Drohnen gehören längst zum Alltag des Krieges in der Ukraine – als Waffe, als Aufklärer, als Ziel. Doch nun sollen sie etwas völlig anderes leisten: Leben retten. Konkret sollen sie künftig Organe für Transplantationen transportieren.
Mit dieser Idee sorgt das Herzinstitut des ukrainischen Gesundheitsministeriums für Aufsehen, berichtet die Onlinezeitung „Ukrajinska Prawda“. „Zeit ist ein entscheidender Faktor bei Transplantationen“, erklärt Institutsdirektor Boris Todurow. Ein Herz überlebt außerhalb des Körpers nur rund vier Stunden. Die längste bekannte Zeitspanne, die ein Herz außerhalb eines menschlichen Körpers überlebte, waren Anfang 2025 zwölf Stunden – allerdings unter medizinischer Aufsicht, das Organ wurde später in der Schweiz transplantiert. Früher griffen Ärzte für Transporte in entfernte Regionen auf Hubschrauber zurück. Seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 ist der zivile Luftraum jedoch gesperrt. Organe werden seither ausschließlich per Auto befördert – mit allen Risiken von Staus, Pannen oder Tankstopps.
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Ukraine-Krieg: Drohnen sind billiger unterwegs als Hubschrauber
Zwar haben die Experten Methoden entwickelt, um die Funktionsfähigkeit des Herzens auf sechs bis sieben Stunden zu verlängern. Damit lassen sich etwa Transporte zwischen Kiew und dem frontnahen Saporischschja ermöglichen, wo viele verwundete Soldaten behandelt werden. Doch die Fahrt bleibt riskant, sagt Todurow: „Das Auto fährt nicht über leere Straßen. Es gibt Verkehr, Ampeln, mögliche Verzögerungen. Und wir müssen mit maximal erlaubter Geschwindigkeit fahren.“
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Drohnen könnten diese Probleme lösen. Sie seien unabhängig vom Straßenverkehr, bräuchten keine Tankstopps und gefährdeten auch nicht das medizinische Personal. Vor allem aber seien sie deutlich schneller – fast doppelt so schnell wie ein Auto. Hinzu komme der Preis: Hubschraubereinsätze kosten mehrere Tausend Dollar pro Stunde. Eine Drohne, die 700 Kilometer fliegt, verbrauche dagegen nur sechs Liter Benzin. Kostenpunkt: weniger als zehn Euro.

Ukraine: Hubschrauberflüge und zivile Drohnen sind verboten
Allerdings ist der zivile Drohneneinsatz in der Ukraine ebenso verboten wie Hubschrauberflüge. Für den medizinischen Gebrauch wären gesetzliche Änderungen nötig – nicht nur im Krieg, sondern auch in Friedenszeiten. Zudem stellt sich die Frage nach der Sicherheit. Fällt eine Drohne aus, müsste ein Notfallsystem greifen. Diskutiert werden Fallschirme oder Leuchtfeuer, mit denen sich das Gerät lokalisieren ließe.
Das Institut testet derzeit zwei Modelle ukrainischer Bauart, die bereits an der Front eingesetzt werden. Die erste ist eine Hybriddrohne, die senkrecht startet und landet, dann aber wie ein Flugzeug fliegt. Sie schafft bis zu 700 Kilometer, trägt zehn Kilogramm und könnte damit das gesamte von Kiew kontrollierte Gebiet abdecken. Die zweite ist eine Art Hubschrauberdrohne. Sie kann zwar bis zu 20 Kilogramm tragen, kommt aber nur 50 Kilometer weit – zu wenig für größere Distanzen, aber ausreichend für die Region um Kiew. Die Entwickler hoffen, die Reichweite auf 100 Kilometer steigern zu können.
Ukraine: Drohnen könnten auch Medikamente oder Blutkonserven transportieren
Besonders wichtig sind Testflüge unter realen Bedingungen. Laut „Ukrajinska Prawda“ fanden bereits zwei Flüge mit der Hybriddrohne statt – einmal bei minus zehn, einmal bei plus 30 Grad. Beide verliefen erfolgreich. „Am Ende waren wir überzeugt, dass sich mit dieser Methode tatsächlich ein menschliches Herz transportieren lässt“, sagt Todurow. Die eingesetzte Technik sei inzwischen so präzise und sicher, dass sich auch das Kiewer Herzinstitut für ihren Einsatz entschieden habe.
Todurow sieht noch größere Möglichkeiten: Drohnen könnten nicht nur Organe transportieren, sondern auch Medikamente oder Blutkonserven – sowohl im Krieg als auch im zivilen Alltag. „Wenn jemand etwa auf dem Howerla-Berg im Westen der Ukraine erkrankt, könnte eine Drohne Medikamente dorthin bringen. Auf anderem Weg wäre das kaum möglich.“






