Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

wenn Sie den Newsletter „Das Beste am Sonntag“ abonnieren möchten, nutzen Sie bitte diesen Link. Und jetzt zu meinem Sonntags-Kommentar mit diesen Lese-Empfehlungen:

Vor Jahren habe ich mir im Urlaub ein paar weiße Sneaker gekauft. Die Schnürbänder waren schwarz, die Sohle bestand aus in Wellen aufgeschäumtem Kunststoff. Ich lief wie auf Wolken. Als ich mir kurz darauf einen Bänderriss zuzog, trug ich die folgenden sechs Monate keinen anderen Schuh. Ich wusste damals nicht, dass ich Sneaker eines Schweizer Unternehmens mit dem Namen „On“ gekauft hatte. Mir fiel nur im Laufe der Zeit auf, dass immer mehr Leute Sportschuhe tragen mit dem seltsamen Logo: ein O, das aussieht wie ein halbiertes Zeichen für männlich, darunter ein umgekehrtes u, das tatsächlich ein n ist. On eben.

Ich trug jahrelang einen Kultschuh – und wusste es nicht

Warum ich das erzähle? Meine Kollegen Tobias Kisling und Dominik Bath haben Caspar Coppetti getroffen. Das ist einer der Gründer des Schweizer Unternehmens, das gerade dabei ist, Adidas und Nike Marktanteile abzunehmen. Und an der New Yorker Börse ist es inzwischen auch; zweifellos ein toller unternehmerischer Erfolg. Wahrscheinlich hängt er auch damit zusammen, dass sich Coppetti – ein ehemaliger Profi-Snowboarder – einfühlt in die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden. Im Interview erklärt er, wie On mit den Profis umgeht, die das Unternehmen unter Vertrag hat. Und welche Bedeutung zum Beispiel der Berlin-Marathon hat, bei dem auch viele Freizeitsportler am Start sind.

Caspar Copetti Co-Founder der Schweizer Sportartikel-Marke On
War mal Profi-Snowboarder: Caspar Copetti Co-Founder der Schweizer Sportartikel-Marke On.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

O‘zapft ist: Die Oktoberfest-Maß kostet mehr als 15 Euro

Während die Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt schon seit Tagen das Stadtbild von Berlin prägen, ist es in München das globale Partyvolk, verkleidet mit Dirndl oder Lederhose. Seit diesem Samstag heißt es: O‘zapft is, das Oktoberfest läuft. Sportschuhe sind da eher fehl am Platz. Was beide Gruppen gemeinsam haben? Sie werden möglicherweise ein „cooles High“ erleben. Caspar Coppetti setzt dabei eher auf das Sportler-High, ausgelöst von Endorphinen, sagt er im Interview. Das sei ebenso cool, aber der einzige Kater, den man davon trage, sei ein Muskelkater.

Sportler-High oder Mega-Party: Welcher Kick ist besser?

Ich persönlich würde das eine nicht gegen das andere ausspielen. 42 Kilometer im Sportler-Pulk zu schaffen, das ist sicher ein erhebendes Gefühl. Eine Ahnung davon habe ich bei ein paar Firmen- und Stadtläufen bekommen. Aber mal auf dem Tisch im Festzelt auf der Wiesn tanzen, ist eben auch ein unbeschreiblicher Kick. Ich habe jedenfalls durch die angeheiratete Verwandtschaft in München Bezug zum Oktoberfest und ein paar tolle Partys miterlebt. Schade, dass ich es dieses Jahr wieder nicht schaffe und mein Dirndl noch ein Jahr im Schrank hängen bleibt.

Birgitta Stauber-Klein Newsletter Bild
Birgitta Stauber, Textchefin der Zentralredaktion© Montage | FMG/Reto Klar/FFS

An dieser Stelle möchte ich mal eine Lanze brechen für das Oktoberfest. Für all die Celebrities, die die Sause nutzen, um sich zu präsentieren, meinetwegen auch Heidi Klum und ihr Clan. Für all diejenigen, die einfach nur feiern wollen. Und wenn sie dafür eine Menge Geld ausgeben, weil die Maß Bier zusammen mit einem Hendl 40 Euro kostet, dann ist das ihre freie Entscheidung.

Ich bin mal gespannt, wie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sich da so präsentiert. Immerhin weiß ich durch einen Instagram-Post, dass er lieber Hendl als Ochsenfetzen-Semmel isst und das Bierzelt der Achterbahn vorzieht. Wahrscheinlich wird er seine knapp 770.000 Follower in den kommenden drei Wochen mit der Wiesn-Kulinarik beglücken.

Söder isst, Baerbock fährt Taxi: Warum posten die das bloß?

Was ihn oder auch Annalena Baerbock und andere Politiker dazu treibt, statt über seriöse Politik über die Banalitäten des Alltags auf den Social-Media-Kanälen zu posten, hat Jan Dörner unter die Lupe genommen. Der spannende Lesestoff beschreibt einen Zeitgeist, der offenbar immer mehr Politiker und Politikerinnen dazu zwingt, die politische Auseinandersetzung mit Unterhaltung und – ja, auch – Internetquatsch zu kombinieren.

Baerbock in New York
Soll das cool sein? Annalena Baerbock, Präsidentin der UN-Generalversammlung, postet aus New York. © abaerbock/Instagram | abaerbock/Instagram

Früher, schreibt Jan Dörner, war übrigens nicht alles besser: Erinnern wir uns doch an den FDP-Politiker Guido Westerwelle im Big-Brother-Container. Oder den Berliner SPD-Mann Thomas Krüger mit seinem FKK-Wahlplakat. Sein Gemächt hatte er nur mit den Händen abgedeckt. Dazu der Slogan: „Eine ehrliche Haut“.

„Kann es sein, dass du ein Mädchen bist, Papa?“

Ein weiteres Highlight dieser Woche ist die Geschichte von Svea, einer Mutter und Ehefrau, die mal ein Vater und Ehemann war. Svea ist eine trans Frau, verheiratet mit Japhia. Die beiden haben zwei Kinder. Meiner Kollegin Anne-Kathrin Neuberg-Vural hat das Paar erzählt, wie sie die Familie zusammengehalten haben, wie sie es ihren Töchtern erklärten und wie Nachbarn und Freunde reagierten. So viel kann ich schon mal verraten: Die ältere Tochter hatte längst gespürt, was los ist. Und zu Svea gesagt: „Kann es sein, dass du ein Mädchen bist, Papa?“

BERLIN: Story für das Ressort Leben: Eheleute Svea & Japhia, Svea wurde als Mann geboren. Das Paar hat zwei Kinder.
Sind eine Familie: Die Eltern Svea und Japhia mit ihren Töchtern. © FUNKE Foto Services | Kerstin Kokoska

So wie es scheint, hat die Familie diese Herausforderung angenommen – und gemeistert. Ich drücke den Müttern und Töchtern fest die Daumen, dass es so bleibt. Und Ihnen wünsche ich, wie immer, einen wunderschönen Sonntag. Ob Sie Sport treiben, feiern gehen oder einfach die Zeit entspannt mit Ihren Liebsten verbringen.

Es grüßt sie herzlich

Ihre Birgitta Stauber