter tödlich endete. „Politische Gewalt ist eine furchteinflößende Tatsache im Leben Amerikas geworden“, titelte das Wall Street Journal am Donnerstag. Kirks Tod treibe eine ohnehin gespaltene Nation weiter auseinander, schreibt das konservative Blatt.

Die Feststellung ist nicht besonders weit hergeholt, das zeigt schon der Blick auf das Jahr 2025. Im Juni starben in Minnesota die demokratische Abgeordnete Melissa Hortman und ihr Ehemann in ihrem Haus in Brooklyn Park. Ein 57-Jähriger soll – wohl aus politischen Motiven – beide erschossen haben. Selbst der Hund der Familie überlebte das Attentat nicht.

Kurz zuvor waren zwei Mitarbeiter der israelischen Botschaft in Washington erschossen worden. Ein 30-Jähriger hatte Ende Mai das Feuer auf das junge Paar eröffnet und nach der Tat propalästinensische Parolen gerufen. Er gab später an, „für Gaza“ gehandelt zu haben. Die Behörden behandeln den Fall als antisemitischen Terrorakt. Das Paar hatte kurz vor der Verlobung gestanden.

Wiederum nur einen Monat vorher hatte ein versuchter Brandanschlag auf die Residenz des Gouverneurs von Pennsylvania, Josh Shapiro, für Schlagzeilen gesorgt. Ein 38-Jähriger wird verdächtigt, mit Brandsätzen einen Anschlag auf den Demokraten Shapiro verübt zu haben. Auch hier gehen die Ermittler von einer politisch motivierten Tat aus, die Anklage lautet auf Terrorismus. Der Verdächtige hatte angegeben, Hass auf den Juden Shapiro zu hegen und erklärt, er hätte Shapiro auch persönlich angegriffen, wäre er ihm begegnet. Shapiro hatte nur kurz zuvor das mit seiner Familie das Pessach-Fest gefeiert.

US-Politikerin und Ehemann in Minnesota erschossen
Ein bewaffneter FBI-Agent nimmt an der Suche nach einem Schützen teil, der Melissa Hortman und ihren Ehemann erschossen hat.© Alex Kormann/Star Tribune/AP/dpa | Alex Kormann

Wahlkampf war von Gewalttaten überschattet

Die Taten kommen in ihrer Häufung nicht aus dem Nichts. Schon das Wahlkampf-Jahr 2024 war von Gewaltakten geprägt gewesen: Im Juli war der damalige Präsidentschaftskandidat Donald Trump nur knapp einem Attentat entgangen. Ein Mann hatte während einer Wahlkampfveranstaltung in der Nähe von Butler, Pennsylvania, das Feuer auf Trump eröffnet. Er wurde dabei leicht am Ohr verletzt. Ein Zuschauer starb, zwei weitere erlitten schwere Verletzungen.

Ein weiterer mutmaßlicher Attentatsversuch ereignete sich in Florida, als eine Person mit einem Gewehr bewaffnet in der Nähe eines Golfplatzes, auf dem Trump spielte, festgenommen wurde. Ein 58-Jähriger hatte Trump in einem Gebüsch aufgelauert, war aber von der Präsidenten-Leibwache entdeckt worden und floh. Er ist wegen versuchten Mordes an einem Präsidentschaftskandidaten angeklagt. Sein Prozess begann am 11. September 2025 in Florida.

Die Fälle sind Extrembeispiele dafür, wie sehr der Präsidentschaftswahlkampf schon nicht mehr nur mit Worten geführt worden war: Brandanschläge auf Wahlurnen, Bedrohungen von Amtsträgern oder Wahlhelfern sind für das Jahr 2024 gut dokumentiert. Die United States Capitol Police etwa, zuständig für die Sicherheit der Kongressabgeordneten, untersuchte 9474 Fälle von „besorgniserregenden Äußerungen und direkten Drohungen“ gegen Kongressabgeordnete, deren Familien und Mitarbeiter – rund 1400 Fälle mehr als im Jahr zuvor und rund dreimal so viele wie im Jahr 2017.

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Trump sendete gefährliches Signal

Dazwischen liegt ein Ereignis, das an Brutalität und politischer Tragweite für die jüngere US-Geschichte wohl kaum zu überbieten ist: der 6. Januar 2021. Tausende von Trump mit der Lüge der gestohlenen Wiederwahl angestachelte, teils zu extremer Gewalt bereite, Anhänger hatten das US-Kapitol gestürmt in der Absicht, die friedliche Übergabe der Regierungsgewalt zu verhindern. Der Putschversuch scheiterte, fünf Menschen starben, mehrere Polizisten nahmen sich in der Folge das Leben.

Der Sturm auf das Kapitol führte zu massiven Ermittlungen der US-Behörden, die in 1270 Verurteilungen mündeten. Nach der Amtsübernahme im Januar 2025 begnadigte Trump fast alle Verurteilten, mit wenigen Ausnahmen. Kritiker warnten, die Begnadigung von Personen, die sich gewalttätig an einem Angriff auf die US-Demokratie beteiligt hatten, sei ein gefährliches Signal. Trump aber bestand darauf, dass die Inhaftierten – er hatte wiederholt von „politischen Gefangenen“ gesprochen – in vielen Fällen „lächerlich und überzogen“ bestraft worden seien und in den meisten Fällen „nichts falsch gemacht“ hätten. Aus seiner Sicht waren die Begnadigungen ein Akt der „nationalen Versöhnung“.